Ja, zugegeben – es fallen auch mir nicht besonders viele Speisen aus dem Land der rotkarierten Röcke ein, die das Prädikat BESONDERS LECKER verdienen. Haggis ist vielleicht so ein Klassiker aus dem Kreutzworträtsel, der als schottische Spezialität gehandelt wird. Aber wenn der mit Herz, Leber, Lunge und Nierenfett vom Schaf gefüllte Schafsmagen schon die Spezialität eines Landes ist, wie sehen dann erst die gewöhnlichen Speisen aus?! Grouse findet ich beim googlen, noch eine Spezialität, die aber schon im benachbarten England als „ungenießbar“ gilt. Grouse ist ein Moorhuhn, das drei Wochen abgehangen hat. (Zum Vergleich: Bei uns chilled so ein Huhn höchstens mal über Nacht). Schluss jetzt, widmen wir uns den Dingen, die die Schotten wirklich können: Fisch & Chips, ein kräftiges Frühstück und natürlich das feine, goldene Wasser der High- and Lowlands, der schottische Whisky.
Ich fange vorn an. Vor wenigen Tagen war ich mit meinem Bruder in der Nähe von Edinburgh zum Angeln und Whisky-Probieren, trotz des minütlich wechselnden Wetters ein voller Erfolg. Nicht nur, weil Brüderchen und ich schon im (englischen Billig-)Flieger den ersten Lachkrampf bekamen, weil sie das schwarze Wasser für drei Euro als Kaffee verkauften. Nein, wir hatten das ganze Wochenende über großen Spaß, was zugegebener Maßen auch an dem regelmäßigem Goldwasser-Konsum gelegen haben könnte. Muss nicht, kann aber.

Wir nächtigten im gerade erst wieder eröffneten Royal Mackintosh Hotel in Dunbar ( für nur 55 Pfund inkl. Frühstück), dem Ort, an dem Big George, der alte Seebär am nächsten Mittag auf uns warten sollte. Der Ort, an dem neben meinem Bruder und mir schon Eduard II, Eduard III und Maria Stuart weilten, liegt eine knappe Autostunde südlich von Edinburgh. Das Scottish breakfast im Hotel war so, wie die Angelsachsen es wohl lieben: Bohnen, Speck, Eier, gegrillte Tomaten, Champignons, Würstchen, Kassler und je eine dicke Scheibe black pudding (Blutwurst) und ja, juhuu, endlich....Haggis. Zum Frühstück?!? Und kein Whisky weit und breit. Der gestopfte Schafsmagen war überraschend lecker, selbst um die Uhrzeit. Nicht, dass ich ihn jeden Morgen brauche, aber so ein zweimal im Jahr.

Die Mägen mit gefüllten Mägen gefüllt, stiefelten wir in den kleinen Hafen von Dunbar und beobachteten die Hummerfischer, als sie ihren Fang weiterverkauften. Hummer! Eine unserer Leibspeisen, dachten wir laut und unisono. Neben all den anderen schnuckeligen Früchten und Schalentierchen, die das Meer sonst noch zu bieten hat. Der Hummer wollte uns nicht mehr aus dem Kopf, selbst als Big George uns zum Makrelenfischen raus aufs Meer schipperte. Der Wind war stark, die Wellen hoch, da konnten selbst die Makrelen nichts mehr sehen und bissen aus Versehen in unsere Haken. Und das gleich 15 Mal. Unser Hotelkoch bot an, die Makrelen in der Küche zu verzaubern, was ihm auch gelang.

Aber die Hummer gingen uns nicht aus dem Kopf. Und so stiefelten wir nach dem Abendessen durch jedes Fischrestaurant in Dunbar (zum Glück gibt es nur zwei) und fanden schließlich im The Rocks neben anderen Köstlickeiten, unsere Hummer vom Mittag wieder. Zweimal dann bitte! Nein, die Beilagen können Sie behalten. Zweimal Lecker! und endlich Ruhe im Kopf.
Der nächste Tag stand ganz im Auftrag des Whiskys. Wir wollten nach Glengoyne, einer Destillerie genau zwischen den Lowlands und den Highlands und knapp eine Autostunde von Edinburgh entfernt. Der Whisky dieser schottischen Destillerie schmeckt nicht nur ausgezeichnet gut, sondern spielt auch eine kleine, aber nicht unbedeutende Rolle in der romantischen Kennenlern-Geschichte zwischen meiner Verlobten und mir.

Wer sich für Whisky interessiert, sollte bei Glengoyne die VIP Tour buchen. Kostet nur 15 Pund und dafür gibt es gegen Ende der Führung noch eine private Verköstigung der feinen Tropfen. Sehr empfehlenswert. Da die Führungen sehr beliebt sind und immer nur zur vollen Stunde stattfinden, hatten wir noch Zeit für den besten aller Great Britain snacks: fish & chips, auch battered haddock gennannt. A dream! Nur wenige Meter von der Destillerie entfernt im Restaurant The Beechtree Inn in hervorragender Qualität für keine neun Pfund. Die Speisekarte hat aber noch mehr feine Sachen zu bieten, so auch die berühmten deep fried mars bars (frittierte MARS Riegel!) uaaahhh....lekkaaaa!
Unweit von Edinburgh in Pencaitland, gibt es im Übrigen auch noch eine Destillerie (es sind leider nicht viele geblieben in den Lowlands), die auch einen sehr feinen, milden, nicht getorften Whisiky produziert: Glenkinchie. Auch diese Destillerie kann man Sonntags besichtigen und Probe schlürfen. Nix wie hin, Ihr feinen Zungen.
Ansonsten haben wir noch eine Seite entdeckt, die den Whiskyfreunden unter Euch gefallen könnte:
http://tinyurl.com/66aaqos und passend dazu einen sehr weisen Spruch einer sehr weisen Dame, Greta Garbo "'Give me a whisky baby, and don't be stingy" (was so viel heißt wie 'Gib mir einen Whisky, Baby, und sei nicht geizig'). Sehr sympatisch.