Sweet home Alabama?

Abseits von Bluebell - kein Hart of Dixie

Buntes Mississippi

Roadtrip Südstaaten - auf den Spuren der Natchez Indianer

Das schwere Erbe der Südstaaten

Erste Einblicke hinter die schönen Kulissen

Mein Amerikanischer Traum

Roadtrip durch die Südstaaten der USA

Das Essen auf den Philippinen

Eine kulinarische Rundreise mit Reisefreunde

Von Delfing-Babies und Zicklein

Meine Tour ins Paradies nach Pamilacan

Ein perfekter Tag auf Bohol

Meine Lieblingsinsel auf den Philippinen

Warum ich auf Palawan im Knast gelandet bin

Und was PSY damit zu tun hat

Banaue: Der Schatz von Tan An

Reisen macht glücklich

"Don't be instant tourists"

Meine magische Begegnung mit Virginia, einer Reisbäuerin in den Philippinen

Betrübt nach Banaue

Unglück und Glück liegen manchmal nah beieinander

Sagada - wo die Särge hängen

Beste Aussicht für freie Seelen

Vigan, alte Stadt mit jundem Herz

Der Ort, an dem die Menschen mein Herz im Sturm eroberten

Die Philippinen - endlich!!!

Erster Stop: Tanz auf dem Vulkan Pinatubo

Reise durch Jordanien

Am Toten Meer und durch die Ruinen von Petra

Hangzhou - wo ist das denn?

Glücklich im Dauerregen

Shanghai - eine erste Annäherung

Auf der Suche nach dem alten Shanghai

Hallo Peking!

Auftakt zu meiner Reise durch China

Inselhopping auf den Malediven

Und warum in meinem neuen Domizil ein Sofa im Sand steht

Kapstadt: Unterwegs mit der Condor Crew

Ihre besten Tipps für die Metropole Südafrikas

Mein Tag als Flugbegleiterin bei Condor

Nenn mich bloß nicht Saftschubse

Curacao: Ich mach dann mal blau

Auftakt zu einer bunten Reise

Mein Wochenende in Brügge

Eine überraschend schöne und ruhige Stadt

Unendliche Weiten

Mein Bilderbuch Amerika - aus der Windschutzscheibe

Hit the road, Gigi

Zum ersten Mal in meinem USA Road Trip Wohnmobil

Heartland USA: Start ins Abenteuer

Und am liebsten gleich alles nochmal...

Singapur - im Streetfood Himmel

Einen ganzen Tag lang nichts als bestes Essen...

Schatzsuche im Bretonischen Meer

Und man denkt, man ist in einem Film gelandet

Ein Sommer-Wochenende in Glasgow

Das coolste Hotel und die besten Locations in der schottischen Metropole

Lyon im Sommer

Ein echter Vintage-Traum

Ein perfekter Tag in Toronto

Die besten Restaurants und ein luftiges Abenteuer in 24 Stunden

Von dichtenden Hummerfischern, coolen Köchen und Weinen, die Moose Juice heißen

Ein perfekter Tag in der Eisberghauptstadt Twillingate

Gourmet-Segeltrip an der Smaragdküste

Ein Tag wie aus dem Bilderbuch....

Seychellen - Ankunft im Paradies

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Auf Safari in Südafrika

Die Big Five in drei Tagen - mit Video

Tipps für Alleinreisende Frauen

Wie man auch allein sicher unterwegs ist...

Rhône-Alpes... im Französischen Schlaraffenland

Auftakt zu einer Reise zu den Sternen

Best of: Meine Mini-Weltreise

Mit Video und kleiner Statistik à la Reisefreunde....

Auf Fototour durch Angkor Wat

Wer lernen will, muss früh aufstehen....

Letzte Etappe Kambodscha

Wiedersehen mit zwei Freundinnen und Schock in Siem Reap....

Saigon: Mein herzensguter Abschied aus Vietnam

Und was ein Polizist und eine alte Frau damit zu tun haben....

Bäuerin für einen Tag

Und warum ich in ein Korianderbeet gesprungen bin...

Die Elefanten-Flüsterin

Unterwegs mit den Dickhäutern im Goldenen Dreieck von Thailand

Sweet home, Alabama?


Ach, du schöne heile Welt. Die ersten Bilder, die ich vom Staat Alabama sehe haben so gar nichts mit denen zu tun, die mir das Fernsehen in den Kopf gesetzt hat. Ab und an schaue ich peinliche Serien. Meistens wenn ich vom Jetlag geplagt bin und nicht schlafen kann. Eine davon ist besonders peinlich und wirklich schlecht gespielt, aber ich schaue sie trotzdem. Und ich weiß, dass die heile Welt darin völliger Quatsch ist. „Hart of Dixie“ heißt sie. Vielleicht kennt ihr sie. Sie spielt in der Bilderbuch- und Fantasiestadt Bluebell in Alabama. Dort laufen die Damen zurecht gemacht wie für eine historische Modeshow durch die wie mit Zahnbürsten polierten Straßen, überall sind Blumen gepflanzt und in der Bar „Rammer Jammer“ steht Wade – fast immer mit nacktem Oberkörper und lächelt mit strahlend weißen Gebiss. 

Im echten Alabama sieht die Welt anders aus. Natürlich wusste ich das. Aber selbst jede Alltags-Realität, die ich mir vorgestellt hatte, ist meilenweit von dem entfernt, was sich vor meinen Augen abspielt. Ich stehe an einer Tankstelle. Die Farbe an den Wänden blättert. Es dauert einige Zeit, bis sich mein Wohnmobil füllt. Der Tankwart erzählt mir, man könne mit einer Staatenfremden Kreditkarte nur bis maximal 100 Dollar auftanken. Ihm fehlen ein paar Zähne. Er ist vielleicht 30 Jahre alt. Gerade als er mir aus welchen Gründen auch immer noch verrät, dass es keine gute Idee ist, hier von irgendjemandem Drogen zu kaufen (wie wirke ich bitte auf andere????) geht die Tür hinter ich auf und ich erhasche einen Blick, der so verstörend wie irgendwas ist. Ein etwa 20jähriger Mann geht an mir vorbei. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie seine Blicke mich fixieren. Er sieht schlimm aus, so wie die Menschen aussehen, wenn man im Internet nach „Vorher / Nachher Bildern von Methsüchtigen“ sucht. Sein Gesicht spricht Bände: Nachher.

Ich zahle und gehe wieder zum Wagen. Es dauert noch etwas bis ich den Wagen starte, ich will in Ruhe mein Navi füttern. Im Rückspiegel sehe ich, wie sie der junge Mann noch einmal nähert. Er geht vor meinem Wagen vorbei, mustert mich durch die Windschutzscheibe und mein Herz pocht schneller. Hinter meiner verspiegelten Sonnenbrille verziehe ich keine Miene. Obwohl mein Herz spricht, was mein sich Mund nicht zu sagen traut: „Warum hast du dir das angetan?“.

Wenige Kilometer weiter fahre ich in die heile Welt eines Campingplatzes Hidden Cove RV. Ich war durch kleine Straßen gefahren, hügelig, durch Wiesen, habe Bauernhöfe gesehen, die dastanden, als würden sie auf einen Maler warten. Wie so oft in den Südstaaten passt die Schönheit der Landschaft nicht zu der Armut und zu den verschrobenen Ansichten vieler Menschen hier. Und als ob es der Reisegott versöhnlich mit mir meint, bekomme ich von Campingplatz-Mutti Becky, die mich mit strahlend weißem Lächeln begrüßt, den letzten freien Platz zugeteilt. Er wäre ein wenig abseits, sagt sie. Und ich müsse ordentlich rangieren. Das mache ich, denn als ich den Platz sehe weiß ich: er ist Gold wert. 

Hier will ich bleiben. Ganz am Ende des großen Areals: ohne Nachbarn, direkt an einem kleinen grasigen Hang zu einem glasklaren See. Ich stelle meine Schaltung auf „Park“, packe meine Stühle aus, rolle die Markise nach unten, gehe runter zum See und springe rein und schwimme. 


Erfrischend. Wohltuend. Versöhnlich.

Hier gibt es kein „Rammer Jammer“, es gibt keinen Wade, keine Mädchen in bunten Kleidern. Nur den Sonnenuntergang, den See, die Ruhe, mein Wohnmobil und mich.

Und ich bin froh, dass ich mich, am wohl schönsten Campingplatz der Südstaaten, ein wenig rausziehen kann aus der bitteren Realität. Ach, schöne heile Welt.  

Meine Reise wurde von CU Camper unterstützt.

Zu Hause bei Elvis

Das hatte ich mir irgendwie größer vorgestellt. Als ich in Tupelo auf den Parkplatz rolle und nach den üblichen vier freien Plätzen für mein Wohnmobil suche, sehe ich ein klitzekleines Häuschen und dahinter einen großen Neubau. Hä?

Zuerst denke ich: das kleine Holzhäuschen, was bei uns in manchen Schrebergärten steht, muss wohl das Ticketoffice sein oder irgendetwas anderes, aber schon nach ein paar Schritten wird klar: DAS ist das Haus in dem Elvis geboren wurde und aufwuchs. 

Ich schätze die Wohnfläche auf vielleicht gerade mal 25qm. Winzig. Kein Vergleich zu seinem Palast in Graceland. Am 8. Januar 1935 wurde der spätere Superstar hier in ärmsten Verhältnissen geboren. Sein Zwillingsbruder hat die Geburt nicht überlebt. 

Ich gehe zum Haus und öffne die Tür. Ein kleiner Blick kann nicht schaden und als erstes bellt mir jemand „You have to have a ticket to get inside“ entgegen. Na gut, denke ich, dann mal schauen was so ein Ticket kostet. Der große Neubau dahinter ist dann das echte Ticketoffice, Museum und Shop zugleich. 15 Dollar soll ein Ticket kosten - da es aber überhaupt keine erkennbaren Infos gibt, was es im Museum zu sehen gibt zögere ich. Ein richtiger Elvis-Fan bin ich nämlich nicht. Und als ich dann noch lese, dass es ein absolutes Fotoverbot gibt, entscheide ich mich gegen ein Ticketkauf. Weiter hinten im Shop wird mir dann auch klar: eigentlich muss der ganze Bau nur eine einzige Vermarktungsschleuder sein – denn der Shop scheint im Vergleich zum Museum enorm groß zu sein: Elvis auf Unterhosen, auf hässlichen Kühlschrankmagneten, auf furchtbaren T-Shirts. Auf wirklich jeden erdenklichen Gegenstand wurde sein Antlitz gedruckt. Ich finde das entsetzlich. Mir kommt ein Satz in den Sinn: "Es gibt hier nichts zu sehen, bitte gehen Sie weiter".




Draußen an einer nicht minder unpassenden Elvis Statur sehe ich einen jungen Mann Geige spielen. Ich gehe hin. Er wird fotografiert und gefilmt – von einem älteren Mann, anscheinend seinem Vater.

„Was machst du hier?“ will ich von dem Jungen wissen. Er erzählt mir, dass er aus Tupelo kommt und gerade an einem Promovideo bastelt, denn er sei Musiker. Sein Vater fügt hinzu, dass sein Sohn etliche Instrumente spielt und gerade eine CD aufnimmt. Und dann spielt mir Patrick Renfroe, so heißt er nämlich, schnell auf seinem Handy ein Song von ihm vor. Sein Mund zieht sich zu einem breiten Lächeln. Er ist zu recht stolz auf seine Musik.

Ob er denn ein Elvis Fan wäre, frage ich ihn. „Nein,“ antwortet er lachend. Das ist einfach nicht seine Musik. Er steht auf Klassik! „Aber vielleicht ist es ein kleines Omen, dass er aus Tupelo kommt wie ich“. Finde ich auch.

Und so erst hat der Besuch hier für mich doch einen Sinn gemacht. Dem King bin ich kein Stück näher gekommen, aber eben einem jungen Musiker, der hier seine Karriere starten will und an sich glaubt. Wer weiß, vielleicht wird er eines Tages den Thron besteigen, Talent und Aussehen hat er ja. 


Mein Wohnmobil Roadtrip durch die Südstaaten der USA wurde von CU Camper unterstützt.

Das ultimative Wohnmobil FAQ

Mein Baby, hach!
Ich bin zwar kein alter Camperprofi, aber immerhin habe ich nun meinen zweiten Roadtrip mit einem Camper durch die USA hinter mir. Und da es nun mal etwas besonderes ist, mit einem Wohnmobil zu verreisen, habe ich euch ein ausführliches FAQ zusammengestellt, unter anderem mit euren Fragen auf meiner Facebook Seite.

Was brauche ich, um einen Camper anzumieten?
Erste Voraussetzung: in der Regel muss man über 21 Jahre alt sein, manche Vermietungen sind auch erst ab dem 25. Lebensjahr möglich. Oft, aber nicht immer, benötigt man zudem einen internationalen Führerschein, die Beantragung bzw. Ausstellung dauert ein paar Tage. Bei der Reiseplanung muss man das bedenken. Für die Kautionsstellung vor Ort benötigt man zudem eine Kreditkarte. Zur Erklärung: in den USA werden Wohnmobile übrigens entweder Motorhome, Camper oder RV (Recreation Vehicle) genannt.


Welches Wohnmobil ist das richtige für mich?
Die Wohnmobile sind genial gebaut, die gängigsten Modelle bieten locker Platz für 2 bis 4 Personen. Aber auch mit mehr Personen kann man gut reisen, sollte dann aber ein großes Wohnmobil mieten. Ich würde empfehlen, immer etwas mehr Platz zu buchen, d.h. wenn es nicht zu eng im RV werden soll, dann bucht man für zwei Personen ein Wohnmobil, dass für mindestens vier Personen Platz bietet. So kann man das große Doppelbett nutzen und hat zudem noch genügend Stauraum und vor allem Sitzmöglichkeiten, die man nicht abends umbauen muss. Mit 4 Personen sollte es schon mindestens ein C23-26, wenn nicht sogar ein C27 Modell sein, damit man sich nicht auf die Füße tritt. Wichtig bei jeder Anmietung: man sollte sich merken, wie hoch, breit und lang das Modell ist! Die Infos sind nicht nur lebensnotwendig für die Unterquerung von Brücken oder das Durchfahren von Toren, sondern auch um einen Campingplatz zu buchen! Dankenswerterweise standen die Ausmaße meines Campers auf Aufklebern direkt an der Windschutzscheibe. 

Roadbear RV Übergabe Station in Orlando, Florida: Super Service auf Deutsch!

Wie funktioniert die Übergabe?
Das Wohnmobil bekommt man NICHT am Tag der Landung sondern immer einen Tag später. Das ist zu eurer eigenen Sicherheit, da die Vermieter wollen, dass ihr ausgeschlafen und entspannt die Fahrt antretet. Bei meinem Vermieter Cu Camper kann man aber auch ein Airport Hotel und einen Transfer zur Abolstation bekommen. Alles ganz einfach.  Bei der Übergabe wird der Papierkram erledigt, ihr werdet auf die Versicherungen hingewiesen und bekommt alle Do’s and Don’t erklärt. Ins heiße Death Valley darf man zum Beispiel nicht im Sommer fahren, auch für Dirt Roads sind die Wohnmobile nicht zugelassen. Dann geht es an’s Eingemachte: es folgt die Einweisung in die Handhabung des Wagens. Hier sollte man genau hinhören und bei Unklarheiten nochmal und nochmal fragen. Alle Anbieter, bei denen ich gemietet habe, geben einem aber auch ein Handbuch auf Deutsch mit, in dem die Benutzung des Wagens noch einmal ausführlich erklärt wird. Das sollte man sich besonders als Neuling wirklich einmal durchlesen.

Wenn das nicht sexy ist, werte Heike, dann weiß ich auch nicht! Schau dir diese Formen an! Geil!

Wie fährt sich so ein Camper?
Ich hatte einen C23-26 von Roadbear - einen Truck mit aufgesetztem Wohnmobilhaus. Im Cockpit sieht daher alles aus wie in einem typischen Ami-Truck. Wie so oft in den USA fuhr mein Wagen mit Automatikgetriebe und lief auf 89 Oktan, d.h. es ist KEIN Diesel, sondern ein Benziner – was in den USA bedeutet, dass man günstiger tankt! Im Prinzip fährt man also wie mit einem normalen Auto -  allerdings mit einem großen. 



Was muss man beim Fahren beachten?

Genau das ist die Schwierigkeit, auf die ich mich allerdings recht schnell einstellen konnte. Ich darf mich aber auch als wirklich guten Autofahrer bezeichnen. Der Wagen ist groß – eben viel breiter, höher und länger als ein normaler Wagen. Besonders an die Breite muss man sich schnell gewöhnen, denn der Aufsatz ist um einiges breiter als die Fahrerkabine des Trucks – und die Seitenspiegel schauen entsprechend noch mal ein Stück über den Aufsatz hinaus.  Zudem ist der Bremsweg deutlich länger und der Wagen hat logischerweise einen anderen Schwerpunkt. Das heißt: man kann nicht so zügig beschleunigen und man muss früher bremsen. Kurven sollte man langsam in Angriff nehmen, der Wagen bricht sonst aus. Auf der Interstate wird es bei Seitenwind unangenehm, besonders wenn einen die irren Brummifahrer überholen, da gelangt man schnell in Windschatten und deren gefährliche Windstöße. Das Lenkrad immer mit beiden Händen festhalten. Vorsicht ist also die Mutter der Porzellankiste! Wer schnell unterwegs sein will, ist nicht richtig im Wohnmobil. Der Weg ist das Ziel! Ein kleiner Tipp: bei langen geraden Strecken habe ich den Tempomat genutzt, ich faules Stück. Und für längere Bergab Touren mit Serpentinen ist das Wohnmobil nicht wirklich geeignet. Irgendwann stinken die Bremsen. Kein wirklicher Spaß!

Ansonsten gilt: Ruhe bewahren, auch wenn manch Autofahrer oder Brummi hinter einem drängelt: egal! Ein richtiger Camper fährt besonnen und bleibt cool. Wenn es zu enge Straßen sind und sich irgendwo ein guter Seitenstreifen bietet, bin ich oft mal kurz zur Seite gefahren um die nervigen Fahrer hinter mir vorbei zu lassen. Bedankt haben sich dafür allerdings nur einmal eine Truppe Harley Fahrer, die ich später an einer Eisdiele wiedergetroffen habe.


Wie viel Sprit braucht ein Camper?
Ich habe circa 27 Liter auf 100 Kilometer verbraucht, da ich sehr sparsam und angepasst gefahren bin. Größere und schwerere Modelle brauchen entsprechend mehr. Besonders in einsameren Gegenden oder auf „Scenic Drives“ (schöne Strecken ohne Werbung aber auch ohne Tankstellendichte) sollte man vorausschauend tanken. Eine weitere Möglichkeit,  Sprit zu sparen ist möglichst leer mit dem Wagen zu fahren, d.h. vor Fahrtantritt das Abwasser zu dumpen. 

Mein Bett! Habe immer geschlafen wie ein Baby!
Wie ist ein Wohnmobil ausgestattet?
Das kommt ganz darauf an, welches Modell ihr bucht. Mein nagelneuer Roadbear RV war bestens ausgestattet. Mein Modell hatte ein Doppelbett (hinten links, etwa 1,40 mal 2 Meter breit), dazu noch einen Alkoven, also einen ebenso großen Schlafplatz über der Fahrerkabine, ein Sofa, was sich zu entweder einem Tisch für zwei Personen oder einem schmalen Bett hätte umwandeln lassen und zudem einen Tisch für vier Personen, dass man ebenfalls zu einem Bett (für zwei Personen) hätte umbauen können. Alkoven und großes Bett hinten konnte man separat durch Vorhänge abgrenzen. Es gab ein kleines Duschbad, mit Toilette, kleinem Waschbecken, kleiner Dusche, Schrank unter dem Waschbecken und kleinem Eckregal. Um warmes Wasser zu nutzen, muss die Wasserheizung etwa 15 Minuten vor Gebrauch angeschaltet werden. Um Wasser generell zu nutzen, muss die Wasserpumpe angeschaltet werden. 

Hausfrauen/Hausmänner-Delight.
 Meine Küche bestand aus einer kleinen Spüle, einer Arbeitsfläche, einer Mikrowelle, einem dreistrahligem Gasherd mit Dunstabzugshaube  und einem großen Kühlschrank mit separatem Gefrierschrank (extrem groß). Dazu über all Stauraum und zwei kleine Schränken mit Hängevorrichtungen. In meiner Miete waren zudem das übliche Küchenstarterkit enthalten (Teller, Besteck, Gläser, Messbecher, Kochtöpfe, Kochutensilien wie Dosenöffner, Korkenzieher,  Kochlöffel, Pfannenwender, Kelle, Schneebesen etc.), sowie netterweise sogar ein neuer Küchenschwamm, Geschirrspülmittel, Taschenlampe, Küchenpapier und Klopapier. Zudem bekam ich Bettzeug, Bettbezug und Kissen sowie Handtücher und Geschirrhandtücher gestellt. Campingstühle und ein Campingtisch sollte man mitbuchen, in meiner Miete war das enthalten. Allerdings habe ich das nur zweimal gebraucht, da viele Campingplätze direkt am RV Stellplatz einen Bank mit Tisch haben und man um den Campingtisch auszuklappen am besten vier Hände braucht.  Ach ja, einen Fernseher mit DVD und möglichen Kabelanschluss (fast alle US-Campingplätze bieten Kabel-TV an) hatte ich auch, ich habe das nicht ein einziges Mal genutzt! Zudem gibt es genügend Stromanschlüsse, die allerdings Amerikanische Steckdosen sind – d.h. ihr braucht Adapter. Während der Fahrt funktionieren die Anschlüsse nicht, d.h  um euer Handy während der Fahrt aufzuladen braucht ihr einen Adapter für den Zigarettenanzünder. Ich hatte in meinem letzten Modell auch einen USB Slot im Autoradio, auch darüber lädt das Handy oder eben auch der Navi auf. Erst wenn ihr am Strom angeschlossen seid könnt ihr eure sonstigen Geräte laden. Ist kein Strom vorhanden, gibt es noch die Möglichkeit, den bei den meisten größeren Wohnmobilen vorhandenen eigenen Generator zu nutzen. Aber erste Warnung: das kostet extra! Der Verbrauch wird in Stunden gezählt. Pro Stunde hätte mich die Nutzung 4,50 USD gekostet.  Für die Nutzung schließt man das Wohnmobil-Stromkabel an eine eigene Steckdose im Wagen an – und startet dann per Knopfdruck den Generator, der einen eigenen Motor hat und über Benzin läuft. Dann funktionieren auch alle Stromanschlüsse. Nicht vergessen, den Generator nach Nutzung wieder auszuschalten!

Kochen im Wohnmobil. Was ist noch zu beachten?
Alle Wohnmobile sind mit einem Feuermelder ausgestattet, der sehr empfindlich ist. Daher: wenn ihr kochen oder gar braten wollt,  dann öffnet ALLE Fenster (mit Fliegengitter gut vor den lästigen Insekten geschützt) und auch die Tür (ebenfalls mit Fliegengitter), stellt die Dunstabzugshaube auf volle Pulle und wenn möglich auch die Klimaanlage an. Selbst dann kann das Ding anfangen zu piepsen, keine Panik, irgendwann hört es dann auch auf. Ich bin mal mit einer Pfanne gebratenen Bacon einfach rausgegangen und habe gewartet, bis der Rauch verflogen ist und der Feuermelder beruhigt war...

Für richtige Selbstversorger noch einen Tipp: selbst die kleinsten Packungen für Salz und Pfeffer, Ketchup, Zucker und Salz oder Mayo aus dem Supermarkt sind wahrscheinlich für euch zu groß. Bei einigen Fastfood Ketten und bei Coffeeshops einfach kurz mal anhalten, etwas bestellen und sich dann die Taschen mit den kleinen Packungen voll laden ist eine Möglichkeit, sich diesen Einkauf zu sparen. ;-)
Und: nur manche Campingplätze bieten (teil stark verrostete) Grills oder Lagerfeuerplätze (Pitfire) an den Plätzen an – ich habe mir beim furchtbaren Walmart (ja, ich weiß...) einen billigen Grill und Kohle gekauft und ihn nach meiner Reise verschenkt.

Den Kühlschrank sollte man schlau bestücken und darauf achten, dass er vor Fahrtantritt gut geschlossen ist. So wie auch alle Schränke und Fenster, bzw. Dachluken. Ich habe unter die Flaschen ein paar Blätter Küchenrolle gelegt, damit sie bei der Fahrt nicht so entsetzlich klimpern. Der Kühlschrank läuft übrigens über das Gas – und ist somit dauerhaft kühl, auch wenn ihr nicht an Strom angeschossen seid – und natürlich auch während der Fahrt.

Sonst passen da eben vier Autos hin
Was muss man beim Parken beachten?
Ich habe das „Gigi-Parking“ erfunden... (Kleiner Scherz) – d.h. beim Einkaufen in den großen Supermärkten habe ich nach vier nebeneinander liegenden freien Parkplätzen gesucht und mich mittig drauf gestellt, damit sich niemand zu nah an mich ranstellt und ich auch niemanden vor mir oder hinter mit habe, damit ich entspannt ausparken kann.

Am Seitenstreifen kann es knapp werden. Auch hier brauchte mein Wohnmobil mindestens zwei Parkplätze. Waren Parkuhren vorhanden, habe ich beide Parkuhren mit Münzen gefüttert. Der RV sollte immer gerade stehend (leveled heißt das in den USA). Die meisten Campgrounds haben gerade Stellplätze, ist dies nicht der Fall hatte mein Wohnmobil noch kleine Hilfskeile dabei. Dazu braucht man aber einen Helfer, um die korrekt zu positionieren.

Mein Baby, leveled!

Was muss ich beim Rückwärts ausparken beachten?
(Frage von Reisefreunde Leserin und Reisebloggerin Yvonne)
Viele der Miet-Wohnmobile der normalen Klasse haben keine Rückfahrkamera, d.h. wenn man alleine unterwegs ist, muss man entweder Parkweltmeister sein ODER geschickt parken (siehe vorherige Frage und Antwort) oder sich Hilfe holen. Denn: man sieht einfach nix. Oftmals bedenken auch hinter einem parkende Autofahrer einfach nicht, wie schwierig es ist, mit so einem Wagen auszuparken, was besonders ärgerlich ist. Ich habe daher, wenn es gar nicht anders ging, einfach jemanden auf der Straße um Hilfe gebeten. Einmal einen Polizisten, einmal als niemand zu finden war, einen Shopangestellten – irgendjemand bietet sich immer an.  Wenn ihr also jemals hinter einem Wohnmobil einparkt: bitte lasst ausreichend Platz (mindestens zwei Meter) – damit der Kollege rauskommt! Danke!

"Full Hooked-up": Angeschlossen am Campground mit Aussicht
Wie verläuft das Parkmanöver auf dem Campingplatz?
Auf den meisten Campingplätzen für RVs kann man sogenannte Pull Throughs buchen. Das sind große Parkplätze, bei denen man vorwärts rein und auch wieder rausfahren kann. Hat man einen normalen Parkplatz, muss man meistens vorwärts einparken und dann rückwärts wieder rausfahren. Ist man alleine unterwegs, findet man immer einen Camper-Nachbarn der einen herauswinkt. Ist der Wagen abgestellt und hat man einen „Full Hook Up“ Platz bestellt, kann man sich mit den mitgelieferten Kabeln und Schläuchen an die Versorgung anschließen. D.h. man schließt den Strom an und verbindet die Frischwasser Zufuhr. Da die Frischwasser-Qualität bei den meisten Campingplätzen zumindest fragwürdig ist (manchmal auch stark gechlort), würde ich es nicht empfehlen, das Wasser zu trinken oder mit ihm Speisen zuzubereiten. In jedem Supermarkt kann man günstig große Wasserkanister mit Trinkwasser kaufen, das habe ich zum Kochen und zum Zähneputzen benutzt. Duschen und Abwaschen geht natürlich mit dem Wasser vom Zapfhahn. Manche Proficamper schließen auch gleich das Abwasserohr an. Ich habe immer erst kurz vor der Abfahrt gedumpt.

Wo finde ich gute Campingplätze?
Es gibt zwei große „Ketten“ bzw. Vereinigungen von Campingplätzen, zum einen Good Sam, zum anderen KOA.  Auf beiden Internetseiten findet man die Mitglieder der Vereine, sie werden dort ausführlich beschrieben und kategorisiert. Ich habe den schönsten Campingplatz bei „Thousand Trails“ gefunden, deren Qualitätsstandards sind meines Erachtens besonders hoch.


Wie ist das Leben auf den Campingplätzen?
Meist geht es sehr leger und familiär zu. Oftmals war ich mit meinem RV der kleineste unter den großen Wohnmobilen und als  „jüngere“ Alleinreisende immer ein Unikum. Die meisten Camper sind freundlich und interessiert. Es gibt Duschen und WCs (mal besser, mal schlechter), wenn man lieber nicht im RV duschen mag. Auf jedem guten Campground gibt es zudem Waschmöglichkeiten und Trockner. Hierfür muss man eine Handvoll (25 cents) vorrätig haben – und meistens auch Waschmittel. Ich hatte einmal keines und habe es von einer anderen Camperin geschenkt bekommen. Sehr nett! Zu beachten ist, dass diese Münzgeräte nicht wirklich die besten sind. Es gibt bei den Waschmaschinen nur kalt, lauwarm oder heiß zur Auswahl. Meine Wäsche habe ich zudem in Waschsäcke verpackt, denn wirklich schonend sind die Geräte nicht.

Wenn man freundlich fragt, sind die meisten Nachbarn auch gern bereit, einem ihren großen RV zu zeigen. So kommt man ins Gespräch und wird auch mit viel Glück (war bei mir oft der Fall) auch mal zum Grillen oder auf ein Glas Wein eingeladen. Oder man kann Empfehlungen für andere schöne Campingplätze bekommen. Politische Themen sollte man übrigens am besten auslassen. Als ich mal drohte, von einem texanischen Paar in eine Grundsatzdebatte über George Bush verstrickt zu werden, habe ich behauptet, dass auf meinem Gasherd wohl noch was brutzelt und bin schnell von dannen gezogen. Die US-Wohnmobil Fahrer gehören nicht immer zu den liberalen Bewohnern des Landes ;-)

Dumpen – wie schlimm ist es?
Es ist nicht schlimm! Um das hier noch einmal genau zu erklären: Dumpen wird das Ablassen des Schmutzwassers genannt. Es gibt einen Schwarzwassertank (Klo) und einen Grauwassertank (Sonstiges Schmutzwasser von Dusche und Spüle). Für das Dumpen holt man den mitgelieferten großen Schlauch, führt ihn zur Dumpingvorrichtung am Parkplatz und steckt ihn dort fest. Alles ganz einfach. Dann löst man zunächst das Ventil für den Schwarzwassertank, danach spült man mit dem Grauwasser nach. Ist kinderleicht, stinkt wirklich nicht und ist auch nicht eklig. Danach schließt man wieder beide Ventile (ganz wichtig), und verstaut den Schlauch wieder in die eigens dafür vorgesehene außen befindliche Vorrichtung. Alle paar Dumpings schmeißt man nach Ablassen des Schmutzwassers ein eigens dafür vorgesehenes Pad ins Klo, das verhindert Geruchsbildungen.  (Zwei Pads waren in meinem Starterkit vom Vermieter vorhanden, Nachkaufen geht an jedem RV Campingplatz). Gründlich Hände waschen, fertig ist der Lack.

Wie viele Meilen schafft man locker am Tag?
Da es auf allen Straßen Tempolimits gibt und man ja generell nicht wirklich schnell fahren soll und kann, war mein Maximum 7 Stunden Fahrt am Tag. Ich war aber auch auf zwei Wochen und insgesamt 2910 Meilen insgesamt festgelegt, da ich viele Staaten sehen wollte und nun mal keinen Urlaub gemacht habe. Jeder, der wirklich Urlaub im Wohnmobil machen will sollte großzügiger planen und damit weniger „Strecke machen“ als ich. Rechnet man mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 Meilen pro Stunde, dann kann man es also maximal auf 350 Meilen am Tag schaffen - allerdings fährt man dann eben nur noch. Ich würde jedem Urlauber ein Maximum von 200 Meilen am Tag empfehlen. Nur so kann man entspannt reisen.

Darf man in den USA frei/wild campen?
(Frage von Reisefreunde Leserin und Reisebloggerin Heike)
Nur auf öffentlichem Land ist das wilde Abstellen des Wohnmobils gestattet. (Zum Beispiel in National Forests) -  sonst ist das wilde Campen in Städten und in Nationalparks meistens verboten. Ehrlich gesagt ist es auch nicht wirklich bequem –denn man kann die Annehmlichkeiten des RVs zu eingeschränkt nutzen, da man Strom nur über den teuren Generator bekommt. Auch sollte man generell die Sicherheit bedenken. Dennoch: es gibt Möglichkeiten, die Campinggebühren zu sparen. Einige Walmart Parkplätze erlauben das wilde Campen, das ist den USA auch Boondocking oder Dry Camping genannt wird. Und: es gibt im Netz einige Seiten, bei denen private und kostenlose Campingplätze und Kontakt zu den Eigentümern aufgelistet sind. Hier die Links:
http://www.allstays.com/c/camping-free.htm

Ich war immer auf einem Campingplatz, zum einen weil ich einfach immer Strom brauche, zum anderen um die Serviceleistungen der Plätze zu nutzen und um mich sicher zu fühlen.

Was ist wichtig bei einem guten Stellplatz?
(Frage von Reisefreunde Leserin und Reisebloggerin Heike)
Ich bevorzuge ausschließlich Full Hook Ups, d.h. bei denen Strom, Wasser und Dumping direkt am Platz verfügbar sind. Besonders bequem ist dann noch der Pull Through Platz, bei dem ich vorwärts ein und auch ausparken kann und so niemanden um Hilfe fragen muss. Im Sommer ist ein Schattenplatz natürlich Gold wert, obwohl natürlich fast jedes größere Wohnmobil mit einer Klimaanlage ausgestattet ist, die über den angeschlossenen Strom läuft. Nettes Add-on ist eine gute Aussicht – die kostet aber gleich immer mehr!

Typischer Stellplatz in den USA


Ist Wohnmobilfahren nicht irgendwie unsexy?
(Frage von Reisefreunde Leserin und Reisebloggerin Heike)
 Natürlich trifft man in den USA besonders auf ältere RV-Fahrer. Dennoch: Wohnmobil fahren ist saucool! Vor allem, weil es einem ein großes Stück Freiheit beschert. Fährt man etwas außerhalb der Saison findet man auch spontan immer einen Platz irgendwo, die Dichte der Campingplätze in den USA ist wirklich enorm. So flexibel ist man sonst mit keinem Fahrzeug unterwegs, das finde ich wahnsinnig sexy.

Wahnsinnig sexy ;-)


Wie viel Zuladung ist erlaubt?
(Frage von Reisefreunde Leserin Sissy)
Jedes Wohnmobil hat eine maximale Gewichtsbeschränkung. Nähere Infos gibt es natürlich vom Vermieter, denn jedes Wohnmobil ist anders. Aber Dank der Tatsache, dass man ja unterwegs auf fast jedem US-Campingplatz günstig und bequem waschen kann und da man durch die Flugreise eh in der Gepäckmitnahme beschränkt ist, dürfte man selbst mit einer Familie nicht über die zulässige Beladung kommen. Weniger ist mehr! (Und wer weniger Zuladung hat, der spart natürlich auch enorm an Spritkosten!)

Es steht ein Bär vor meinem RV!
Ja, das ist bei mir auch schon vorgekommen! Und zwar vergangenen Jahr auf einem Campground in der Sierra Nevada. Erfreulicherweise hatte mich der Ranger vorher gewarnt und mich mit entsprechenden Informationen ausgestattet. Nämlich wie ich mich verhalten muss. Wichtigste Grundregel, falls es in der Nähe Bären gibt: auf gar keinen Fall den Abfall nachts vor die Tür stellen! Denn den mögen nicht nur Insekten, sondern auch Bären. Auch sonst sollte man nachts nichts vor seinem Wohnmobil lassen, die Bären suchen nach Futter und könnten mit einem Tatzschlag euer Mobiliar zerstören, kein wirklicher Spaß.  Bei diesem Campground bin ich dann auch nach Dämmerung nicht mehr vor die Tür getreten, ich konnte nicht mal meine eigene Hand vor Augen sehen, geschweige denn einen Bär. Irgendwann stand dann wohl tatsächlich ein Bär vor meinem Camper, ich habe nur sein Brummen gehört und hatte mächtig Angst. Alle Campgrounds mit Bärenfamilien in der Nähe werden euch über deren Anwesenheit informieren und euch mit Schutzinfos ausstatten. Übrigens sind diese Campgrounds auch ganz einfach daran zu erkennen, dass die großen Mülltonnen nur mit einigem Geschick zu öffnen sind...

Ich will nicht!!!
Was ist bei der Rückgabe zu beachten?
Man gibt das Wohnmobil so zurück, wie man es bekommen hat. Das heißt wie bei einem normalen Mietwagen meist mit vollem Benzintank.  Die Abwassertanks müssen ebenfalls leer sein, Frischwasser sollte ebenso wie der Gastank wieder voll sein (der Gastank ist immer nur ¾ voll). An den meisten Campgrounds kann man Gas auffüllen lassen –gegen Bezahlung versteht sich. Zudem muss der Wagen innen besenrein sein. Besen, Handfeger und Kehrblech werden mitgeliefert, bei meiner letzten Anmietung war sogar eine Fußmatte dabei, die ich immer beim Parken spießig vor die Tür gelegt habe, es sammelt sich trotzdem genug Staub und Dreck an – ich habe nach jedem Parken vor meiner Abfahrt einmal durch gefegt. Die Armaturen habe ich dann auch noch einmal gesäubert, Ehrensache! Damit sollte die Abgabe gut über die Bühne laufen (falls ihr euch lösen könnt), wenn keine Mängel ersichtlich sind, bekommt ihr dann die Kaution zurück und zumindest bei meiner letzten Miete war dann auch noch ein Transfer inkludiert, für die meisten wohl zur nächsten Flughafen, bei mir war es zur Zugstation, um nach New York zu kommen.
 
Mehr FAQs findet ihr auch CUCamper, die meinen Roadtrip unterstützt haben.

Und wenn ihr sonst noch Fragen habt, dann einfach als Kommentar hier schreiben und ich werde Rede und Antwort stehen!

  

Buntes Mississippi

Es ist ein Weg der Räuber, der Ganoven, der Indianer und der Siedler. Die Geschichte des Natchez Trace Parkway steht genau deshalb auf meiner „To Drive“ Liste. Und: er gehört zu den „Senic Drives“ in den USA – Strecken, die einmalig schön sind. Besonders interessant für mich, denn genau danach suche ich. 

Aber zunächst komme ich in Natchez - der ältesten Stadt im Staat Mississippi - an. Die Sonne geht langsam unter, und ich suche in nach einem Parkplatz für das Wohnmobil. 

Das ist überraschend einfach: Downtown ist fast ausgestorben. Die kleine Stadt schlummert. Es sind Ferien. Der Mississippi versinkt langsam im rotblauen Himmel und mir knurrt der Magen. Im „Biscuits& Blues“ soll es angeblich leckere Crab Biscuits geben, also nichts wie hin. 

Der nette Kellner versteht mich nicht ganz, „Hoch“-Amerikanisch ist man hier nicht gewöhnt, man spricht mit schweren Südstaaten Akzent. Als ich nach dem Wifi Code frage, denkt er ich will einen Wein bestellen. Will ich aber nicht, ich muss ja noch fahren. Das Essen schmeckt, wenn es auch eher mittelprächtig ist. Es gibt die besagten Krebse in schwerer Sauce und danach Huhn. 

Wie immer in den USA sind die Portionen gewaltig und so verfüttere ich lustigerweise mein "Doggy-Bag", also meine eingepackten Essens-Reste, traditionell an eine mauzenden Katze  - und fahre danach zu meinem versteckten Campingplatz vor der Stadt um sofort erschöpft in mein Bett zu fallen.

Meine Strecke am nächsten Tag ist gar nicht so lang: bis nach Starkville will ich kommen, aber ich weiß: ich werde ein paar Stopps einlegen. Denn der Natchez Trace Parkway, den ich statt Interstate oder Highway fahren will, erzählt viele Geschichten und bietet etliche Fotomotive. Vor allem direkt von der Windschutzscheibe.


Als erstes stoppe ich an einem kleinen Indianer Museum direkt in Natchez. Nicht mehr viel ist übrig geblieben, aber das Museum bietet einen kleinen Einblick in das Leben dieses einst großen Indianerstamms. Eines ihrer Häuser wurde nachgebaut, einsam und verlassen steht es da. Das Museum ist klein, aber interessant. Dennoch finde ich alles zu unterrepräsentiert, wie so oft in den USA, die ihre brutale Geschichte einfach an die Seite kehren. Denn die Natchez waren einer der letzten Indianer Stämme, die hier angesiedelt waren. Den Forschungen nach bildeten sie ihre Gemeinschaft hier 700 n.Chr. und wurden nach etlichen Seuchen und vor allem Kriegen getötet und der Rest von ihnen vertrieben. 

Dann geht meine Tagestour los. 444 Meilen ist der Natchez Trace Parkay lang und (mit Betonung) werbefrei, er führt durch schier endlos scheinende Waldgebiete, an Seen und Feldern vorbei.  Mein heutiger Trip wird sich auf 228 Meilen beschränken.

Bunte Farben sind alles was ich sehe, außer wenige andere Gefährte auf der Straße - und ein paar Schildkröten, die sich mutig daran versuchen, die Straße zu überqueren. Einmal sehe ich im Rückspiegel Radfahrer die anhalten, um einer kleinen Schildkröte die Arbeit zu erleichtern und wahrscheinlich auch damit das Leben retten.

Die Farben, vor allem das ewige Grün, sind wahnsinnig beruhigend, aber auch recht einschläfernd, ich muss irgendwann eine Pause einlegen. 



Also fahre ich an einen See, klappe meine Markise aus, schnipsele einen Salat, setzte mich vor mein Wohnmobil und glotze auf das Wasser. Besser geht's nicht. Camperleben pur.

Meine Reise wurde von CU Camper unterstützt.


Das schwere Erbe des Südens

Soweit das Auge reicht führt mich meine Straße stur geradeaus. Immerhin überwinde ich ein paar Hügel und ab und an auch mal ein paar kleine Kurven. Ich fahre auf dem Blues Highway mit der Nummer 61 durch den Staat Mississippi. Rechts und links begrünte Wiesen, mächtige Plantagen, kleine Farmen und Wälder. Das Radio habe ich auf einen Blues-Sender umgestellt und höre zu, wie brummende Männer darüber singen, dass ihnen die Frauen weggelaufen sind oder dass sie keinen Dollar mehr haben. 

Die Sklaven haben das Klagelied erfunden, hier im Süden der USA. Ihr Leid war groß. Millionen wurden vor allem aus West-Afrika in die neue Welt verschleppt und zum Arbeiten gezwungen. Sie mussten Entsetzliches ertragen und es dauerte lange, bis sie als freie Menschen leben konnten. Geschichte und Gegenwart liegen in den Südstaaten recht nah beieinander und mich beschleicht das Gefühl, dass noch heute vieles davon nicht verdaut ist. Was auf der Nachkommens Seite der Sklaven verständlich ist, aber ich meine etwas anderes.

Ich besuche eine Plantage namens Oak Alley, von der ich vorher im Prinzip nur wusste, dass hier „Interview mit einem Vampir“ gedreht wurde und nicht viel mehr. Umso erstaunter bin ich, als mir klar wird, dass hier früher Zucker angebaut wurde – mit Sklavenhänden. Eine Stiftung hat das alte Anwesen wieder in seinen Urzustand versetzt und die ehemaligen Behausungen der Sklaven aufbereitet. Jetzt befindet sich hier im Prinzip eine Art Freilichtmuseum.



Ich wandle zwischen den nachgebauten Hütten der Sklaven, schaue hinein und versuche mir vorzustellen, wie die Menschen hier gelebt haben. Ihre Namen wurden an die Wand geschrieben, dass man ihnen so ein Denkmal setzt rührt mich  - aber ich frage mich auch, wie viel Berechnung dabei ist. 


 Führung durch das Herrenhaus. Eine junge Frau, zurechtgemacht wie aus anno dazumal, bringt eine Gruppe Touristen durch das Gebäude. Mit ihrem schweren Südstaaten-Akzent und großer Geste erzählt sie ausschweifend vom Leben der reichen Familie, deren Vorlieben, den großen Dinner-Abenden. 

Die Geschichte der Sklaven kommt nur in Nebensätzen vor – meist mit einem Witz verbunden. Die Touristen lachen. Mir stößt das auf. Kein einziger Satz fällt darüber, wie das Leben der Sklaven hier wirklich war. Lediglich am Ende verweist die junge Frau auf die Ausstellung am anderen Ende des Anwesen, dort wo ich schon war.  Sie schließt lappidar mit dem Satz „And right behind y’all find the gift shop“  - und ich frage mich, ob es dort auch irgendwelche geschmacklosen Magneten mit Abbildungen der Sklaven zu kaufen gibt. 

Eine schlaue Touristin will wissen, ob es denn auch eine Liaison zwischen Herrscher und Sklaven gegeben hat, denn das kam sogar sehr oft vor. Die weiße Familie lebte auf dem Landsitz, in der Stadt hatte der feine Herr der Plantage oft seine Zweitfamilie untergebracht. Die Antwort kommt zögerlich „Ach, wir sind immer noch bei der Auswertung der Briefe von damals. Aber der Sohn des Besitzers, der hatte wohl mal was mit einer Sklavin. Mehr wissen wir noch nicht.“ Eine komische Antwort, die mich nicht zufrieden stellt, denn seit Jahren ist Oak Alley eine Stiftung, da hätte man mal langsam fertig sein können mit der Recherche.  Rechts und neben mir will man das anscheinend gar nicht so genau wissen, viele der Besucher scheinen aus benachbarten Südstaaten zu kommen. Das meine ich: hinter vorgehaltener Hand schwärmen noch viele von der "guten alten Zeit"  - der Rassentrennung. Schrecklich.

 Überhaupt: die Staaten hier unten sind recht konservativ. Rednecks werden einige ihrer Bürger genannt.  An manchen Geschäften lese ich „We don’t call 911“ und darunter ist ein Gewehr abgebildet, an den Stoßstangen wird klar gemacht „Pro Life, Pro God, pro Gun“ und ganz hartgesottene erkläre auf Stickern wie Scheiße die Obama finden. Waffen und Munition gibt es hier an jeder Ecke zu kaufen. Auf einem Campingplatz erzählt mir eine nette Kanadierin, die seit Jahren in den USA lebt, dass das lokale County jahrelang nicht den Staatlichen Martin Luther King Day gefeiert hat, bis der Staat drohte, die Subventionen abzudrehen, wenn man den Feiertag nicht anerkannte. 


Für mich ist das nicht nur schwer zu verstehen, sondern vor allem auch schwer zu verdauen. Denn es passt nicht zu den schönen Landschaften, die ich hier sehe. Der weite Himmel gaukelt Grenzenlosigkeit und Freiheit vor, der Mississippi Bewegung und Fortschritt, die grünen Wiesen Wachstum. Und oftmals mag das auch stimmen. Denn je weiter nördlich man kommt, umso mehr Veränderungen finden wohl nicht nur in den Köpfen der Menschen statt.


Ganz zum Schluss meiner Reise, als ich in New York wie blöde auf den Central Park glotze, fällt mir wieder ein alter dummer Spruch ein: „Jedes Land hat ein Südstaaten Problem“. Irgendwie stimmt’s. Schön war es trotzdem.

 
Mein Tipp für Oak Alley: Wenn man das Anwesen über das Restaurant betritt (hinten am Parkplatz) ist der Eintritt kostenlos. Sonst (mit Führung durch das Herrenhaus) kostet der Eintritt 20 Dollar. Ich fand vor allem die Freilichtausstellung wirklich gut gemacht - Berechnung hin oder her). Die Tour durch das Herrenhaus hätte ich mir sparen können, ich fand die Führung zu einseitig. 

Meine Reise wurde von CU-Camper unterstützt.