Reisefreunde Hotelkritik: So anders – so neu - So Bangkok
Das ist mal ein
Empfang. Vor uns steht lächelnd eine
asiatische Schönheit. In ihren Händen hält sie ein Tablett mit Gläsern. Wir
wollen schon nippen, da bittet sie uns noch etwas zu warten. Wie ein Alchimist
kippt sie nämlich noch weitere Flüssigkeiten aus einem Reagenzglas hinzu, und
schon verfärbt sich der Inhalt in unserem Glas lila. Schön. Und lecker noch
dazu. Willkommen im So Bangkok.
Bei einem Willkommensdrink.
Und mit der wohl spektakulärsten Aussicht in Bangkok überhaupt. Der Blick durch
die bodenhohen Fenster der beeindruckend schönen Mixo Lounge mit Bar geht raus
auf die grüne Lunge Bangkoks, dem Lumpini Park. Dahinter ragt die futuristisch
die Skyline der Metropole in den blauen Himmel. Mich erinnert die grandiose
Aussicht sofort an den Central Park in New York.
Wir checken ein. Auf einem
großen Sofa sitzend, unseren köstlichen Drink schlürfend. Denn der Check In
kommt zum Gast, so einfach ist das und so anders, So Bangkok. So cool. Eigentlich
können wir uns kaum loseisen von der Aussicht, aber wir gehen ins Zimmer. Das Hotel hat sich von 5
Elemente inspirieren lassen und dabei wirklich nicht lange suchen müssen, denn
alles, was das Haus ausmacht, findet sich direkt davor: das Holz, Wasser, die
Erde des Lumpini Parks, das Metall der dahinter liegenden Skyline und das Feuer
Bangkoks, die Hitze der Stadt aber auch die Schärfe des Essens. Die Elemente
finden sich in den thematisch dazu passend eingerichteten Zimmern und in den anderen
Einrichtungen des So Bangkoks wieder. Schlau. Anders. I like.
Wir sind in einem Zimmer mit
dem Element Holz untergekommen und es passt. Ich fühle mich sofort wohl -
obwohl das Zimmer mit den Atem verschlägt. Die Aussicht: wieder eine komplette
Glasfront mit Blick auf Park und Skyline, die mich schwindelig werden lässt vor
Glück. Ein Mac System steuert alle nötigen Informations-und
Unterhaltungsprogramme in jedem Zimmer.
Ich weiß zwar nicht, wer bei diesem Anblick überhaupt noch in den
Flatscreen schauen will, aber schön zu wissen, dass man es könnte.
Das Bad mit
riesengroßer Wanne und separater Duschkabine ist ein Traum. Jeder Gast erhält
ein kleines Täschchen „so her“ oder „so him“
mit allen Annehmlichkeiten für die Körperpflege. Ladies, vom
Gesichtspeeling und Gesichtwässerchen bis hin zum kühlenden Fußgels... es ist
alles dabei. Das habe ich bisher in keinem Hotel der Welt gesehen. Hammer. Einziger Wermutstropfchen: wie oft (ich frage
mich warum) ist die einzige Steckdose im Bad links neben dem Spiegel angebracht
und die Schnur vom Fön so kurz, dass man sich nur schwer direkt vor dem Spiegel
die Haare trocknen kann. Da das ein wiederkehrendes Phänomen in Hotels ist,
habe ich vorgesorgt und meinen eigenen Fön mit langer Schnur dabei. Wie dem
auch sei, alles in allem sind wir sprachlos und wissen schon jetzt, dass wir die
Gardinen nachts nicht zuziehen werden. Jede Minute des kostbaren Anblicks muss
ausgenutzt werden!
Aus Neugierde auf die
anderen Zimmer lasse ich mir das ganze Haus zeigen. Einige Bereiche sind noch
nicht fertig, denn das Haus hat erst vor wenigen Monaten eröffnet. Aber ich
sehe fast alles und staue, staune und staune. In einer Wasser-Element-Suite bin
ich fast der Ohnmacht nah. Hier steht eine große runde Badewanne direkt an der
Glasfront zum Park. Ein Traum! Selbst die Suiten der kühleren Elemente sind so
geschickt designt und eingerichtet, dass man kein „kaltes“ Gefühl, sondern eher
ein Empfinden von Klarheit und Ruhe in den Räumen hat. Wir ziehen weiter
Richtung Spa: Hauptattraktion ist große Infinitypool ,der sich ebenfalls Richtung
Park erstreckt. Umwerfend. Mittendrin ein malerischer Baum, der die Atmosphäre
fast schon natürlich wirken lässt. Skurril. So anders.
Ich werde weiter durch das
Haus geführt. Der Guest Relations Manager ist brüllkomisch. Er ist so
begeistert von dem Haus und seiner Arbeit. Ansteckend. Er zeigt mir alle. Auch
die sehr schicke Business Area, einen großen Ballraum mit eindrucksvollem
Kronleuchter und im 29sten Stock das Park Society Restaurant & Bar. Das
Konzept ist einfach aber simple. Die Küche ist offen und man kann einen Platz
direkt am Chefstable buchen. Die Köche zeigen einem vorher einfach ihre beste und
frischesten Zutaten – und dann wird man bekocht. Natürlich gibt es auch ein
klassisches à la carte Menü. Als ich meine Nase in die Küche steckte, hingen
die Köche gerade über der Speisekarte und diskutierten leidenschaftlich. Dazu
diffuses seitliches Licht. Sie sahen aus wie Gangster in weiß, die gerade einen
Plan aushecken. Lustig. Neben an die Dachterrasse, auf der man essen oder einen
Sundowner trinken kann. Da wir nur eine sehr kurze Nacht hier sind, schaffe ich
das leider nicht. Aber beim nächsten Mal! Die Lounge Club Signature im 25.
Stock, die von Christian Lacroix inspiriert sein wird, sehe ich nur im
Rohbau.
Die Beeidruckungstour geht
weiter und wir fahren mit dem Lift nach unten, ins Feuer! Das ist die „normale“
Küche, bzw. das normale Restaurant des Hotel, dem Red Oven. Wobei auch hier
überhaupt nichts normal ist. Ein beindruckender, überdimensionaler roter und
daher namensgebender Herd dominiert den Raum, hier brutzeln Köstlichkeiten aus
aller Welt, die man sich auf sein Teller laden kann. Dazu vielleicht en paar
Antipasti oder guten französischen Rohmilchkse?
Oder vielleicht doch lieber ein paar fein Sushi, weiter hinten im Raum?
Ich nasche eine Praline aus der eigenen Herstellung des „Chocolabs“. Spätestens
jetzt weiß ich, dass ich wiederkommen muss, um alles zu probieren. So Bangkok
hat mich. Und zwar gewaltig. Bitte liebe Hoteliers dieser Welt. Kupfert ab.
Macht es genau so. So macht Hotel Spaß. Urban, individuell und mit Köpfchen.
Toll.
Nach der Hausführung zieht
es mich wieder in die Mixo Lounge. Ich trinke einen Eistee und lasse die
Eindrücke wirken, als plötzlich das Licht gedimmt wird und thailändische Musik
erklingt. Das Guest Relations Team überrascht uns alle mit einem traditionellen
Kerzentanz und zündet dabei die Kerzchen auf den Tischen an. Dazu spielt im
Hintergrund Bangkok seine Rolle perfekt und auf die Minute pünktlich: schnell
setzt die Dämmerung ein, und die Skyline erstrahlt in bunten Lichtern. Seufz.
Wie schön!
Die Nacht ist kurz. Wohl wissend,
dass wir eh schon um 3 Uhr aufstehen müssen, bekomme ich kein Auge zu. Nein, am
Bett liegt es nicht - denn das ist wirklich sehr bequem. Auch an der Lautstärke
nicht. Es ist so leise, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. Es ist
der Blick. Meine Augen starren auf die in der Dunkelheit funkelnde Skyline. Ich
kann mich nicht sattsehen. Irgendwann fallen mir dann doch die Augen zu. Für
wenige Stunden. Als wir gegen vier Uhr morgens auschecken, gibt uns der
freundliche Mitarbeiter noch ein paar Tütchen in die Hand. Erst im Taxi schauen
wir rein. Es wird schon hell. Oh Mann. Frische Sandwiches mit Rührei, frischer
Obstsalat und ein Orangensaft. Das ist so nett. Und so lecker. So Bangkok, I like!
FAKTEN:
Das von einem thailändischen
Architekten und 5 Innenarchitekten entworfene Haus hat 30 Stockwerke und 238
Zimmer in unterschiedlicher Größe und Ausstattung.
Das So Bangkok gehört zur
Sofitel Hotels und ist eines der ersten „So“-Hotels, die als urbane Häuser in
den Metropolen dieser Welt entstehen werden.
Lage: Direkt an der
Metro-Station Lumpini Park. In der Nähe: Saladaeng
Skytrain-Station, ca. 25 km vom Flughafen Suvarnabhumi (Bangkok International
Airport) entfernt.
Preis: ab ca. 120 Euro.
Thailand, du Schönheit
Es sind drückende 42 Grad als wir mittags in Bangkok landen. Selbst
dem thailändischen Taxifahrer ist das zu heiß. Er kann es gar nicht glauben und
zeigt immer wieder kopfschüttelnd auf das Außenthermometer im auf frostige 20
Grad runter gekühlten Taxi. Als seine Gesten erschöpft sind, drückt er auf ein
Knöpfchen und ein Monitor fährt am Autohimmel aus. "Lady Gaga" ruft
er glücklich und schon geht die Show los. Während Gaga eine recht lahme Bühnenperformance
hinlegt ziehen die ersten Wolkenkratzer von Bangkok an uns vorbei. Dazwischen
immer wieder kleine Fleckchen mit Wellblechhütten und goldene
Tempeldächer.
Sobald wir die Stadtautobahn verlassen, fängt das echte Bangkok an.
Unmittelbar. Laut. Wuselig. Ich frage mich, wie viele Mopedfahrer am Tag ihr
Leben lassen zwischen schneidenden Taxifahrern und ihren eigenen zackigen
Manövern. Ist wohl eine buddhistische Herangehensweise.
Unser erstes Hotel, das Frasier Suites, liegt fast direkt an der Sukhumvit, in einer der
Seitenstraßen um genau zu sein, die Suk genannt und dann einfach nur noch durchnummeriert
werden. „Where the Streets have no Names“. Das Hotel selbst ist günstig, bietet
genug Platz, aber leider wenig Charme. Auch hier zeigen die Thermometer innen
knappe 22 Grad. Unser erstes Abenteuer steht an, auf das ich mich am meisten
freue: den nächst besten Essenstand auf der Straße aufsuchen und dort zu Mittag
essen. Nach ein paar Schritten finden wir einen Stand unseres Vertrauens. Es
gibt ein Gemüsecurry und scharfe Shrimps. Dazu den obligatorischen Thai Ice
tea, Cha Yen genannt. Es wird das Getränk dieser Reise. Das Sommergetränkt
2012, vergiss Hugo!
Darauf folgt gleich das zweite Abenteuer: auf eines der unzähligen
Mopedtaxis springen und mit einem der unzähligen lebensmüden Mopedfahrern zur
nächsten Skytrainstation rasen. Entgegen aller Erwartungen fühle ich mich nicht
nur sicher, die Fahrt macht auf großen Spaß und der Fahrtwind ist einfach
herrlich.
Ein kurze Reise später stehen wir auf einem dem größten
Lebensmittelmärkte der Stadt. Asien pur. Es gibt alles. Ganze Berge von
gerupften Hühnern, Frösche kurz vor ihrer Schlachtung, Gemüseberge, Durianstände,
Korianderhaufen. Flinke Frauenhände binden tödlich scharfe Chilis zu kleinen
Sträußen. Schälen Früchte. Drehen Fische auf dem rauchenden Grill um. Ein
kleines Mädchen entdeckt mich und meine Kamera in meiner Hand und setzt zur
typischen asiatischen Fotopose an. Zwei Finger an die Wange. Lächeln. Süß,
obwohl es schon in diesem zarten Alter gestellt ist. Während Jenke in dieser
brütenden Hitze fleißig die am Stand gegenüber verkauften essbaren Insekten
dreht, lädt mich die Kräuterfrau neben an auf einen Sitzplatz auf ihrer
Eistruhe und daraus zu einem gekühlten Wasser ein. Ihre unbefangene
Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft rührt mich. Wir reden mit Händen und
Füssen. Ich solle viele Babies machen. Mädchen, wenn ich sie richtig verstanden
habe. Ihr Chili Sträußchen hängt nun bei uns in der Küche.
Mit dem größeren Tuk Tuk geht es weiter. Richtung Königspalast. Wir
überlegen, ob wir am nah gelegenen Fluss eine Bootstout machen, aber halten es
dann doch für zu touristisch. Stattdessen schlürfen wir im Schatten eine heiße Suppe
und freuen uns an dem vorbei ziehenden Skurrilitäten. Wie der jungen Dame im
Rollstuhl, die mit viel zu großer Sonnenbrille auf der Nase, Micro in der Hand,
Lautsprecher auf dem Schoss ein zähes Liedchen auf den Lippen hat und durch die
touristischen Gassen geschoben wird. Später sehen wir sie stehend mit ihrer
Freundin das eingenommene Geld zählen. Naja. Jeder muss sehen wie er klar
kommt in Bangkok. Abends im Hotel wollen wir einen Cocktail auf der
Dachterassenbar Above Eleven trinken. Der Ausblick ist gigantisch, der Service mau. Da
die Bedienung gleich drei Mal unsere Getränke vergisst oder sie einfach an
einen anderen Tisch bringt und auch der französische Barleiter nicht viel
cleverer ist, bekommen wir erst nach zwanzig Minuten unsere Drinks. Die
allerdings sind zugegebenermaßen lecker.
Durch die Dreharbeiten bleibt kaum Zeit für Sightseeing, mir genügen
aber die Momente auf den Märkten mit den Einsichten in das tägliche Leben der
Menschen hier. Das ist für mich viel lehrreicher als ein Besuch im
hochglanzpolierten Tempel oder gar dem Königspalast. Wir kommen noch mal für
eine Nacht zurück nach Bangkok. Dazu aber später mehr.
Aber zunächst geht es nach Khon Kaen. Khon Kaen? Wie
bitte was? Noch nie gehört! Wo ist das denn? Khon Kaen ist eine untouristische
Stadt im Nordosten Thailands, in der Region Isaan. Unser Reiseführer sagt, es
gebe nichts Berichtenswertes über die Stadt. Genau das macht sie für mich
interessant. Jenke will hier mit einer Professorin und mit Bauern drehen. Und
ich kann die Stadt erkunden. Nach 50 Minuten Flug landen wir auf dem kleinen Flughafen von Khon
Kaen. Wir sitzen in einer der drei Maschinen, die hier täglich aus Bangkok
landen. Mehr ist hier nicht los. Als wir aus dem Sicherheitsbereich treten,
werden wir Farangs besonders beäugt.
Was machen die bloß hier? Und tatsächlich: auf dem ersten Blick hat
die Stadt wirklich nichts zu bieten. Die Universität ist sicherlich ein Magnet,
auch für ausländische Wissenschaftler. Ansonsten sind hier Farangs nur
anzutreffen, wenn sie die Familien ihrer thailändischen Frauen besuchen. Denn
gerade die Isaanerinnen ziehen in jungen Jahren durch ganz Thailand, auf der
Suche nach Arbeit. Das sieht man hier. Und leider oft das Klischee alter weißer
Mann und viel jüngere thailändische Frau.
Mein Besuch in einer durchklimatisierten, futuristischen
Shoppingmall, die ich hier so nicht erwartet hätte, mutiert zum großen
Aha-Erlebnis. Ich frage mich nicht nur, wie die Menschen die hier arbeiten und
auch die Kunden, die hier shoppen, sich überhaupt jemals an die extreme
Lautstärke und dem Musik-Wirrwarr gewöhnen können, sondern auch, wie sie es bei
20 Grad in kurzen Hosen und Flips Flops aushalten, wenn draußen 20 Grad mehr
sind. Ich bin am Anfang auf jeden Fall der Ohnmacht nah. Als ich ein Kleid
kaufen will, brauche ich zehn Minuten, um der Verkäuferin zu entlocken, wo sich
die Kasse befindet. So selten sind hier Touristen unterwegs. Englisch findet nicht
statt. Der Nachtmarkt hingegen, den unser Tuk Tuk Fahrer allerdings nicht
auf Anhieb findet, macht Khon Kaen schon fast wieder eine Reise wert. Nichts
für ständig Hungrige wie wir, denn die Auswahl an köstlichen Ständen ist so
groß, dass wir uns kaum entscheiden können.
Wir schaffen es trotzdem und freuen uns über unverfälschtes,
thailändisches Essen. Ein Rätsel teilweise, was hier inden Töpfen schlummert.
Aber alles, was wir essen ist wirklich lecker.
Und dann, gerade als Jenke irgendwo Insekten fängt und ich zum
ersten Mal meinen Bikini auspacke um mich ganz faul an den Hotelpool zu legen,
passiert das, worauf ich die ganze Zeit schon gewartet habe. Ich sitze gerade
eine Minute auf meiner Liege. Der Himmel bewölkt sich, wird pechschwarz, die
Luft wirkt wie elektrisiert. Und dann geht es los. Es fängt an zu donnern, zu blitzen
und zu grollen. Innerhalb von einer Sekunde pladdert ein heftiger Regen vom
Himmel. So was habe ich noch nie erlebt. Geil! Ich rette mich gerade noch rein
und schaue staunend wie ein kleines Mädchen durch die bodentiefen
Fensterscheiben unseres Hotel. Das Spektakel dauert nur wenige Minuten. Schon bald
vertreibt ein rosaroter Himmel die Wolken. Ich haste raus, um Fotos zu machen. Beim
Anblick der nassen Straßen, in deren Pfützen sich der Himmel spiegelt, erstarre
ich förmlich Thailand, du Schönheit.
Bald folgt der zweite Teil unserer Reise.
Interview mit einem Weltreisenden
"Lookin for Jonny" lautet der Titel des Weltreisenden Dennis, der vor knapp einem Jahr auszog, um das Weite zu suchen. Wir haben ihn bisher mit großer Spannung und Achtung auf seinem Blog, bei Facebook und bei Twitter verfolgt. Haben uns nicht satt lesen können an seinen schönen, lustige, traurigen, aufwühlenden Worten von unterwegs. Ihm haben Eichhörnchen aus der Hand gefressen, er hat in Asien einen Tanzkurz belegt, wurde auf eine ausschweifende Hochzeit eingeladen, ist an einem Traumstrand kollabiert, hat sich in eine Insel verliebt, ist von einem Düsenjet geärgert und verletzt worden und und und. Nicht mehr lange, dann ist seine Reise zu Ende. Dann hoffen wir darauf, dass er mal bei uns am Küchentisch sitzt und alle unsere weiteren Fragen beantwortet. Bis dahin haben wir ihm per e-Mail die wichtigsten rund um seine Reise geschickt:
Reisefreunde: Wie bist du auf die Idee gekommen auf Weltreise zugehen?
Dennis: Ich reise schon immer gerne, wer tut
das nicht! Mein größter Traum war es, einmal in die Südsee zu reisen, an den
schönsten Stränden der Welt in der Sonne zu braten, puderfeinen weißen Sand
unter meinen Füssen zu spüren und auf eine türkisblaue Lagune zu schauen. Und
wenn ich schon mal da unten bin und einen 30 Stunden Flug hinter mich gebracht
habe, der mich ein Vermögen kostet, auch einen Abstecher nach Australien zu
machen. Und Neuseeland muss man schließlich auch gleich mitnehmen liegt nun mal
auch in der Nähe...so kommt man schnell auf 5 Monate. Wenn man einige Zeit
gearbeitet hat, kommt dann irgendwann dieses „Das-hab-ich-mir-verdient-Gefühl“
auf, dem man Rechnung tragen will. Eine Auszeit nehmen, die Arbeit, Arbeit sein
lassen und mal was zurück bekommen, sich was gönnen. Wenn einem bewusst wird,
wie schnell das Leben vorbei sein kann und das man im Grunde sein Leben lang
für etwas spart, das sich Rente nennt, ohne die Gewissheit, diesen Lebensabschnitt
jemals erreichen zu können, macht es irgendwann klick. Ich arbeite jetzt, also
will ich auch jetzt leben.
Reisefreunde: Wie lange bist du schon unterwegs und wie lange wirst du
noch unterwegs sein?
Dennis: Ich bin „im 11. Monat“ und arbeite
mich langsam wieder Richtung Heimat. Vielleicht noch zwei oder drei Monate, mal
schaun. Einen Plan gibt es schon lange nicht mehr. Ich entscheide heute, was
ich morgen mache und wo ich übermorgen hinreise.
Reisefreunde: Welche Länder hast du schon bereits und welche Länder willst du
noch sehen?
Dennis: Ich habe mit der klassischen
Weltreiseroute angefangen, bin dann etwas abgedriftet und schließlich im
Zickzack gereist (weiß auch nicht, was da los war).
Ich war in Thailand, Malaysia,
Singapur, Indonesien, Australien, den Cook Islands, Bora Bora, Tahiti und 3
weiteren Inseln auf Französisch Polynesien, bin dann wieder zurück nach Bali
und Singapur (weil´s so schön war), Kambodscha (Achtung, hier gibt es keinen
Mac Donalds!), zum dritten mal nach Singapur, dann Hong Kong, Macau, in die USA
und die Karibik - Dominikanische Republik, Puerto Rico und St. Maarten auf den
niederländische Antillen, nochmal zurück in die USA und bin nun in Israel
gelandet. Nach Israel geht’s sicher nach Jordanien und Griechenland und der
Rest Richtung Deutschland ist offen, vielleicht Spanien, vielleicht Italien,
vielleicht die Türkei.
Reisefreunde: Erzähl uns von deinem schönsten Erlebnis auf der Reise!
Dennis: Unheimlich emotional zerrüttend aber
eben auch schön ist es, zu realisieren, dass man sich irgendwo weit weit von zu
Hause entfernt „zu Hause“ fühlt. Und das kommt nicht oft oder gar nicht vor. Es
ist schnell mal eben gesagt, dass man irgendwo an einem Traumstrand leben
könnte. Das halte ich aber für absoluten Unsinn. Bora Bora ist sicher eine der
schönsten Orte, die ich jemals sah, und leichtfertig ist daher gesagt, dass man
am liebsten dort bleiben würde, spätestens nach 2 Monaten würde ich jedoch mit
dem Kopf gegen die Wand rennen. Und dann sind da diese unerwarteten Orte, die
es in sich haben. Die vielleicht keinen Strand zu bieten haben, kein Meer, keine
großartigen Sehenswürdigkeiten, aber die Dir das Gefühl geben, Du bist
angekommen, hier willst Du bleiben. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl, das
ist der Sechser im Lotto des Weltreisens und kann womöglich Dein gesamtes Leben
umkrempeln. Und das hat im Wesentlichen nur mit einem zu tun – Menschen!
Reisefreunde: Und das bisher enttäuschendste Erlebnis?
Dennis: Australien!
Reisefreunde: Wie und warum bist du auf die Idee mit dem Blog gekommen?
Dennis: Im Vorfeld einer Reise sind Blogs die
rettenden Anker, die einem in der Planungsphase unheimlich weiterhelfen und
auch motivieren, an seinen Plänen festzuhalten, gerade, wenn man den großen
Schritt geht, Job und Existenz in Deutschland aufzugeben. Ich wollte meine
Erfahrungen ebenfalls weitergeben an diejenigen, die sich wie ich, ebenso
planlos und hilflos fühlten, als die Idee Formen annahm. Außerdem hielt ich es einen
Blog für die beste Form, meine Erlebnisse als Alleinreisender zu verarbeiten
und mit jemandem zu teilen – eben mit der ganzen Welt. Und das hat sich bestätigt,
meine Erinnerungen sind wesentlich stärker, mir wird beim Schreiben zum Teil
erst bewusst, was ich erlebt und wie ich es empfunden habe und ich dokumentiere
für mich selbst das schönste Jahr meines Lebens. Sich aufzuraffen, ein Tagebuch
zu schreiben, das niemand liest, ist wesentlich schwieriger, als zu bloggen,
insbesondere, wenn Leserzahlen rasant ansteigen und man plötzlich Feedback und
sehr nette Mails erhält. Vielen Dank dafür.
Reisefreunde: Du schreibst in deinem Blog wirklich sehr persönlich, wie
reagieren deine Leser darauf? Musst du dich manchmal zurücknehmen?
Dennis: Ja, muss ich. Auch wenn ich
unheimlich viel positives Feedback erhalte, dass man sich als Leser oftmals wie
ein „Mitreisender“ fühlt. Es gibt Dinge, die ich wieder herausnehmen muss, weil
man sie einfach erlebt haben muss, um die Erlebnisse nachvollziehen zu können.
Sonst wirken sie lächerlich oder überzogen. Oder aber ich müsste hundert Seiten
mehr schreiben, um die Umstände detaillierter zu beschreiben. Außerdem gibt es
Dinge, über die man nicht schreiben kann, weil Blogleser relativ sensibel
reagieren und bestimmte Dinge nicht lesen wollen, meist leider die negativen
Erlebnisse, obwohl sie es sind, die Dich letztendlich auf der Reise maßgeblich
prägen. Man liest halt lieber über Traumstrände als Krankheiten oder lieber über
relaxtes Inselleben, anstatt Überfälle, Unfälle und Kriminalität. Ein wenig
Stoff muss ich mir auch fürs Ende aufbewahren...das Beste kommt bekanntlich
immer zum Schluss. Vielleicht werde ich dann nochmal sehr persönlich. Es gibt
unheimlich viel Interessantes, Skandalöses und Schönes, über das ich bisher
bewusst nichts gebloggt habe.
Reisefreunde: Gab es Situationen, in denen du deine Weltreise in Frage gestellt
hast? Wenn ja, in welcher? Wie hast du dich danach wieder motiviert?
Dennis: Ich habe die Reise nie infrage
gestellt, bis ich die Armut in Kambodscha, neben den üblichen Touristenpfaden
sah. Und damit meine ich nicht bettelnde Kinder am Strand, sondern wirklich
schreckliche Bilder von im Müll wühlenden Kindern, die nach Essbarem oder allem
Verwertbarem gesucht haben, vor Dreck stanken und mit einem derart leeren
Gesichtsausdruck vor mir standen, dass ich mich für alles schämte, was ich
besaß, tat oder wer ich war. Ein Vermögen für eine Reise auszugeben, während
andere Menschen hungern, war für mich zunächst tatsächlich fragwürdig.
Allerdings bin ich im Nachhinein dankbar für diese Erfahrung und habe nur durch
diese Reise die Möglichkeit gehabt, damit konfrontiert zu werden. Das ist auch
das beste Beispiel für den Wert des Blogs. Denn durch ihn hatte ich die
Möglichkeit zum einen mein Erlebnis zu verarbeiten, zum anderen, mich mit dem
Thema auseinanderzusetzen und außerdem, es weiterzugeben an andere Reisende.
Das hat mich letztendlich auch motiviert, das Erlebnis für mich positiv und
nicht negativ zu werten.
Reisefreunde: Was hast du bisher über dich oder das Reisen gelernt?
Dennis: Dass jeder Gedanke, dass es sich
dabei um einen langen Urlaub handelt, reine Illusion ist. Urlaub und Weltreisen
sind zwei Paar Schuhe. Ich habe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
mehr Stress, als zuvor im deutschen Alltag mit einem Vollzeitjob. Der geht eben
nur von 8 bis 16 Uhr und das Wochenende ist frei. Reisen ist ein Vollzeitjob, nimmt
unheimlich mit, ist anstrengend, kann frustrieren, es klappt nichts, wie Du es
erwartest, die Organisation unterwegs nimmt wahnsinnig viel Zeit in Anspruch,
Beschaffung von Informationen ist selbst im Internetzeitalter in vielen Ländern
ein Abenteuer, Reiseführer sind für die Tonne, und trotz allem...es ist das
größte Projekt Deines Lebens und letztendlich doch wieder wunderschön, weil Du
an scheinbar unüberwindbaren Herausforderungen gewachsen bist. Für daheim
gebliebene wird das lächerlich klingen. Aber die Realität sieht so aus, dass
man zu Hause ein wahnsinnig gemütliches Leben führt, seine Komfortzone
praktisch nie verlassen muss, während man unterwegs Lebensumstände akzeptieren
muss, zu denen man in Deutschland vielleicht niemals bereit gewesen wäre.
Reisefreunde: Was kannst du anderen mit auf den Weg geben, die ebenfalls eine
Weltreise planen?
Dennis: Nicht zu viel zu planen. Maximal die
ersten zwei Monate machen Sinn und dann kommt definitiv alles anders, als man
denkt. Meine Erwartungen wurden fast nie erfüllt. Es war immer komplett anders,
als ich es erwartete. Und die Liste der zu bereisenden Länder wird sowieso
länger anstatt kürzer. Man erhält so viele Tipps von anderen Reisenden und
ändert seine Route schneller, als gedacht.
Und ich würde empfehlen, regelmäßig
Pausen einzulegen und auch mal 3 bis 4 Wochen an einem Ort zu bleiben. Aber
vorsichtig bei längeren Aufenthalten. Die nächste Herausforderung ist dann, rechtzeitig
wieder den Absprung zu schaffen. Das war für mich vor allem in Singapur eine
unmenschliche Herausforderung und ist mit unerwartet intensiven Emotionen
verbunden, die man so vielleicht noch nicht von sich kannte.
Reisefreunde: Und nun noch eine kleine Liste, bei der wir dich bitten möchten
ganz kurz und knapp zu antworten:
Reisefreunde: Was vermisst du?
Dennis: Körnerbrot
Reisefreunde: Welches Reiseutensil ist ein MUSS für
Weltreisende?
Dennis: Ohrenstöpsel
Reisefreunde: Was braucht man nicht?
Dennis: Das kurioseste und unnötigste was ich
bei mir hatte war eine...(festhalten) Alarmanlage für Rucksäcke. Habe ich nach
2 Monaten zurückgeschickt nach Deutschland. So ein Schwachsinn.
Reisefreunde: RTW-Ticket oder selber buchen?
Dennis: Auf jeden Fall selber buchen.
Flexibilität wiegt stärker als Kostenersparnis.
Reisefreunde: Lieber Strand oder Land?
Dennis: Eindeutig Schlaand!
Vielen Dank an Dennis - auch für die wunderschönen Fotos. Und euch Reisefreunden sei noch mal ans Herz gelegt, lest Dennis Blog!!!!
Habt ihr Fragen an Dennis????
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