Gastbeitrag: Auf nach Palafrugell...Palafru-was??

Ich heiße Anna Anonym. Also eigentlich heiße ich natürlich nicht so. Sondern anders. Aber ist ja auch egal.......  Seit neulich kann ich bestätigen, "On the Road" von Walter Salles ist wohl der beschissenste (nicht nur Road-) movie, den ich seit langem gesehen habe. Entgegen aller Feuiletton-Ratschläge wollte ich ihn trotzdem sehen - die nehmen sich ja manchmal auch ein bißchen zu wichtig diese Kritiker. Big Fail. Im Prinzip war es eine "Lass-mal-was-voll-Verrücktes-machen-und-einfach-so-losfahren" Möchtegern-Johnny Cash-Highschool-Schnulze."On the Road" hört sich doch eigentlich so nach Abenteuer, lonesome Cowboys und Verschrobenheit an...eben alles, was man selbst gern mal einfach so tun möchte aber sich nie traut.

Und traut man sich´s doch mal für zwei, drei Stunden dann bricht einem sowas von der Schweiß aus...



... Rückblick: Social-Media-Konferenz-Wochenende in Girona, in den sicheren Hafen des Sternehotels eincheckt, die Sonne brennt, die Frisur sitzt und noch ein Tag zur freien Verfügung.Was mache ich damit nur? Klaro, STRAND! Im Prinzip würden alle Sarfa-Busse vom Bahnhof an die Küste fahren, so der Portier. - Wie lange das wohl dauere? - Etwa eine halbe Stunde, keinenfalls länger. - Ja, super, das lohnt sich ja richtig, da fahr ich doch einfach mal hin und mitnehmen muss ich eigentlich auch nix, ist ja nicht weit. Bikini hab ich schon an, trocknen werde ich von allein. Bloß den Hotelschlüssel und 20€ packe ich ein. Auf Handy, Pass und Bankkarte muss ich nur ständig ein Auge haben, wie unentspannt. Lass ich also da!

Leichtfüßig jogge ich zum Busbahnhof, wo gerade einer von diesen Strandbussen losfahren will. Perfekt, da spring ich doch noch schnell auf. 6,50€ finde ich ja ganz schön happig für so ne 30minütige Fahrt. Aber gut, ist halt ein Touribus. Der Fahrer fragt mich noch ein paar Mal, ob ich echt mit will nach Palafrugell. Ja Herrgott, wieso nicht? 



Schön hier in Girona, aber Anna Anonmy wollte an den Strand!


15 Minuten später...ach, wie schön diese Landschaft und mit dem Wetter hab ich auch echt Glück.
30 Minuten später... so, jetzt müssten wir ja gleich da sein.
45 Minuten später... manno Meter, hätte ich mir ja gleich denken können, dass 30 Minuten hier eher 45 Minuten heißen.
1 Stunde später...argh, wieso steigen hier eigentlich Schulkinder ein? Ich frag mal lieber..- Cuando arribamos a la playa? - Playa? No, hay playa aqui.(Für die nicht Spanischsprecher: hier fragt er mich gerade, von welchem Strand ich rede) - Oh Kacke...
1Stunde 20 Minuten später...Endstation Sehnsucht (ja, Sehnsucht nach dem Strand) oder auch Endstation Palafrugell.

Hier ist echt nix. Aber was ein Glück, das schon in eineinhalb Stunden der nächste Bus zurück nach Girona kommt und in einer halben der nächste Richtung Küste...jetzt zieh ich´s auch durch! Also nochmal 1,5€ für den Bus.


Nach nochmal 30 Minuten Fahrt, komme ich in Callela de Palafrugell an. Es ist das schönste kleine Fischerdörfchen, das ich seit Langem gesehen habe. Ich lege mich zwischen bunte Holzbötchen an ein wirklich azurblaues Meer. Nach einer Runde Schwimmen kommt Hunger auf und folgender Fragenkatalog: Wo auf der Landkarte bin ich eigentlich? Wie weit ist das von Girona entfernt? Und vorallem: Wie zur Hölle komme ich eigentlich auf diese extrem dämliche Idee im Ausland ohne Pass, ohne Handy oder Uhr und mit mittlerweilenur noch 12€ Restgeld einfach mal so in irgendeinen Bus zu steigen?
Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich vokabeltechnisch ebenfalls nicht sonderlich gut ausgerüstet bin? Ich kaufe mir ein Bocadillo für 2,35€ und gehe zur "Touristeninfo". Täglich von 10-12 Uhr und von 17-19 Uhr geöffnet. Um Punkt 17 Uhr deutscher Manier (aber vor allem aus Angst, am Strand schlafen zu müssen) stehe ich vor den Toren. Weise Entscheidung, denn um 17.30 Uhr fährt der letzte Bus in Richtung Girona. Dauert zwei Stunden und kostet 8.50€. Ja toll, hab ich noch 1,50€ für ein großes Wasser...ach scheiß drauf, ich nehm ein Bier am Busbahnhof! Jetzt hab ich noch 0€ und den Hotelschlüssel in der Hosentasche.


Endlose Weiten und Anna Anonym ganz allein und ohne Kohle
Ich habe Angst, vielleicht ist es auch Thrill und hoffe nur, es kommt jetzt keine unvorhergesehene Autopanne, Busausfall, Zusatzkosten...Ich will Heim! Mami!

Zwei Stunden später, die Schweißperlen der letzten abenteuerlichen 5 Stunden sind getrocknet, fahre ich wieder in Girona ein. Nochmal drei Tage später sitze ich wieder im Büro, zurück von meiner ersten, superprofessionellen Geschäftsreise. - Nee, nee, alles glatt gelaufen, war ganz toll!...Tss, was denken die denn? Ich bin eine gestandene 28-jährige Frau, cool as hell, mit allen Wassern gewaschen, Angst vor nix und niemandem.

So long...

2 Kommentare:

  1. Oh. Mein. Gott. Diese Anna ist mir sehr sympathisch! Ob sie Reisebloggerin ist? Reisebloggern passiert das doch nie. Die haben doch immer eine bessere Orientierung als die Maps von Google! :-) Habe ich gehört...
    Ich liege unterm Tisch vor Lachen!

    Vielen Dank dafür! <3

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  2. Super geschrieben!
    Erinnert mich an den einen oder anderen privaten Ausflug ^^. Als "hyperprofessionelle" Reiseleitung kenne ich das "Mami - ich will nach Hause"-Gefühl - Staftplan brauche ICH doch nicht ;-P - ICH kenn mich hier doch aus ... Pustekuchen ;-)

    Mit grinsenden Grüßen ...

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