Das war lecker: Besuch bei „meinem“ Glengoyne

Wie bei einem kleinen Kind vor Weihnachten steigt allmählich meine Vorfreude. Wir haben gerade die Stadtgrenze von Glasgow satt und glücklich vom wirklich guten Lunch im coolen  "The left Bank" verlassen, da sehen wir die ersten Ausläufer der Highlands. Majestätisch. Durch kleine kurvige Straßen führt unser Weg, vorbei an winzigen Steinhäusern, noch grünen Feldern und durch kleine Wälder. Ein paar Schafe stehen auch rum. Es sind nur 25 Minuten von der Stadtgrenze zu meiner Pilgerstätte. Ich bin ja nicht religiös, aber ich glaube an die Kraft der Gerste. Mein Ziel heißt daher Glengoyne. Eine traditionelle, schottische Whiskybrennerei. Eine der wenigen, die noch unabhängig ist. Vor Jahren habe ich bereits über diese Destilliere geschrieben. Und damals meine Liebe für feine Single Malts entdeckt. Ich Doofnuss hatte bis zu dem damaligen Zeitpunkt nur amerikanischen Bourbon probiert - aber der schmeckte mir eigentlich zu sehr nach Seife. In meiner jugendlichen Dummheit dachte ich, alle Whiskys würden so schmecken und hatte nie etwas anderes probiert. Bis ich zum ersten Mal einen 17 Jahre alten Glengoyne Whisky trank, der meine Sinne öffnete. Das war 2004.

Es nieselt als wir endlich da sind! Juhu! Ich springe aus dem Bus wie eine Gämse (okay, das ist ein wenig übertrieben, wenn man wie ich gerade einen Scottish Beef Burger mit extra Käse und Bacon gegessen hat....) und schieße aufgeregt schon mal ein paar Fotos. Als wisse er, woher die Freude kommt, kommt uns mit einem gütigen Lächeln Joe entgegen, der meine Mitreisenden und mich durch die Brennerei führen soll. Wie ein Model stellt er sich auf und posiert für meine Kamera. Muahaha. Bei Glengoyne haben die glaube ich alle dauerhaft einen im Tee. Oder das kommt daher, dass sie hier recht viel Zeit und wenig Stress haben. Auf jeden Fall sind alle bester Laune. Bis sich ein Whisky überhaupt Single Malt nennen darf, müssen schon mal 3 Jahre vergehen. Hier aber ist der jüngste Tropfen im Verkauf 10 Jahre alt.  Der älteste ist 40 Jahre alt – und kaum bezahlbar. 

Ich war aber auch mit weniger zufrieden und genoss gleich zu Beginn meines Mekka-Aufenthaltes erst mal einen „Wee Dram“ des 12jährigen Whiskys. Der schmeckte herrlich süßlich und auch ein bisschen frisch und kommt ganz golden daher. Lecker. So machte es auch nix, dass es draußen schüttete und wir leider in der Brennerei, durch die wir mit unserem Whisky im Blut geführt wurden, nicht fotografieren durften. Explosionsgefahr! Hui! Joe erklärte uns (vor allem mir, ich hing an seinen Lippen) den langwierigen Herstellungsprozess. Es roch nach Malz und Hefe, teils nach Bier und dann wieder schwer süßlich. Interessant fand ich, dass nach dem Maischen und der Gärung nur der mittlere Abzug des Destillates („middle cut“) wird verwendet wird. Der letzte Rest vom Kupferkessel geht wech – und zwar auf den Acker der schottischen Bauern ringsherum.

Voller neuem Wissen ging es dann in den Boardroom von Glengoyne, also dort wo sonst nur der Vorstand tagt und neue, teils zwanzig Jahre dauernde Strategien ausheckt. Das nenne ich mal visionär! Hier durften wir also unsere eigenen Whiskys mischen, also „blenden“. Gut war, das Joe mit den anderen Teilnehmern ordentlich zu tun hatte, so dass er nicht merkte, wie viele kleine Schlückchen von den verschiedenen Whiskys ich mir heimlich nebenbei genehmigt habe. Köstlich! Mein Blend besteht übrigens aus folgender Mischung: 60ml Invergordon als Grundlage, dann 24ml Glengoyne (10 Jahre), 16ml Lowland Whisky, und jeweils 8ml Highland, Speyside und Island Whisky. Eine runde, süßliche Sache. 


Der Blend wurde von mir ganz schottisch „Lassie’s Love“ benannt. Und eine Urkunde mit Ernennung zu Whisky Master Blender Extrordinaire bekamen wir auch noch. Stolz und leicht betüddelt ging es dann zurück nach Glasgow. Lassie’s Love steht jetzt übrigens gerade neben mir und wartet darauf, dass ich endlich fertig werde mit Bloggen. In diesem Sinne: Slangevar. Das heißt Prost auf Schottisch. Und wenn ihr mal in Glasgow seid: ab zu Glengoyne und selber probieren!

Disclaimer: Auf die Reise wurde ich  freundlicherweise von See Glasgow eingeladen. Meine Meiung bleibt wie immer meine eigene!

2 Kommentare:

  1. Für mich neben den wunderschönen Natureindrücken in Schottland und dem mutigen Befahren von single-track-roads das Schönste; der Besuch einer Brennerei und das Verkosten neuer Malts. Oban und Talisker vor wenigen Jahren an Originalschauplätzen zu geniessen bleibt mir in Erinnerung, genauso wie der Genuss eines Tobermory auf Mull. Es mag vielleicht mehr Einbildung denn Realität sein, aber ich finde das die Malts stets in die Landschaft passen, wo Sie entstehen. Der Bericht hat meine Lust auf eine weitere Schottland-Reise gesteigert.

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    1. Absolut korrekt Henner! Auch darum liebe ich Glengoyne, ist da einfach zum kotzen schön :-) Viel Genuß beim nächsten Wee Dram - zur Feier nippe ich gleich auch noch ein Gläschen!
      Liebe Grüße
      Angie

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