Die nackte Wahrheit über die Mythen von Schottland

Es gibt ein paar hartnäckige Mythen um das schöne Schottland. Ihr wisst schon. Mythos Nummer eins ist natürlich Nessie, das Ungeheuer, das in Loch Ness sein Unwesen treiben soll. Ein anderer Mythos ist, dass Schotten unter ihren traditionellen Kilts keine Unterhosen tragen. Dann ranken sich Mythen um ein spezielles Gericht, das bei jedem, der nur davon hört, Gesichtsverrenkungen auslöst. Haggis. Und ein letzter Mythos besagt, dass die Schotten einfach alles frittieren – auch Mars-Riegel. Drei dieser Mythen habe ich jetzt in Glasgow aufklären können.

Als ich ankomme ist mein erklärtes Ziel: ich will Haggis essen und mich auf die Suche nach einem „Fried Mars Bar“ begeben. Ersteres ist eigentlich recht einfach. Am dritten Tag meiner Reise habe ich genügend Zeit und sitze ich in einem Pub (names „Babbity Bowster“) der mir von einem waschechten Schotten empfohlen wurde. Ein bisschen mulmig ist mir schon zu Mute, denn das letzte Mal, das ich Haggis gegessen habe ist ewig her, und ich habe grauenhafte Erinnerungen an diese Spezialität. Damals wurde mir ein Teller vorgesetzt, der unästhetischer nicht hätte sein können. Vor mir lag damals während einer „Robert-Burns-Night“ in Nürnberg (sic!) ein prall gefüllter Klops in einem Schafsdarm. Auf recht lieblos gematschten Kartoffeln. Die neben mir sitzenden Schotten freuten sich diebisch über mein verzogenes Gesicht und meine offene Abwehrhaltung. Ich sollte noch einen Whisky drüber kippen scherzten sie. Haha. Sehr witzig. Ich habe natürlich auch damals probiert, aber geschmeckt hat es mir nicht. So aß ich nur den miesen Kartoffelbrei.

Aber jedes Essen hat eine zweite Chance verdient – meiner Meinung nach. Und so kam es, dass ich in dem Pub in Glasgow eben doch tapfer und wagemutig wieder Haggis bestellte. In Haggis kommt so ziemlich alles, was man sonst vom Schaf nicht über die Metzgertheke verkauft bekommt: in aller erster Linie Innereien.  Ach ja - und Haferflocken. All das wird so klein gewolft und mit Gewürzen versehen, bis man eine breiige Masse erhält. Gut für mich, denn als mir der Teller dieses Mal vorgesetzt wird, war der Haggis schon hübsch auf dem Teller zwischen Kürbis- und Kartoffelpüree („neeps and tatties“) verteilt und sah ganz apart aus. Meine Mitreisenden verzogen dennoch das Gesicht. Ich aber nahm todesmutig die Gabel in die Hand und schritt zur Tat, also führt diese zum Mund. Erster Gaumenkontakt: schmeckt gut. Gar nicht nach Innereien! Zweiter Gaumenkontakt: Mann, das ist echt lecker! Mit einem Whisky musste ich hier nicht nachhelfen. Ich mache es mal kurz: ich habe komplett aufgegessen. Und das obwohl ich normalerweise nie Innereien esse. Also: das nächste Mal gern wieder Haggis. Für alle Veggies: es gibt übrigens auch fast immer eine vegetarische Variante.

Ja und dann ist ja da dieses Gerücht mit den frittierten Marsriegeln. Ich hatte natürlich schon vorher im Internet ein wenig recherchiert -  bin aber nie wirklich weit gekommen. Selbst in großen Foodie-Foren wird Frittierfett-heiß darüber diskutiert. Essen das die Schotten wirklich? Und wenn ja, wo gibt es das? Eine Adresse konnte ich im Internet nicht wirklich finden. Es hieß, einige „Chippies“, also Frittenbuden würden das auf Anfrage anbieten. Kaum jemand hätte das auf der normalen Speisekarte. Ich hatte Glück, denn ich saß mit einer Schottin beim Afternoon Tea. Sie selber hätte das noch nie gegessen verriet sie mir und wisse auch nicht, wo es so einen Quatsch gebe. Das sei eh wenn überhaupt nur für Touristen. Aha! Dennoch war sie so nett und telefonierte ein paar Chippis ab. Auch die letzte Bude verneinte, aber sie wussten von ein Chippie, der so etwas verkauft. Ich also nix wie hin. „The Uni Take Away“ heißt der Laden. Im Westen der Stadt. Draußen regnete es und als ich mit meinen Reisefreunden Nina und Johannes den Laden betrat, roch es arg nach altem Fett. Hinter der Theke eine junge Frau und der alte Frittiermeister. Sonderlich amused war der nicht, als ich nach dem Mars-Riegel fragte. Ich habe durch den heftigen schottischen Akzent nur wenig verstanden, wohl aber so etwas wie „So ein Blödsinn – das bestellen immer nur die Touristen. Schotten essen das gar nicht“. Aber er holte das Mars aus der Verpackung, nahm einen Pommes Piekser und tunkt das Mars damit in den Backteig, in dem normalerweise der Fisch für Fish & Chips verschwindet und steckt den Riegel ganz kurz in die Fritteuse. Was dann raus kam ist – naja – nicht wirklich hübsch. Ein blasser Teig um einen Schokoriegel am Stiel eben. Geschmackstest: es schmeckte furchtbar. Nach Fett, geschmolzener Schokolade und so süß, dass Nina, die tapfer probierte, mal wieder einen ihrer berühmten Lachflashs bekam. Die bekommt sie öfter, wenn sie etwas zu süßes isst. Sagen wir es mal so: aufgegessen haben wir den Quatsch nicht. Eine Erfahrung war es schon.


Abschließen ein paar kurze Wort zum Thema Schottenrock. Von Kenny, unserem grandiosen Guide (siehe oben!), einem echten Schotten, habe ich die nackte Wahrheit erfahren. Er selber hat natürlich auch einen traditionellen Schottenrock mit Familien-eigenem Webmuster. Und er erzählte mir lange die Geschichte warum wieso weshalb Schottenrock. Alles sehr spannend. Aber ganz ehrlich: mich interessierte vor allem die Frage ob es stimmt, dass die Schotten nichts drunter haben? Die Antwort ist ganz klar und einfach: ja. Zumindest früher. Aha.

So. Drei von vier Mythen also konnte ich klären. Ist ja schon mal was. Fehlt also nur noch Nessie. Nach dem such ich dann allerdings erst im kommenden Jahr. Wer leiht mir ein Boot?

Disclaimer: Auf die Reise wurde ich  freundlicherweise von See Glasgow eingeladen. Meine Meiung bleibt wie immer meine eigene!

5 Kommentare:

  1. Das mit den Lachkicks war geheim.

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    1. :D Das haben gleich zwei volle Restaurants mitbekommen. Wir haben 2012. Nix ist mehr geheim! :DDD
      Knutsch!

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  2. Hihihi!
    War super mit euch!!! Und vielen Dank für den tollen Artikel!!!

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  3. Ich empfehle frittierten Snickers. Die schmecken viel besser als Mars! Aber man muß natürlich einen guten Chippie finden.

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    1. Hallo Ellen! Danke für den Tipp! Die hätte es auch im Uni Take Away gegeben.... glaube ich. Zumindest gab es dort auch Snickers... :D
      Ein Hoch auf alle süßen Sünden dieser Welt!
      Liebe Grüße!
      Angie

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