Kein Trinkgeld bitte!
Die größte Stadt der Welt ist ein Fest der Sinne, und wie überall auf der Welt ist auch hier „Wissen Macht“. Deswegen gleich zu Beginn ein paar
Dinge, die man nicht tun sollte:
... Taxi fahren zum Beispiel. Denn auch wenn die Fahrer noch ganz stillvoll weiße Handschuhe tragen und die Hutablage ein Spitzendeckchen ziert, ist das Taxifahren in Tokio verdammt teuer. Allein die Kurzstrecke kostet so viel wie ein Hauptgericht in einem ordentlichen Restaurant. Abgesehen davon fährt der Yamanote-Express im 5-Minutentakt und ist selten so dramatisch überfüllt, wie es im Fernsehen immer aussieht.
... In Japan ist es nicht üblich, besondere Leistungen mit einem Trinkgeld zu belohnen. Immerhin reicht es der Japaner in der Regel juvial lächelnd zurück, während es mir ein Taxifahrer in China schon mal erbost vor den Kopf warf. Dort gilt es vieler Orts sogar als Beleidigung.
... No English please. Es gibt in Tokio Clubs und Bars, in denen sind Ausländer, die des Japanischen nicht mächtg sind unerwünscht. Das steht dann vor den entsprechenden Lokalitäten auf großen Schildern in englischer Sprache und ist zur Sicherheit noch mit einem gemalten Bildchen dargestellt. Der Hintergrund sei nicht rassistischer Natur versicherte man man mir, er diene allein der Problemvermeidung. Denn wenn man keine gemeisame Sprache spräche, könne es ja zu Missverständnissen kommen und die scheut der Japaner, wie der Teufel den Petersdom.
Dinge, die man unbedingt tun sollte:
Gutes Essen findet der Interessierte an fast jeder Strassenecke. Nicht nur Sushi und Sashimifreunde werden Tokio lieben. Auch wer zarte oder auch deftige Suppen, herzhafte Tintenfischklöschen und „Unbekanntes in Teig gebacken“ schätzt, wird diese Stadt niemals mehr vergessen.
Shinjuku
Club- und Rotlichtviertel
Hier gibt es die besten Oktopus- und Tintenfischklöschen, genannt Tako-Yaki. Sie werden auf der Strasse verkauft, vor den Augen der Gäste zubereitet in Pfannen, ähnlich wie die niederländischen Pofferties. Jeder Stand hat seine Geheimrezeptur: ein flüssiger Teig gefüllt mit Käse und wahlweise Oktopus- oder Tintenfischstückchen, garniert mit Bonitoflocken und einer ketchup-ähnlichen Soße. Was für ein Gaumenerlebnis. Ich könnte (und habe es auch) die Dinger schon zum Frühstück genießen. Gegessen werden diese nicht wie man annehmen könnte mit Stäbchen, sondern mit einem japanischen Zahnstocher und sie sind wahnsinnig heiß.
Shibuya
Kugelfisch-Roulette
Es gibt wohl kein Gericht auf dieser Welt, über das es soviel Gerede und so viele Gerüchte gibt, wie Fugo, den putzigen und stachelligen Kugelfisch. Fakt ist: falsch zubereitet tritt der quälende Tod leider nicht unverzüglich ein, sondern zieht sich über bis zu sieben Stunden hin. Sollte ich hier erwähnen, dass es ein qualvoller Abgang sein wird. Mit erbarmungsloser Lähmung der Muskulatur (auch Sprechmuskulatur) und dem darauffolgenden Erstickungstod? Sollte ich hier und jetzt berichten, wo genau im Fisch die Fahrkarte ins Jenseits lauert? Und das seine Innereien in versiegelten Behältern auf dem Sondermüll entsorgt werden müssen?! Na gut. Erhöht schließlich den Nervenkitzel.
Den Namen des Giftes, Tetrodotoxin, wird man schnell wieder vergessen. Nicht aber, dass es 250 mal giftiger als Zyankali ist. Die ersten Symptome setzen zehn bis 45 Minuten nach dem ersten Bissen ein. Zunge und Lippen werden taub, Schwindel, Panik, zugeschnürrte Kehle. Wenn jetzt nicht ein Arzt zufällig am Nebentisch sitzt und den Gast sofort behandelt, siecht dieser in den nächsten sieben Stunden dahin, bis seine Lungen gelähmt in sich zusammenfallen.Es wird auch von Gästen berichtet, die nach dem Fugu-Teller keinen einzigen Muskel mehr bewegen konnten. Auch nicht die zum Hilfe!-Schreien nötigen. Kein Zittern, kein Blinzeln, kein gar nichts mehr. Na Mahlzeit.
Ach übrigens: Der japanischen Kaiserfamilie ist der Genuß von Fugu per Erlass untersagt.
Restaurant „Nanomi“ (17-2, Maruyama-cho, Shibuya-ku, Tokyo 150-004)
Hier hatte ich meinen „Flirt mit dem Tod“ - aber es war jede einzelne Sekunde der Ungewissheit wert. Sechs Gänge für umgerechnet 60 Euro räumen gleich mit dem ersten Gerücht auf, der Fugoteller würde um die 1000 Euro kosten.
Irrtum Nummer zwei: Fugo schmeckt nacht nichts. Völliger Quatsch. Vielleicht für die Gyros-und Kebapversaute Zunge. Jede andere wird den sehr vornehmen Geschmack entdecken, das feste, grätenfreie Fleisch Bissen für Bissen genießen. Ich hatte Fugo in Gellee, Fugo- Carapaccio, Babyfugo im Ganzen frittiert, Fugo-Eintopf und zur Krönung den leicht angebratenen Fugo-Milchner. Dazu ein Fugo-Sake mit getrockneter Seitenflosse. Herrlich und jederzeit sehr gerne wieder!
„Seit Vierzig Jahren Unfallfrei“
Als Chefkoch Mizuuchi das kleine Restaurant mit zwei Zweiertischen und fünf Thekenplätzen eröffnete war er sechsundzwanzig. Heute verkauft er, meist lächelnd, mit seinem Sohn Yosuke jeden Tag etwa sechs Kugelfische. Bis heute gab es (laut Urkunde an der Eingangstür) keinen einzigen Todesfall.
Tama Sushi (13F Times Square 5-42-2 Sendagaya Shibuya-ku Tokyo 151-0051) Die Auswahl ist riesig, die Messer sind scharf und die Köche verdammt schnell. Das es hier sehr gute Sushi und Sashimi gibt, beweisst die lange Schlange von Gästen, die hier von mittags bis abends japanisch-gedudig vor dem Eingang wartet. Mit einer Nummer in der Hand, wie beim Einwohnermeldeamt. Egal. Wenn man einmal sitzt und in der langen Speisekarte blättert, ist alles vergessen. Verstärkter Speichelfluss tritt spätestens dann ein, wenn man die Bedienung die gefüllten Tellerchen auf die Tische stellen sieht.
Preise: günstiger als in Köln.
SCHLAFEN:
Wer sich wie Bill Murray in "Lost in Translation" mit Whiskey an einer schicken Hotelbar die schlaflosen Nächte um die Ohren hauen will und den Blick aus den mannshohen Fenstern nicht missen möchte, der muss tiefer in die Tasche greifen und sich ins schöne Park Hyatt Hotel einquartieren.
Wir aber waren im ebenso stilvollen, weitaus günstigerem Best Western Shinjuku Astine Hotel Tokyo. Das hat es auch getan. Dieses Hotel ist recht neu, t sauber und komfortabel. Es ist ca. 5-10 Minuten zu Fuß vom Shinjuku Bahnhof, Ausgang Süd und ist sehr zentral zu allem, viele Geschäfte und Restaurants. Die Zimmer sind, wie in Tokyo üblich, recht klein, aber das tut der Sache keinen Abbruch. Das Best Western liegt mitten im Shunjuku Bezirk, dem Rotlicht- und Entertainmentviertel im Westen der Stadt. HIer gibt es aber auch die meisten Einkaufszentren, die höchsten Wolkenkratzer der Stadt und den gleichnamigen kaiserlichen Park, der für seine Kirschblüten berühmt ist. Passenderweise hat dieser Stadtteil eine Städtepartnerschaft mit Berlin Mitte. Super Info, oder?