Ich weiß noch genau, wann ich zum ersten Mal in meinem Leben vietnamesisch gegessen habe. Das war in New York. Tine, meine Zwillingsschwester, die 17 Jahre lang im Big Apple gelebt hat, hatte mich dort mal in ein sogenanntes „Hole in the wall“ geschleppt. Eines der eher unscheinbaren kleinen Restaurants in New York, das sich eher durch außergewöhnlich gutes Essen als durch schickes Interieur einen Namen gemacht hat und so unter den „Foodies“, also den wahren Gourmets ein Geheimtipp wurde. Dort gab es Banh Mi. Ein vietnamesisches Sandwich. Das Baguette einst natürlich von den Franzosen eingeführt, die Füllung ebenfalls halb französisch (unter anderem Paté), halb asiatisch. Ich war begeistert.
Umso mehr freue ich mich auf den zweiten Tag in
Hanoi. Denn ich will auf eine ausgedehnte Streetfood-Tour von „Enchanting Travels“ gehen. Vietnamesen, so hatte ich gehört, sind selbst wahre Foodies.
Aber erst checke ich in meinem neuen Hotel für die nächsten Tage ein - ins luxuriöse Mövenpick Hotel Hanoi. Das liegt zentral nah der schönen Altstadt. Hier empfängt mich Benoît Pretet, wie sollte es sein: ein Franzose, der Executive Assistant Manager des
Hauses. Sofort frage ich ihm Löchern in den Bauch. Zum Einfluss der französischen Küche auf
Vietnam. So soll angeblich sogar das Rindfleisch von den Franzosen „eingeführt“
worden sein und dann daraus die Pho entstanden sein. Das französische Wort Pot
au Feu könnte sogar den Namen Pho beeinfluss sein. Wer weiß.
Ich beziehe mein großes stylisches
Zimmer (silberfarben angestrichende Kommode, I like!) mit Ausblick über die
Stadt im 11. Stock. und freue mich über den süßen Gruß vom Haus: Eine Tafel
Mövenpick Schokolade, einen leckeren Obstkorb und ein Schnäpschen. Aber da ich weiß, welche
Köstlichkeiten noch auf mich warten, nasche ich nur ein Stückchen von der
Schocki. Das wäre ja sonst auch ein zu großer Regelverstoß gegen meinen Plan
mich auf dieser Asienreise ausschließlich regional zu ernähren. Na gut,
ertappt. Aber das eine kleine Stückchen zählt hoffentlich nicht.
Auch hier ist die Lobby weihnachtlich geschmückt und auf Nachfrage erfahre ich, dass ein Großteil der Vietnamesen christlichen Glaubens sind. Das war mir vorher gar nicht bewusst. Natürlich hatten auch hier französische Missionare ihre religiösen Finger im Spiel. Und dann passiert es. Mit Blick auf schimmernde Kerzen und Christbaumkugeln höre ich zum ersten Mal in diesem Jahr „Last Christmas“ von Wham. Und finde es: schön. Mit einem beseelten Lächeln auf den Lippen treffe ich auf einen weiteren Tuang. Aber nicht den gleichen wie vom Vortag aus dem Hotel, sondern meinem Guide, der mich in fließendem Deutsch mit den Worten „Herzlich willkommen in Hanoi“ begrüßt. Da bin ich erst mal platt. Tuan war früher bei Mannesmann angestellt. Deutsch ist seine zweite Fremdsprache. Er beherrscht sie perfekt. Ich schwinge mich mit ihm in eins der unglaublich günstigen Taxis der Stadt und wir fahren los um, wie er mir erklärt, einen Koch zu treffen. Ich lerne Chef Luong Duc Dung kennen. Er ist Koch in einem 4-Sterne Hotel. Wenn einer Ahnung hat über die Küche Vietnams, dann er. Zu Fuß geht es weiter durch die Altstadt von Hanoi.
Auch hier ist die Lobby weihnachtlich geschmückt und auf Nachfrage erfahre ich, dass ein Großteil der Vietnamesen christlichen Glaubens sind. Das war mir vorher gar nicht bewusst. Natürlich hatten auch hier französische Missionare ihre religiösen Finger im Spiel. Und dann passiert es. Mit Blick auf schimmernde Kerzen und Christbaumkugeln höre ich zum ersten Mal in diesem Jahr „Last Christmas“ von Wham. Und finde es: schön. Mit einem beseelten Lächeln auf den Lippen treffe ich auf einen weiteren Tuang. Aber nicht den gleichen wie vom Vortag aus dem Hotel, sondern meinem Guide, der mich in fließendem Deutsch mit den Worten „Herzlich willkommen in Hanoi“ begrüßt. Da bin ich erst mal platt. Tuan war früher bei Mannesmann angestellt. Deutsch ist seine zweite Fremdsprache. Er beherrscht sie perfekt. Ich schwinge mich mit ihm in eins der unglaublich günstigen Taxis der Stadt und wir fahren los um, wie er mir erklärt, einen Koch zu treffen. Ich lerne Chef Luong Duc Dung kennen. Er ist Koch in einem 4-Sterne Hotel. Wenn einer Ahnung hat über die Küche Vietnams, dann er. Zu Fuß geht es weiter durch die Altstadt von Hanoi.
Gleich nach wenigen Minuten bleiben wir stehen. An einem Stand, wo es Bananenfrikadellen und Mais- und Kartoffelpuffer gibt. Nach einem Biss in den Bananenpuffer, der hier Chuối Chiên heißt, ist mir klar: ich kann nur noch einmal abbeißen. Es schmeckt vorzüglich, ist süß und saftig, aber auch sehr fettig und ich weiß ja, dass wir noch an unzähligen Ständen Halt machen. Also bekommen Tuan und Chef Dung von mir den Puffer in die Hand gedrückt um mir zu helfen. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. So macht man das.
Drei Meter weiter ein großer
Obststand, beziehungsweise eine große Auslage am Boden. Eine alte Frau hockt
vor ihren Waren und bietet uns die besten Früchte an. Tuan erklärt mir, dass
die Hanoier kaum im Supermarkt einkaufen sondern lieber direkt auf der Straße
bei den ihnen vertrauten Einzelhändlern und Bauern. Es gibt sogar kleine
Verkaufsplätze, die wie im schicken Kochhaus in Berlin oder Hamburg gleich alle
Zutaten für besonders beliebte Speisen auf einen Schlag verkaufen. So ist der
oder die gestresste Einwohner/in in der Lage, schnell bei einem Einkauf gleich
alle Zutaten für das Lieblingsrezept in der Tasche zu haben. Auch hier ist Zeit
Geld. Vielleicht rasen die hier deswegen auch alle so.
Ein herrlicher Duft reißt
uns aus dem Gespräch. Er kommt von gegenüber, wo eine alte Frau mit
traditionellem „Non la“, dem traditionellen Reishut tragend auf dem Boden hockt,
vor ihr ein winziger Grill, vielleicht dreißig Zentimeter mal 20 Zentimeter groß. Darauf liegt was viele
Vietnamesen als ihr Lieblings Street Food bezeichnen würden: Barbecue-Spießchen.
Sie grillt Rind und Huhn auf ihrem Rost. Hier in Hanoi gibt hier sogar eine BBQ Chicken Street, in der es die besten Varianten gibt.
Wir ziehen weiter zum nächsten Stand. Hier gibt eine wahre Spezialität der Region. Banh Gio, eine Art herzhafter Reispudding gefüllt mit würzigem Schweinefleisch, gedämpft im Bananenblatt. Die Reismasse ist ganz schön klebrig und haftet an meinen Zähnen. So etwas habe ich noch nie gegessen - aber es schmeckt mir. Nur wie immer ist es viel zu viel und ich motiviere nochmal Dung und Tuan, mir mal schön zu helfen. Wieder schaffen wir die Portion nicht. Es ist einfach zu viel.
Gleich um die Ecke befindet
sich ein echtes Fressmekka. Auf dem Weg zum großen Markt sind in einer etwa
zwei Meter breiten Gassen rechts und links winzige Stände aufgebaut. Die Frauen
dahinter verkaufen jeweils nur ein Gericht. Suppen, gedämpfte Schnecken, dann
wieder das schmackhafte Bun Cha, vietnamesische Frikadellchen in einer würzigen
Nudelsuppe mit Kräutern. BBQ-Fleisch in unvorstellbaren Größen und Desserts in
allen Regenbogenfarben. Aus jeder Ecke riecht es anders, und selbst hier durch
die gedrängten Menschenmassen zwängen sich noch Mopeds, teilweise wieder mit
vier Personen besetzt. Man muss einfach aufpassen. Sonst gibt es Quetschungen.
Und dann stehen wir vor einem Stand, der Kaffee-Bohnen verkauft. Aber nicht nur normale Sorten, sondern auch etwas ganz spezielles. Ich werde stutzig. Was steht da? Weasel Coffee? Phe cut chon? Was das denn sei, will ich von Tuang und Dung wissen. Sie fangen beide an zu kichern und wollen nicht so richtig raus mit der Sprache. Bis ich kapiere: das scheint so etwas zu sein, wie der berühmte Katzen Kaffee. Die Herstellung geht so: den Wieseln bzw. Schleichkatzen gibt man die Kaffeekirsche, sie essen diese und verdauen nur die eigentliche Bohne nicht. Die wird in einem fermentierten Zustand ausgeschieden, gründlich gereinigt, geröstet und dann für viel Geld verkauft. Durch die Fermentierung schmeckt der Kaffee weniger bitter und gilt als Delikatesse. Heute wird angeblich auf die Arbeit der Tiere verzichtet, es werden wohl natürlich Enzyme benutzt, die das Aroma des Kaffees verändern, aber so richtig sicher bin ich mir da nicht. Aber irgendwas muss dran sein, denn es werden angeblich nur 700kg jährlich vom wirklichen Weasel Coffee produziert. Erst in Saigon übrigens habe ich so einen Kaffee im Ausschank entdeckt und ihn getrunken. Und er schmeckte köstlich, eher nach Kakao, sehr rund und weich. Geekelt habe ich mich nicht, weiß aber auch nicht, ob es echter Weasel Kaffee war.
In Hanoi gehen
wir weiter zu einer der Streetfood Institutionen. „Quan An Ngon“ hat mittlerweile
zwei Filialen. Hier wird in einem großen mit orangen Markisen überdachten
Innenhof eine Auswahl des besten Streetfood Vietnams serviert. Kleine Stände bieten
unterschiedliche Gerichte an, man kann bei der Herstellen zuschauen und dann
auswählen. Kellner bringen einem die Köstlichkeiten an die Tische. Zuerst
sträubt es mich ein wenig, nicht weiter auf der Straße zu essen. Aber schon
beim Betreten des Hofs war ich beruhigt. Hier saßen sogar mehr Hanoier als Touristen.
Immerhin. Und das Essen sah gut aus. Wir bestellen meinen bisherigen Favoriten:
Bun Cha, frische Goi Cuon - Frühlingsrollen mit Shrimps, Nudel und Kräutern,
einen südvietnamesischen hauchdünnen, beratenen Crêpe aus dem Süden namens Banh
Xeo und eine Suppe. Weil’s so lecker war. Natürlich war der Appetit nach
all den Naschereien auf der Straße eigentlich gar nicht mehr so groß, aber es
schmeckte und wir probierten hier und da. Aber schon bald ging gar nichts mehr.
Ich war mehr als satt - und dennoch erst
richtig angefixt.
HIER GEHT ES WEITER ZUM TEIL 2: Mehr Streetfood, die beste Pho von Vietnam und ein alter Bekannter...
Mein Dank geht an das Mövenpick Hotel Hanoi für meinen schönen Aufenthalt (ich hab mich sehr gefreut, mal länger als eine Nacht bleiben zu können) und an Enchanting Travels für die spannende Streetfood-Tour.
Mein Dank geht an das Mövenpick Hotel Hanoi für meinen schönen Aufenthalt (ich hab mich sehr gefreut, mal länger als eine Nacht bleiben zu können) und an Enchanting Travels für die spannende Streetfood-Tour.







Lieben Gruß! Wie immer ganz toll geschrieben. Und an deine Leser, das beste Banh Mi in NYC gibt's in dem "Hole in the Wall" Saigon Nr 1 auf der Broome Street. Da gibt's übrigens auch Banh Goi. Unbedingt dort das Banh Mi Nr 1 mit special Sauce bestellen. LG, Tine :)
AntwortenLöschenWenn du endlich mal nach Berlin kommst, Schesterherz, gehen wir zu CoCo Banh Mi. Das kommt ganz nah an das Anthiny Bourdain Banh Mi von Hoi An ran :)))
LöschenErstaunlich Sharing .. Vielen Dank für Aktualisierung dieser Post .. Es ist wirklich schön ..
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