Hoi An: Weltkulturerbe und Heimat des weltbesten Banh Mi

Da ist sie! Blitzeblank und wie ein Altar steht sie da. Wunderschön. Ich höre sie leise rufen „Komm zu mir, benutz mich!“.  Nein, ich habe keine dreckigen Fantasien, ich selber fühlte mich dreckig. Nach 17 Stunden Zugfahrt von Hanoi nach Hoi An bin ich endlich angekommen. Im schönen Life Heritage Resort Hoi An und stehe vor meiner Dusche! Jaaa! Selten habe ich mich so darauf gefreut. Der Hotelmanager hatte mich etwas mitleidig angeschaut, als ich angekam. Ich sah ehrlich gesagt furchtbar aus. Nun, in meiner großzügigen Suite, kann ich mich endlich zurück ins Lebens duschen.

Im Bademantel, mit klassischen Handtuchturban auf dem Kopf ganz im Hollywood Style ist das Bett extrem verlockend und ich gönne mir eine halbe Stunde Entspannung, bevor ich endlich Hoi An erkunden will. Das Hotel liegt direkt an der Altstadt am Fluss und gefällt mir sehr. Und so ziehe ich eine Stunde später, frisch geföhnt und gut riechend los. Ich treffe den Hotelmanager wieder, der mich kaum wiedererkennt. „Well you look different“. „Yes“ erwidere ich „you have seen my worst travelling me“. 

Durch kleine Gassen mit bunten Häusern schlendere ich. Hoi An ist schön, seit 1999 UNESCO-Weltkulturerbe. Die Küstenstadt am zentralchinesischen Meer blieb als einzige im Krieg unzerstört. Und ist auch wohl daher sehr touristisch, was mich schwer wundert. Ich laufe an unzähligen bunten und voll bestückten Geschäften vorbei, werde so ziemlich überall angesprochen. In Hanoi war das ganz anders. Hier aber versucht mich alle zwei Meter eine lächelnde Verkäuferin oder Spa-Angestellte zu einem maßgeschneiderten Kleid oder zu einer Massage zu überreden.  Ich habe allerdings ein anderes Ziel: ich will das beste Banh Mi der Welt essen. 

Und weil mir mein Glück anscheinend wieder hold ist, befindet es sich genau zwei Straßen weiter. Phuong Banh Mi wurde von keinem geringeren als Anthony Bourdain, meinem heißgeliebten und sehr verehrten Ess-Gott zum besten vietnamesischen Sandwich der Welt ernannt. Seit Jahren schon pilgere ich auf den Spuren von Anthony Bourdain durch die Welt. Wie zum Beispiel damals nach Singapur, 5 Tage nur zum Essen! Anthony Bourdain ist mein Traummann mit einem Traumjob. Er war in seiner Serie „No Reservations“ auf der Suche nach den besten Speisen weltweit, und ist für mich seit Ewigkeiten eine echte Recherche und Inspirationsquelle. Und sieht dabei auch noch unverschämt gut aus. Eyecandy Ladies, wer ihn noch nicht kennt: bitte nachholen. Ich hole mir derweil ein Banh Mi. Ein unscheinbarer Stand, drei Leute hinter der Theke, die in Windeseile die knusprigen Reismehl Baguettes belegen. Meines ist ein „Spezial“, mit allem, was die Auslage hergibt. Paté, eingelegter Aufschnitt, vietnamesische Mayo, Gurken, Koriander, noch mehr Koriander. Erster Biss: königlich! Das Baguette hat die perfekte Mischung aus außen knusprig und innen fluffig. Der Belag saftig und frisch. Lecker. Meine erste Nahrungsaufnahme nach 24 Stunden ist der Knaller. 

Mit dem Banh Mi in der Hand schlendere ich glücklich mampfend weiter über den kleinen Markt im Zentrum der Stadt. Und werde wieder überall angesprochen. Die kleinen Frauen schießen wie Pfeile auf mich zu. Bieten mir Augenbrauenbehandlungen, Schuhe, schreckliche Postkarten und Schmuck, Nähdienste und wer weiß was noch alles an. Dabei will ich nur in Ruhe mein Banh Mi essen und nicht alle fünf Schritte „No thank you“ murmeln. Ich verziehe mich an den Fluss, da hat man ein wenig Ruhe vor dem geschäftigen Treiben der Stadt. Die Hälfte meiner Reisezeit ist rum und ich bleibe noch ein wenig sitzen und denke über meine Erlebnisse nach.

Aber ich habe noch eine zweite Mission in Hoi An zu erfüllen. Ich will für mich und meine Ex-Schiegermutter ein Blüschen schneidern lassen. Ich hatte vorher ein wenig recherchiert – es gibt große Schneidereien, die allesamt an den Hauptstraßen liegen und viel viel Geld für Miete und Schlepper zahlen. Das wollte ich nicht so gern unterstützen.  Ich hatte von einer kleinen freundlichen Dame gehört, die ihren winzigen Laden im so genannten Clothing Market hat – und keiner Touristin hinterherschreit. Da wollte ich hin. „Forget me not“ heißt ihr Geschäft. Stand Nummer 20. Seit Jahren kämpft sie gegen die Dominanz der großen Schneidereien an. Ich musste nicht lange suchen. In einer Halle hat sie ein winziges Eckchen, unzählige Stoffe und eine Nähmaschine. Sie ist freundlich und zuvorkommend. Aus etlichen Katalogen und Frauenzeitschriften kann man sich etwas Passendes aussuchen oder selber etwas aufmalen, dann vermisst einen Miss Forget-Me-Not, man sucht sich einen Stoff aus und in meinem Fall in 24 Stunden ist die Kleidung fertig. Bezahlt wird in Dollar. Der Service ist günstig und man kann sicher sein, dass nur die Schneiderin und nicht etliche andere Leute das Geld bekommen. Mein Ex-Schiegermütterchen hatte ich vorher vermessen. Ich lasse für uns beide eine hübsche Bluse in asiatischem Stil anfertigen. 

Mittlerweile dämmert es und ich latsche erschöpft zurück zu meinem Hotel, springe bei Dunkelheit für mein geliebtes Nightswimming in den Pool und verziehe mich danach mit einem Bierchen und meinem Laptop auf meine Terrasse zum schreiben. Und falle eine Stunde später  - um 21 Uhr – todmüde ins Bett. Und hole meinen verlorenen Schlaf wieder. Endlich. Morgen ist ja auch noch ein Tag.

Danke an TUI, die mir den Aufenthalt im Life Heritage Resort Hoi An organisiert haben!

4 Kommentare:

  1. Aber so sollte doch reisen sein ... mit ganzen Sinnen geniessen und dann zu wissen wie man sich auch auf eine normale Dusche freuen kann :-)
    Verfolge Deine Reise von Anfang an und ich glaube ih muss auch mal hin.
    Liebe Grüsse sendet Dir Dani

    AntwortenLöschen