Gemütlich: Glasgow im Winter

„Sorry for the rain“ höre ich nun schon zum dritten Mal. Und auch wie ich antworte „It’s okay, this is Scotland!“. Irgendwie gehört doch Regen dazu. Schnee wäre auch okay gewesen. Mein letzter Schottland-Aufenthalt war allerdings in einem sommerlichen September. Lang ist’s her. Jetzt ist November und als ich abends ankomme ist es kalt, aber trocken. Ich darf dabei sein, wenn die Weihnachtsbeleuchtung auf dem St. George Square eingeschaltet wird. Die wenige Karten sind begehrt und schon weit im Voraus ausgebucht. Aber ich war Einladung des Glasgower Fremdenverkehrsamtes hier und hatte Glück. Zunächst war ich unsicher, ob das denn auch wirklich was für mich ist. Als ich die ersten neon-farbigen Leucht-Plastik-Geweihe auf schottischen Köpfen sah, war mir zugegebener Weise etwas mulmig zu Mute. Aber dann auf dem Platz, als das Runterzählen begann, als bei Null die Stadt in Gold erstrahlte und dann auch noch ein grandioses Feuerwerk los ging, hatte mich Glasgow im Sack. Dazu noch ein paar romantische Weihnachtslieder und ich war verloren. Moi je suis une Romantiksau, da kann man nix machen.


Auch nicht, als leichter Regen einsetzte und uns in das pompöse The Corinthian trieb, wo ein Abendessen auf uns in gar herrschaftlichen Räumen wartete. Die Location: bombastisch aber auch too much, das Essen selbst: gut. Volle Punktzahl aber bei der Aufmerksamkeit des Mitarbeiters, der als ich nebenbei erwähnte ein Whisky-Fan zu sein, sogleich ein „Flight“ (vier Gläser mit kleinen Whisky Kostproben) orderte und mir so den Abend versüßte. 


Die Sonne strahlte als ich und meine Reisebegleiter am nächsten Morgen loszogen, um die Stadt kennen zu lernen. Erst mal war ich baff, dass es in Glasgow so viele alte und hübsche Prachtbauten stehen. Vorrangig roter und heller Sandstein prägen hier die Optik. Ganz eindeutig hatte die Stadt ihre architektonische Blüte im 18. Und 19. Jahrhundert. Und den ehemaligen Einfluss des hannoverschen Königshauses sieht man immer noch - unter anderem an den Straßennamen. 


Und dann der durchaus sehenswerte Friedhof, ja Friedhof. Der hat nicht nur einen schönen Namen: Necropolis. Wer etwas für alte, romantische schöne Grabmäler übrig hat, der sollte den Berg hinter der Kathedrale erklimmen und von hier zu dem einen Blick auf die darunter liegende Stadt werfen. Herrlich!

Gestärkt haben wir uns mit Whisky, Haggis und frittiertem Mars, waren bei einem herausragendem Inder und haben unsere Hüften mit Gold in Form eines klassischen Afternoon Teas beladen. Draufklicken und mehr erfahren. Und weil es so viel Spaß macht, hier ein kleines übersichtliches Video zu Glasgow im Winter.

Glasgow - Volle Kanne Schottland! from Angie Reisefreunde on Vimeo.

Am zweiten Tag machten wir Halt an der Universität um in die Replik des Rennie Mackintosh Hauses zu gehen. Das Wohnhaus von Glasgows wohl berühmtestem Designers ist so stellvertretend für seinen Stil, dass Teile abgetragen und wieder hier errichtet wurde. Leider durften wir keine Fotos innen machen, darum haben wir die Veranstaltung auch bald wieder verlassen. Draußen bei einem Coffee to go aus der UNI Mensa konnte man immerhin hübschen Studenten hinterher schauen. Und: ich wurde Zeuge einer bahnbrechenden Neuigkeit. Meine Reisefreundin Nina von Smaracuja möchte Gälisch lernen und Glasgow heiraten. Aha!

Unsere Tour führte weiter in ein wirklich atemberaubendes Museum. Das Kelvingrove Art Gallery und Museum besitzt eine der größten städtischen Kunstkollektionen von Europa und ist einzigartig. Hier hätte ich gerne mehrere Tage verbracht. Zum einen gibt es Wechselausstellungen zu sehen -  zum anderen ist in der Dauerausstellung wohl für jeden etwas dabei. Große Kinderaugen bekam ich zum Beispiel in der Halle mit den ausgestopften Tieren. Mann oh Meter. Schon cool, wenn man plötzlich einem Elefanten gegenübersteht, dahinter eine Giraffe glotzt und oben drüber noch ein Flugzeug hängt. Beeindruckend. Oder oben die Ausstellung über schottische Kunst und das schottische Selbstverständnis. Zu gern hätte ich mich hier einschließen lassen. Daher ein Rat an alle Glasgow-Reisenden: hier braucht ihr Zeit. Der Eintritt ist übrigens wie in vielen Museen der Stadt kostenlos, eine Kleinigkeit zu spenden, ist aber dennoch eine gute Idee!


Außen viel moderner und sicherlich auf den ersten Blick vor allem für Autofreaks und Kinder ein Highlight: das Riverside Museum.  Meine Reisefreundin Heike von Köln Format, die eigentlich mit dabei sein sollte, aber sich dann um ihren kranken Sohn kümmern musste, hätte hier als Liebhaberin alter cooler Wagen ihre diebische Freunde gehabt. Ich habe meine Speicherkarte vollgeknipst und war erstaunt, wie sehr selbst mir das Museum gefallen hat. Alles etwas weniger spießig und mit mehr Witz als manches Museum in Deutschland. 

Das künstlerische Highlight was dann aber die Glasgow School of Art. Allein das Gebäude (ebenfalls von Design Gott Mackintosh erschaffen) ist schon einen Besuch wert. Wir hatten das Glück, eine detailliertere Führung zu bekommen. Unser Guide, eine feenartig-schöne und intelligente Studentin, die kurz vor ihrem Abschluss steht, hat uns mit sanfter Stimme, verstehbarem Hochbritisch und enorm viel Wissen durch das Gebäude geführt und uns alle verzaubert. Nina, wieder Feuer und Flamme, wollte sich gleich übrigens einschreiben. Sponsoren, die sie unterstützen wollen, können sich gern melden. Ist nämlich recht kostspielig die Studiengebühr!

Apropos Geld: zum richtigen Ausgeben -vielleicht ja für ein paar Weihnachtsgeschenke- sind eigentlich gar nicht richtig gekommen. Obwohl Glasgow auch da sicherlich sehr geeignet wäre. Neben den vielen „normalen“ Geschäften haben wir am letzten Abend unserer Reise noch ein paar ganz hübsche Vintage-Läden entdeckt, denen wir gern unseren nächsten hoffentlich bald kommenden Besuch widmen würden. Auch in dem Centre for Contemporary Art hätten wir shoppen können, bis der Arzt kommt. Deshalb haben wir uns vorgenommen, noch mal wieder hierher zu reisen. Vielleicht ja im Sommer. Auch da darf es dann meinetwegen ruhig mal zwischendurch regnen. Ist ja Schottland.

Disclaimer: Mein Dank geht an See Glasgow, die mich auf diese Reise eingeladen haben. Meine Meinung bleibt wie immer die meine.

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