Eine Woche und zwei Supper Club, oder Guerillarestaurants oder Privatrestaurants. Egal wie man es nennt. Das Prinzip ist immer ähnlich: es gibt gutes Essen für Fremde im eher privaten Rahmen. Entweder im Wohnzimmer der Gastgeber oder in anderen Locations. In der vergangen Woche habe ich als absoluter Supper Club Fan meinen eigenen Rekord aufgestellt - und gleich zwei besucht. Zum einen war ich im Kreuzberger "Zuhause" Supper Club, zum anderen beim wohl einzig veganen Supper Club der Stadt, ach - wer weiß: der Welt, dem "Mund Art Berlin"
Aber lest selbst...
Erster Eindruck: Wenn das Essen genauso genial ist wie die Frisur
der Supper Club Chefin Kristi wird das ein guter Abend. Das waren meine ersten
Gedanken. Willkommen bei Zuhause. In Berlin Kreuzberg. Nee, ich hab mich nicht
verschrieben, Zuhause heißt der Supper Club. Hier wohnen Kristi und Dave, ein
kanadisch-irisches Paar.
Der Supper Club: Heute und an vielen Abenden öffnen sie
Fremden ihre Wohnzimmertür und laden zum Zuhause Supper Club. Wie passend: Dave
ist gelernter Koch und daher ein Profi. Ich hatte meiner vier Freundinnen Nadja, Marisa, Ewa und Nora mit dem
Dinner überrascht und mitten ins Schwarze getroffen, als ich kurz vorher das
Geheimnis gelüftet hatte. Die Freude war groß!
Der Abend: Oben im zweiten Stock geht die Tür auf und Kristi
lugt hervor. Sie bittet uns herein und wir lernen die anderen Gäste des Abends
kennen. Wir sind insgesamt12 Personen. Allesamt neugierig und gespannt auf die
anderen – und vor allem das Essen. Dave begrüßt uns aus der Küche mit ein paar
köstlichen Snacks und Kristi von der Bar mit einem Drink. Meine Damen sind begeistert. Wir setzen uns an die große schön gedeckte
Tafel im Wohnzimmer. Ich stelle mit großer Freude fest, dass Zuhause & ich
den gleichen Musikgeschmack haben.
Super Atmosphäre.
Das Essen: Als erstes serviert das Paar eine zarte
Jakobsmuschel auf einem Blumenkohl Püree, mit angebratenen Romanesco und
einem kleinen Mango-Salat. Dazu gibt es selbstgemachtes Brot, Butter und Salz. Danach gab es
eine cremige und herzerwärmende Selleriesuppe mit Lardon und Rosinen. Es
folgten unglaublich gelungene Gnocchi mit Pfifferlingen und Thymian – die besten
die ich je gegessen hab. Anschließend wurde ein Brandenburger Kalb auf herber Schokoladensauce
serviert – auf dem Teller warteten zudem noch ein köstliches Kartoffel Pavé,
das so etwas wie ein edles Gratin ist. Das Dessert war ein Pfirsich Millefeuille
mit Pistazien Creme. Die Überraschung schlechthin war der abschließende Käse
Gang: ein Blauschimmel-Pflaumen Auflauf, mit Streuseln überbacken. Köstlich. Zum Schluß noch einen Kaffee und (natürlich) selbstgemachte Kekse. Yumm!
Das Fazit: Hört sich alle sehr schick an, oder? Ist es auch und supergut!
Dazu gab es korrespondierende Weine –allesamt eine Wucht. Wer Geduld hat und
einen besonderen Supper Club erleben möchte, sollte sich bei Kristi und Dave
melden und um eine Reservierung bitten.
Die Spende beträgt 69 Euro inklusive aller Getränke – was bei dem
Service, bei der Qualität auch der Weine ein Hammer ist. Wir, bzw. ich komme
garantiert wieder.
Nur wenige Tage später war ich wie gesagt im wohl einzigen veganen
Supper Clubs Berlin, im Mund Art Berlin. Ich hatte schon per se Vertrauen da
ich eine der Macherinnen des Supper Clubs von früher kenne. Feli war jahrelang
Kellnerin in einem meiner Berliner Stammcafés.
Erster Eindruck: wir kamen fünf Minuten zu spät – und waren
schon fast die letzten Gäste. In einem witzigen kleinen Geschäft in Moabit mit
offener Küche findet der vegane Supper Club statt – immer jeden ersten Mittwoch
des Monats. Zur Begrüßung gab es fröhliche Gesichter bei allen Anwesenden und
einen prickelnden Cremant rosé.
Der Supper Club: Ausschließlich vegan wird hier gekocht –
und zudem nach regional und saisonal. Was sich Feli & Nicole & Co. hier
vorgenommen haben ist gewagt und verrät hohe Ansprüche.
Der Abend: es wird viel gelacht. Und da in der Location der Tisch nah an der Küche steht, ist es spannend und
faszinierend, Nicole dabei zuzusehen wie sie mit leichter Hand (und das unglaublicherweise) als
ungelernte Köchin das Essen für so viele Leute zubereitet. Immer bleibt sie
gelassen und konzentriert. Routiniert ist natürlich auch der Service, der es schafft, die ca. 25 Gäste wie
Freunde charmant und liebevoll zu umsorgen. Die meisten Gäste sind keine Veganer und nicht mal
Vegetarier, so dass schnell klar wird, dass Mund ART Berlin eine echte
Botschafter-Position inne hat.
Das Essen: Zunächst gibt es fluffiges Brot, das schon
alleine süchtig gemacht hätte. Aber dann die Überraschung: dazu reicht man uns
veganen Schmalz, der köstlicher und deftiger nicht sein könnte. Er wird aus
drei besonderen pflanzlichen Fetten hergestellt. Der erste richtige Gang ist
dann ein geröstetes Brot mit Aioli und Kürbissalat. Eine herrliche Sünde. Darauf folgt eine
überraschend frisch schmeckende Lasagne von roher roter Beete und Kohlrabi,
Cashewkäse und Kräuterricotta. Der Hauptgang dann eine üppige Portion
geschmorter Spitzkohl in Rosmarinessenz und gratinierter Pilzkartoffel mit
Haselnuss-Chili-Parmesan. Dennoch: Mehrfach
mussten die Kellnerinnen hier nachlegen, denn den Gästen schmeckte es einfach
zu gut. Der abschließende Blick auf die Menükarte machte mich skeptisch. Das
Dessert sollte eine weiße Schokoladenmousse sein. Im „Birnenleder“. Ich
zweifelte stark, dass man so etwas lecker vegan hinbekommen konnte. Wenige
Minuten später war klar: konnte man! Auch hier wurde die Creme später gern
nochmal nachgelegt. Als Absacker im Menü mit inbegriffen. Man hatte die Wahl zwischen einem Borgmann
Kräuterlikör aus Braunschweig, was meine Braunschweiger Begleitung in Verzücken
brachte oder einem Leipziger Brotschnaps, der nach Karamell schmeckte und dabei
ganz klar war.
Dazu gab es je nach Gusto hervorragenden veganen Biowein,
Wasser und hausgemachte Limo – die extra bezahlt werden mussten.
Das Fazit: sehr gelungen. Überraschend und vor allem gut. Für das
Menü lag die Spende bei 39 Euro, die Getränke kosten extra. Ein toller Supper Club,
bei dem auch Fleischesser nicht hungrig gehen, sondern mit Sicherheit
verwundert und inspiriert den Abend beenden werden. Tolle Gastgeber, die
herzlich und offen sind. Auch hier werde ich in 2013 noch einmal sitzen.














Liebe Angie,
AntwortenLöschenwir waren auch beim Mundart Supperclub und können dir nur beipflichten. Ein wirklich schöner Abend -auch für Nichtveganer sehr zu empfehlen. Schöner Blog - wir sind nun Fans von dir!
Liebe Grüße
Zwei "Mitgeniesser"