Hangzhou - wo ist das denn?

Glücklich im Dauerregen

Shanghai - eine erste Annäherung

Auf der Suche nach dem alten Shanghai

Peking: die etwas andere Stadtrundfahrt

Mit Beijing Sideways im Motorradgespann durch die Metropole

Hallo Peking!

Auftakt zu meiner Reise durch China

Inselhopping auf den Malediven

Und warum in meinem neuen Domizil ein Sofa im Sand steht

Traumziel Malediven

Und warum mein Einstieg ins Paradies von Misserfolgen gekrönt war

Kapstadt: Unterwegs mit der Condor Crew

Ihre besten Tipps für die Metropole Südafrikas

Mein Tag als Flugbegleiterin bei Condor

Nenn mich bloß nicht Saftschubse

Curacao: Ich mach dann mal blau

Auftakt zu einer bunten Reise

Mein Wochenende in Brügge

Eine überraschend schöne und ruhige Stadt

Unendliche Weiten

Mein Bilderbuch Amerika - aus der Windschutzscheibe

Harley Davidson fahren in den USA

Verjüngungskur inklusive

Hit the road, Gigi

Zum ersten Mal in meinem USA Road Trip Wohnmobil

Audienz bei Food-Gott von Chicago

Mit ABC-Reporter Steve Dolinsky auf Restaurant-Tour

Heartland USA: Start ins Abenteuer

Und am liebsten gleich alles nochmal...

Berlin: Neues aus der Food-Szene

Und ich Glückspilz habe gleich zwei neue leckere Nachbarn...

Singapur - im Streetfood Himmel

Einen ganzen Tag lang nichts als bestes Essen...

Schatzsuche im Bretonischen Meer

Und man denkt, man ist in einem Film gelandet

Ein Sommer-Wochenende in Glasgow

Das coolste Hotel und die besten Locations in der schottischen Metropole

Lyon im Sommer

Ein echter Vintage-Traum

Ein perfekter Tag in Toronto

Die besten Restaurants und ein luftiges Abenteuer in 24 Stunden

Zum Tanzen auf die Prince Edward Island

Und das mit einem Koch, der die Frauen der Insel zum Seuzen bringt

Von dichtenden Hummerfischern, coolen Köchen und Weinen, die Moose Juice heißen

Ein perfekter Tag in der Eisberghauptstadt Twillingate

Neufundland: Eisberg voraus!

Erster Stop meiner Kanadarundreise - und schon ein Paradies gefunden

Spontaner Surfkurs in der Bretagne

Und dann auch noch mit einem Vize Europameister, Alter!!!

Gourmet-Segeltrip an der Smaragdküste

Ein Tag wie aus dem Bilderbuch....

Per Instagram durch die Bretagne

Bildreicher Auftakt zu einer mir vorher unbekannten Schönheit

Seychellen - meine Ein-Tag-Trauminsel

Und warum ich mit meinem schönen Kleid und der schönen Kristin an der Hand ins Meer gesprungen bin

Seychellen - Ankunft im Paradies

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Im Land der Elefantenbäume

Und warum die Dickhäuter sich nicht an Früchten betrinken können

Auf Safari in Südafrika

Die Big Five in drei Tagen - mit Video

Tipps für Alleinreisende Frauen

Wie man auch allein sicher unterwegs ist...

Rhône-Alpes... im Französischen Schlaraffenland

Auftakt zu einer Reise zu den Sternen

Best of: Meine Mini-Weltreise

Mit Video und kleiner Statistik à la Reisefreunde....

Auf Fototour durch Angkor Wat

Wer lernen will, muss früh aufstehen....

Letzte Etappe Kambodscha

Wiedersehen mit zwei Freundinnen und Schock in Siem Reap....

Saigon: Mein herzensguter Abschied aus Vietnam

Und was ein Polizist und eine alte Frau damit zu tun haben....

Bäuerin für einen Tag

Und warum ich in ein Korianderbeet gesprungen bin...

Trottel-Ich

Wenn romamtische Träume nicht wahr werden. Oder: die schrecklichste Zugfahrt meines Lebens.

My little Schlaraffenland

Zwei Tage bestes Street Food in Hanoi

Die Elefanten-Flüsterin

Unterwegs mit den Dickhäutern im Goldenen Dreieck von Thailand

Chiang Mai: Ein Traum wird wahr

Oder wieso ich morgens als verschwitzter Dreckspatz im schönen Spa stand

Der Himmel auf Erden

Im Goldenen Dreieck in Thailand im märchenhaften Luxus-Camp

Lecker: Koch-Samstag mit Gian Luca

Neue Rubrik bei Reisefreunde: Lecker! Ein Toskanischer Koch nimmt mich mit zum Einkaufen und verrät seine Rezepte

Locanda al Colle... ti amo!

EIn Kleinod in der schönen Toskana. Ein wahrer Charming Place...

5-Sterne mit Gummistiefel-Verleih

Ich bin neidisch auf Jerry. Quietschend stapft er vor mir her. Er nimmt jede Pfütze mit Gleichmut - kann er auch. Er trägt nämlich Gummistiefel, der Profi. Ich hingegen fühle langsam die Nässe und Kälte an meinen Strümpfen, denn ich Dummerchen trage nur sommerliche Chucks und mein Regenschirm ist auch schon geknickt. 

Denn auch heute schüttet es aus Kübeln. Ich bin im Lingyin Tempel in Hangzhou. Mein Guide Jerry meint, ich könnte ja für gutes Wetter beten. Wenn der wüsste, dass ich nicht gläubig bin. Aber ich zünde ein paar Räucherstäbchen an und hoffe auf Erbarmen.



Beim Eintreten in einen der Tempel kommt mir die Idee. Wäre doch gelacht, wenn mir mein Hotel nicht helfen könnte. 

Wir fahren also zurück und ich betrete wie ein nasser Pudel die Lobby von meiner bescheidenen Hütte, dem Four Seasons Hangzhou. Ein paar Erklärungen und der mitleidige Blick der Empfansgdame auf meine durchweichten Schuhe reichen. Wenige Minuten später - die Wartezeit mit einem heißen Tee überbrückt - bekomme ich Leihgummistiefel vom Gärtner des Hauses. Sie sind zwar zwei Nummern zu groß, aber ich weiß, sie werden meine Gesundheit retten. DAS, werte Reisefreunde, ist Fünf-Sterne Service!

Jetzt quietsche ich also Jerry hinterher. Wir hören uns an wie zwei meckernde Enten. Überhaupt: Jerry. Er hat eine irrwitzige Geschichte. Alle möglichen Jobs hat er schon hinter sich. Und als die Amerikaner kamen, hat er sich selber Englisch beigebracht. Heute spricht er mit Amerikanischen Akzent. Fließend. Mit seinem Taxi- und Guideunternehmen hat er es zu Wohlstand gebracht. Und auf seinem Amaturenbrett liegt immer noch das rote Parteibuch. Das hilft ihm bei Verkehrskontrollen.


Jerry bringt mich zu allen Sehenswürdigkeiten der Stadt, deren Schönheit nur wage durch den Regen erkennbar ist. Ich ahne, dass es hier bei Sonnenschein unerträglich zauberhaft sein muss.

Die nahen Teefelder haben Hangzhou reich gemacht. So besuchen wir einen Millionär, dem man seinen Reichtum allerdings nicht ansieht. In zerfetzten Hosen steht er vor uns. Seine Zähne sind gefärbt, ob vom Tee oder vom Rauchen kann ich nicht genau sagen. Aber: sein grüner Tee ist wahres Gold wert. Wir trinken nur den normalen Schnitt. 100 Grammkosten "nur" 20 US-Dollar. Der Tee schmeckt köstlich - und er wärmt. 




Am Kaiserkanal wird der Regen stärker und wir flüchten passenderweise in das Schirmmuseum, das zu meinem Erstaunen tatsächlich einen Besuch wert ist - so schön sind die ausgestellten Figuren und Schirme. Jerry zieht mich weiter, fröhlich plaudernd als ob nichts gewesen wäre. Ich ahne: er hat irgendwas vor. Direkt neben an ist eine Handwerkshalle. Künstler arbeiten hier und zeigen Besuchern ihre Werke. Und genau vor einem der besten Papierschnitzern des Landes bleiben wir stehen. Ein chinesischer Wortwechsel folgt, ich habe keine Ahnung, was passiert. Nach wenigen Minuten aber weiß ich Bescheid. Der feine ältere Herr gibt mir ein Geschenk. Es ist ein Schmetterling. 

Als ich später in der 4qm großen Wanne im Spa des Hotels liege und über meine zu Ende gehende China-Reise nachdenke, kommt mir alles wie ein Traum vor. 

Das war ein perfekter erster Besuch im Reich der untergehenden Sonne. Wie immer war alles anders, viel schöner als erhofft, wie immer haben mich die Menschen positiv überracht, das Essen war noch besser als vermutet. Und wie immer frage ich mich, ob die CIA vom Four Seasons gelernt hat, die wissen nämlich alles über mich. Dass mir Schmetterlinge so viel bedeuten und sogar, dass ich manchmal Gummistiefel brauche.
 

Danke.

Auf meine Reise nach China hat mich das Four Seasons eingeladen. Tausend Dank!


Hangzhou? Wo ist das denn?

Es schüttet als ich am Nachmittag in Hangzhou ankomme. Überhaupt: Hangzhou. Wo ist das denn? Als ich das Wort vor meiner Reise nach China zum ersten Mal lese, denke ich: das muss eine kleine Stadt sein. Sonst hätte ich bestimmt schon mal davon gehört. Für chinesische Verhältnisse ist die Stadt auch recht klein. Nur 8 Millionen Menschen leben hier, so viel wie in New York City. Der Schnellzug von Shanghai hat mich in kurzer Zeit nach Süden gebracht. Am Bahnhof werde ich von meinem vornehmen Four Seasons Chauffeur abgeholt. Ein junger Mann. Wir quälen uns durch den Stau. Stoßstange an Stoßstange. Links und rechts hohe Betonwolkenkratzer. Aber auf den letzten Kilometer vor meinem Ziel wird es zunehmend schöner. Parks rechts und links. Kleinere Häuser, Farben.

Dann endlich fahren wir vor. Gleich als erstes fällt mir auf, wie sehr mich das Four Seasons Hangzhou an das schönste Hotel erinnert, in dem ich je war: Das Four Seasons Tented Camp in Thailand. Es ist kein großer Bunker, sondern besteht aus einzelnen im asiatischen Stil gehaltenen Häuschen. Alle mit Blick auf den See oder dem chinesischen Garten. Ich kann mir vorstellen, wie atemberaubend es hier im Frühling aussehen muss, wenn die Bäume blühen.
 
In der Lobby, es ist ja gerade Dezember, steht ein großer elegant geschmückter Weihnachtsbaum. Und zum ersten Mal wird mir ganz wohlig und weihnachtlich auf dieser Reise. Ich weiß schon: direkt nach meiner Rückkehr werde ich nach Hause fahren, zu meiner Schwester. Sie wird mich auf’s Sofa verfrachten, eine ihrer Kätzchen wird sich schnurrend auf mich schmeißen und ich werde bekocht und betüddelt werden. Bevor ich ganz sentimental werde, werde ich auf meine Suite gebracht. Sie ist riesig, elegant und in warmen Farben dekoriert und für die nächsten drei Nächte mein Zuhause. 

Ich hübsche mich ein wenig auf, denn ich bin zum Afternoon Tea verabredet. Und zwar mit dem Food & Beverage Manager Michael, der lustigerweise der Ehemann der Marketing-Managerin des Four Seasons Peking ist. Die Four Seasons Welt ist klein. Sie hatte ihm erzählt, dass ich leidenschaftlich gern esse und schon sitze ich mit ihm in der weihnachtlichen Lobby, trinke zum ersten Mal den berühmten grünen Tee von Hangzhou und plaudere über Köstlichkeiten, während es draußen unaufhörlich weiter pladdert. 

Ich bin mir nicht sicher, ob meine Verabredung für den Abend damit auch ins Wasser fällt. Denn ich soll zur West Lake Show  - das Hotel liegt direkt an einem malerischen See, auf dem allabendlich eine Wassershow stattfindet. Überhaupt, ich bin skeptisch, nicht nur wegen des Wetters, sondern auch, dass ich hier eine furchtbare touristische Darbietung ertragen muss. Eigentlich hätte mein Hotel nämlich auch das passende Alternativprogramm im Angebot - Filme schauen im Bett und dazu eine Roomservice-Karte, die ich so noch nicht gesehen habe. Cool!


Wenige Stunden später weiß ich: es ist gut, dass ich trotzdem den Verlockungen widerstanden habe und raus gegangen bin. Denn: ich habe mich gleich zweimal geirrt. Mit Regenschirm bewaffnet musste ich nur fünf Minuten am See entlang gehen, um dann festzustellen: man hatte mir einen wohlig warmen und trockenen Ehrenplatz besorgt, wettergeschützt in einem kleinen Boot auf dem See. Und schon die ersten Minuten der Show haben mich verzaubert. 

Natürlich geht es um eine klassische Liebesgeschichte. Junge und Mädchen, aus unterschiedlichen Schichten, verlieben sich in einander aber es soll nicht sein. 
 
Aber das, was die hundert Tänzer da mitten auf dem See vollbringen, ist so beeindruckend, dass ich mich ertappe wie ein Kind mit offenem Mund gebannt auf das Spektakel zu schauen. Sie tanzen auf Plateaus, die nicht unsichtbar kurz unter der Wasseroberfläche schimmen. Dramatisch schießen bei jedem Schritt Wasserfontänen in die Höhe. 

Die Musik, die Lichter, die Tänze machen die Show für mich zu einem Highlight meiner Chinareise. Und der Regen, der ist mir ehrlich gesagt mittlerweile auch total egal.

Vielen Dank an das Four Seasons für die Einladung auf diese Reise!

Streetfood in Shanghai

Es war eh schon ein ganz besonderer Tag für China. Beim Frühstück im Hotel war ich auf eine Schlagzeile in der Tageszeitung gestoßen. Beim Blick auf den Titel kam ich mir irgendwie vor wie zurückversetzt in die 60er Jahre des vergangenen Jahrtausends. Da war zwar selbst ich noch nicht auf der Welt, aber wer kennt nicht die ersten Bilder von der Mondlandung? Nun waren auch die Chinesen auf dem Mond gelandet - allerdings mit einem kleinen Roboter. Ich allerdings freute mich eher auf Mondkuchen, die die Chinesen so lecker backen können. Später dann, als mein Guide Guo die Zauberworte "Dann zeigt ich dir jetzt mal das Street Food von Shanghai" sprach, hatte ich den Mond schon wieder vergessen.

Guo bringt mich auf einen Markt an der Fangbang Lu Street, dem einzig übrig gebliebenen Eckchen, in dem noch heute an kleinen Ständen Street Food verkauft wird. Vor der Expo in 2010 war das noch anders. Da gab es mehr von den kleinen „Hawker“ Ständen, an denen gebraten und gebrutzelt wird. Ganz berühmt war vorher die Wujiang Lu Street – sie musste schicken Häusern,  Boutiquen und McDoofs weichen. So gibt es heute eben nur noch eine Adresse, die an die kulinarische Vergangenheit erinnert. Und genau dort bringt mich Guo hin.

Ich glaube, ich entdecke Stolz in seinem Gesicht, als er sieht, wie ich auf jeden zweiten Stand zusteuere und bestelle was das Zeug hielt. Ich will einfach alles mal probieren! 

Auswahl gibt es genug – von den klassischen Dumplins, unterschiedlich gefüllte zarte Teigtäschchen, die hier vor allem gedämpft werden bis hin zu Pfannkuchen-artige Teigfladen, saftige Fleischbällchen, Gemüsepfannen bis hin zu knusprig gebratenen Hühnerfüssen.

Aus jeder Ecke wehen Duftschwaden in meine Nase und ich muss mich zurückhalten und nur immer kleine Portionen probieren. Die meisten Händler freuen sich, dass eine Langnase wie ich sich an ihre Speisen traut. Viele geben mir kleine kostenlose Kostproben, als sie meine Neugierde sehen und ihnen Guo erklärt, dass ich Bloggerin bin. Schön!

Als ich vor einem Nudelsuppenladen verharre, kommt eine ältere Dame auf mich zu, nimmt Blickkontakt mit mir auf und reicht mir ihre Hand. Sie zieht mich durch die Küche und zeigt mir im Hinterraum ein paar Bänke auf denen die Nachbarn sitzen und laut schlürfend ihre Suppe essen. Ich nicke. Sie versteht was ich sagen will: ja, ich will auch!

Guo macht sich immer ein wenig Sorgen, ob das mein Magen aushält, aber das hat er bisher immer. Und so sitzen wir auf den Holzbänken, ich nehme noch mal Chilisoße nach und wir schlürfen. Die Nudeln sind hausgemacht. Herrlich…

Aber kein Besuch in Shanghai ohne die angeblich besten Xioalongbao (ebenfalls gefüllte Teigtaschen, eine Spezialität aus Shanghai) zu sehen. Die gibt es ganz in der Nähe, allerdings in einem der touristischen Hotspots der Stadt, nahe dem City of God Temple bei Nan Xiang Xioalong Mantou. Ich hätte auch noch ein wenig Platz meinem Magen gehabt - aber dann oh Schreck: die Warteschlange vor der Aufgabe zog sich ganz locker 40 Meter hin. Ich gehe auf ein junges Pärchen zu, die gerade glücklich ihre Xioalongbao in Empfang genommen haben und frage nach, wie lange sie angestanden habe. "40 Minuten" lautete die Antwort. Aber so viel Zeit hatte ich nicht. 

Erst später am Abend war ich sehr dankbar dafür. Denn die PR-Dame vom Four Seasons Pudong war so nett um mich auf eine andere Delikatesse einzuladen, für die ich wohl sonst keinen Platz mehr gefunden hätte: Original koreanischer Hotpot. So scharf, dass ich schon beim Betreten des Ladens Tränen in den Augen hatte, von der Chili geschwängerten Luft. Aber: es war lecker!

Vielen Dank an Rent-a-Guide für die Einladung auf die Tour mit Guo, der jetzt wahrscheinlich denkt alle Deutschen Ären so gefrässig wie ich!

Auf meine Reise nach China hat mich Four Seasons eingeladen.

Shanghai, eine erste Annäherung


Der Blick aus meinem Zimmer in Shanghai-Pudong ist wie ein Blick in die Zukunft. Irgendwo dahinter liegt die Vergangenheit: Shanghais alter Stadtteil Puxi. Wie Lavaströme zieht sich unter mir der Abendverkehr durch die Straßen. Rechts und links Wolkenkratzer, in eigenartigen Formen. Sie leuchten bunt und schreien nach Aufmerksamkeit. 

Meine Leinwand sind die Fenster meines Zimmers im Four Seasons Pudong. Sie sind bodentief, rundum verglast. Von wo ich auch schaue, ich denke ich bin im Kino in einem Science-Fiction-Film.

Pudong, das ist der neue Teil von Shanghai. Nichts wurde hier dem Zufall überlassen. Auch nicht im Hotel. Es ist stylischer als die vielen anderen Hotels von Four Seasons, in denen ich schon war. Ein Designtempel. Und da ist es besonders skurril am nächsten Morgen meinen Guide in der Lobby zu treffen. Da steht er, auf dem Marmorfußboden, große mit Blumen gefüllte Vasen scheinen ihn einzurahmen. Guo heißt er. Er trägt taubengraublau, eine alte Aktentasche und einen Seitenscheitel in seinem grauen Haar. Irgendwie sehr Chinesisch-Kommunistisch, wenn man das so sagen darf. Ich kann sein Alter nicht genau schätzen. Vielleicht ist er 60, vielleicht aber auch 70 Jahre alt Er begrüßt mich in perfektem Deutsch.

Mit ihm an der Seite will ich das alte Shanghai erkunden. Ein Shanghai, das ich zum ersten Mal in Musikvideos und Filmen der Achtziger Jahre gesehen habe und nun zum erste Mal bereisen darf. Wir machen uns auf den Weg. 

Interessanterweise ist das alte Shanghai gar nicht so schwer zu finden. Mitten in dem Stadtteil auf der anderen Flussseite braucht man nur zwei, drei Ecken von den ausladenden Einkaufsstraße abweichen und man ist in einer anderen Welt. Kein Bling Bling, keine Autos, kein Starbucks, keine Menschenmassen mit Shoppingtüten behängt. Herrlich!


Vor allem alte Menschen leben hier, den Jungen mangelt es hier an Komfort. Wenige Häuser haben eine Küche oder gar ein eigenes Bad. Die Gassen sind eng. Es gibt nur kleine Lädchen.

Die Älteren sitzen vor ihren Häusern, sie reden, Männer rauchen, spielen Karten oder würfeln. Frauen hängen die Wäsche quer über die Straße, und immer duftet es aus irgendeinem Lädchen oder Karren nach Essen. Es ist Samstag und da kochen die Männer, erzählt mir Guo. Sie stehen draußen und zerkleinern Fleisch und Gemüse.

„Fräulein Angelika, Sie müssen Stinky Tofu probieren,“ sagt Guo in seiner bescheidenen Art mit ruhiger Stimme. Herrje, davor konnte ich mich bisher auf allen Asienreisen drücken. Gehört habe ich schon viel davon. Wir stehen in einer Seitengasse der Jiu Jiao Chang Road, hinter dem YuYang Garden. Direkt vor einem Stand mit dem stinkenden Tofu.   

Der Mann hinterm Bräter bellt mit breitem Lachen irgendetwas auf Chinesisch zu Guo und er lächelt sanft. „Er kann eine kleine Probierportion machen“. Okay. Ich muss da jetzt durch. Alle Augen sind auf mich gerichtet, als ich probiere. 

Dann die Überraschung. Es schmeckt GUT! Das werde ich in Asien nie kapieren. Vieles, was furchtbar aussieht oder gar stinkt, ist eigentlich sehr lecker. Guo ist ziemlich stolz auf mich und führt mich weiter.  Er bringt mich weiter zu einem kleinen Platz am Gucheng Park, auf dem etliche Menschen tanzen. Einfach so. Mitten in der 20-Millionen Metropole Shanghai. 

Chinesische Liebeslieder plärren aus einem kleinen Rekorder und mit ruhigen Bewegungen schieben sich alte Damen über den Asphalt. Aber auch junge Paare sind dabei. Ein kleines Filmchen seht ihr hier. Wir verharren. Beobachten. Und dann kommt, ihr ahnt es schon, eine Dame in rosa Strickpulli mit schwingenden, eleganten Bewegungen auf mich zu und fordert mich zum Tanz auf. Ich sehe, wie Guo laut lachen muss. Wunderbar. Und als ich mich noch einmal umdrehe, flattern im Hintergrund die langen Unterhosen. Besser geht es nicht.


Guo hat mich langsam durchschaut. "Willst du noch was essen?" fragt er mich. Wir duzen uns mittlerweile. Ich muss lachen. Ja klar. Und so ziehen wir weiter - auf eine richtige kleine Fresstour durch Shanghai. Aber davon erst demnächst hier auf Reisefreunde.

Auf meine Reise nach China wurde ich von Four Seasons eingeladen. Touren mit dem sympathischen Guo kann man über Rent a Guide buchen, die Firma hat mich auf die Tour eingeladen. Herzlichen Dank dafür! Und wenn ihr Guo trefft, dann grüßt bitte ganz lieb von mir!

Mehr über meine Reise durch China gibt es HIER!


Du weißt du bist ein erfolgreicher Reiseblogger, wenn....



1. ...du nachts in einem Hotel aufwachst aber nicht weißt, in welchem...



2. ... es für dich ganz normal ist, nur drei Tage auf den Seychellen zu sein - aber davon nur zwei Stunden am Strand zu liegen


 

3. ... du mal zuhause bist und nicht mehr weißt, wo du z.B. deine Töpfe versteckt hast




4. ... deine Techniktasche auf Reisen mehr wiegt als dein eigentlicher Koffer




5. ... du die besten Plätze in jedem Flugzeugmodell kennst




6. ... du kaum noch Klamotten kaufst. Du ziehst auf Reisen eh immer den gleichen Quatsch an



7. ... du so aus einem Kooperationsgespräch kommst




8. ... du dich nicht mehr auf jeder Blogger Party tummelst




9. ... du die Bordansagen im Flieger auswendig kennst


 

10. ... du nicht mehr so genau weißt, in welchen Ländern du in den letzten 12 Monaten gewesen bis und erst bei Facebook nachschauen musst



11. ... du jede Woche eine Anfrage zur Unterstützung einer Magisterarbeit über Blogger bekommst

 

12. ... dich dein Stromlieferant anruft um zu wissen, ob du wirklich noch in der Wohnung wohnst



13. .... du gleich beim ersten Treffen mit deinem Guide ganz genau erzählst, was du brauchst und was nicht, weil du 08/15 Touren hasst

 

14. ... du endlich kapierst, dass Pflanzen in deiner Wohnung einfach sinnlos sind



15. ... deine Nachbarn keine Pakete mehr für dich annehmen wollen („Das liegt hier schon seit drei Wochen!“)




16. ... du in deiner Techniktasche eine Handvoll Prepaid Data Sim Cards findest und nicht mehr weißt, aus welchem Land sie stammen




17. ... du endlich kapiert hast, warum du das alles machst




18. ... du zu häufig „Nächstes Mal“ sagst




19. ... du weißt, wo es am Flughafen Dubai funktionierendes Wifi gibt



20.  ...dein Liebesleben so aussieht



Alle Gifs von Giphy.com


Mehr aus unserem eigenartigen Leben gibt es übrigens hier!

Kleine Überraschung im Zug von China nach Shanghai

Ich rase mit 300 Stundenkilometer durch Täler, über Felder und an Bergen vorbei. Die Dame neben mir lächelt.  Im modernen Schnellzug von Peking nach Shanghai versuchen wir uns irgendwie zu unterhalten, aber es klappt nicht wirklich. Auf meiner Chinesisch-App zeige ich ihr immerhin den Satz für „Ich finde ihr Land sehr schön“ und biete ihr von meinen Mondkuchen an, die ich am Bahnhof in Peking als Proviant gekauft habe. Das freut sie sehr. Zwei Minuten später winkt sie die Wagonkellnerin heran und flüstert ihr irgendetwas zu. Das ist besonders putzig, denn selbst wenn sie es gebrüllt hätte, hätte ich ja kein Wort verstanden.

Zugfahren in China, das ist so eine Sache. Sämtliche Großstadtbahnhöfe, die ich zu Gesicht bekomme, sind ultramodern.  Sie sehen aus wie Flughäfen und ähnlich wird die Sicherheit gehandhabt. Jeder Gast muss durch einen Detektor, das Gepäck wird ebenfalls beleuchtet.  Für die Züge selbst sollte man das Ticket wirklich frühzeitig kaufen, besonders die Schnellzüge sind rasch ausgebucht. Im Highspeedtrain der Kennzeichnung G, den ich nehme, gibt es zwei Klassen und eine Sitzplatzreservierung ist zwingend notwendig. Immerhin stehen auf meinem Ticket für mich lesbar Wagon und Sitzplatznummer. Etwa zwanzig Minuten vor Abfahrt versammelt man sich in ordentlichen Reihen vor dem Gate zum Bahnsteig, an dem junge Frauen in Uniform für Ordnung sorgen. Dann gehen irgendwann die Tore auf und man darf runter auf das Gleis und einsteigen.

Und so kam es dass ich neben dieser lieben Frau sitze. Alle, aber auch ausnahmslos alle Mitreisenden haben – bis auf mir -  ihre Tee-To-Go Schnabelbecher dabei. Und darum stehen alle, aber auch alle jede Stunde einmal auf, gehen zum Wagonende und holen sich kostenlos heißes Wasser für ihren Tee. Ich natürlich nicht, weil ich bei meiner ersten Zugreise durch China davon nichts wusste. Die nette Dame lächelt mich nach einem kleinen Nickerchen weiter an und ich zurück. Was hat sie wohl vor? Ich fange an zu grübeln. Will sie mir vielleicht später in Shanghai bei Ankunft ihren Sohn vorstellen? Liest sie Reisefreunde über Google Translator und kennt mich?  Und was hat die Kellnerin mit all dem zu tun?
 
Nach fünfzehn Minuten endlich die Aufklärung. Die Kellnerin kommt mit ebenfalls bereitem Lächeln im Gesicht auf mich zu, klappt das kleine Tischchen vor mir herunter, lächelt noch mehr als sie mein verdutztes Gesicht sieht und stellt mir eine kleine Pappbox auf den Tisch. Ich schaue fragend nach rechts und links. Und dann klappt meine entzückende Nachbarin die Schachtel auf. Darin liegen vier Mantous, kleine warme Hefebrötchen, die unterschiedlich gefüllt sind.  Beide Frauen grinsen mit weiter an und als ich noch sagen will „Danke, aber das hab ich gar nicht bestellt“, sagt die Kellnerin zu mir „Present from Lady. Enjoy“.  Oh Mann, wie zuckersüß! Ich werde verlegen und bin gerührt, brabbele gleich mehrfach xie-xie – was natürlich Danke heißt – und weiß, dass ich ihr eigentlich viel mehr sagen möchte. Aber sie lächelt nur gutmütig, tätschelt meine Hand und macht Zeichen, ich solle nun essen. Und das tue ich. Lecker. Ich reiche meiner werten Nachbarin die Box und sie nimmt dann endlich auch ein Brötchen. 

Und so sitzen wir beiden Weiber nebeneinander, futtern schweigend unseren Snack während draußen langsam die Sonne untergeht und der farbenfrohe Himmel bei 300 Stundenkilometern an uns vorbei zieht. Zugfahren in China ist toll!


Mehr Tipps zu Zugreisen in China:

Tickets sollte man wie gesagt so früh wie möglich kaufen, in meinem Fall hat das mein Sponsor Four Seasons für mich erledigt. Für den Ticket auf braucht man auf jeden Fall seinen Reisepass. In Peking und Shanghai gibt es einen besonderen Schalter für Touristen, das heißt: hier wird Englisch gesprochen. Wer vor Ort nicht genügend Zeit hat, um sich rechtzeitig ein Ticket zu beschaffen, kann dies auch HIER online erledigen. Allerdings braucht man auch dafür den Scan seines Reisepasses – dies also bitte vorbereiten. Die Zugpreise sind recht human. Mein Ticket von Peking nach Shanghai mit dem G-Schnellzug (Dauer knapp 5 Stunden) in der zweiten Klasse hat ca. 80 USD gekostet. Reserviert man online kostet das Ticket gut 13 USD mehr. In den Zügen selber kann man Essen bestellen, an den Bahnhöfen gibt es aber auch genug Snacks zu kaufen, allerdings meistens Fastfood-Ketten. Generell ist es empfehlenswert, mindestens eine Stunde vor Abfahrt am Bahnhof zu sein. Und: Man kann nicht direkt vom Bahnsteig abgeholt werden – dorthin kommt man eben nur mit einem Ticket. An den meisten Bahnhöfen gibt es einen Süd- oder Nordausgang, wird man also abgeholt, sollte man vorher ausmachen, an welchem der Ausgänge man sich trifft.

Mehr Infos zu Zugfahrten in China gibt es auf meiner Lieblingsseite The Man in Seat 61.

Auf meine Reise nach China wurde ich von Four Seasons eingeladen.