Nordseehopping in drei Teilen
Samstag, Oktober 27, 2012
Alleinreisende, Amrum, Deutschland, Gourmet, Hallig, Langeness, Nordsee
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Zuerst führte uns das Nordseehopping nach Bohmstedt,
einem kleinen Nest hinter Husum. Hier im Paulsens Landhotel und Restaurant sollten wir die erste Nacht verbringen. Die Sonne stand hoch oben am Himmel und die ganze Gegend
schien einem Miss Marple Film entsprungen. Dichte Hecken um rote Häuser aus
Backsteinen, kleine weiße Zäunchen.
Paulsens ist ein Traditionshaus, früher gehörte es der Senior, der
schwierige Zeiten vor allem durch Tüchtigkeit und seine nicht aufhörende
Kreativität überwand. Das Haupthaus ist natürlich ebenfalls ein klassischer
Backsteinbau, das Nebengebäude allerdings ist ein Holzhaus und könnte so auch
in Schweden stehen. Hier kann man sich wohl fühlen.
Das junge Personal ist sehr
freundlich und mit Herz dabei und die Atmosphäre stimmt. Bohmstedt eignet sich
sicherlich für Ausflüge nach Husum oder sogar nach St. Peter-Ording. Wir aber
hatten nur ein Abendessen auf dem Programm (mit Einblick in die Küche,
Sous-Chefin Anette hat mit uns eine Krabbensuppe gekocht). Am nächsten Tag fuhr
uns dann besagter Senior Chef (genannt „Audi“) nach Dagebüll zur Fähre. Marten, der eigentliche Hotelchef hatte zu tun. Die
ganze Fahrt über plauderte sein Vater Platt mit uns – schätzungsweise 80 Prozent haben
wir verstanden, unter anderem eben auch, dass als früher Geld her musste, "Audi"
einfach kurzerhand beschloss, eine Disko am Dienstag aufzumachen und damit
schnell aus den Miesen war. Sympathischer Kerl.
Mehr Fotos gibt es wie immer auf der Reisefreunde Facebook Seite.
Disclaimer: Auf die Nordseehopping
Tour wurde ich von den Besitzern der Hotels eingeladen. Danke an Primo
PR für die Organisation. Meine Meinung bleibt dennoch wie immer die
meine!
Nordseehopping Teil 2 : Mein Inselhotel auf Amrum
Willkommen auf Amrum. Aber huch! Eigentlich sollte uns
hier am Hafen von Wittdün jemand abholen, doch irgendetwas war wohl schief gegangen, denn es war niemand
zu sehen. Wir stiegen kurzerhand in den Bus, der direkt am Terminal stand. Wir
wollten nach Norddorf – und genau dort fuhr auch der Bus hin. Eine ältere Dame
schien sich auszukennen und wir fragten, ob sie wisse, wo denn das „Mein Inselhotel“ sei. „Wer sind denn die Besitzer?“ wollte sie mit zarter Stimme und
starkem norddeutschen Akzent wissen. „Familie Jöns“ antworteten wir – und da
wusste sie Bescheid. „Ja - zu Jöns fahren Sie einfach bis zur Endhaltestelle
und dann gehen sie ein bisschen geradeaus, dann rechts und wieder links, dann
sind Sie da!“ So einfach ist das auf Amrum. Einer Insel, auf der etwa 2200
Menschen leben. Man kennt sich eben. Herrlich.
Im „Mein Inselhotel“ wurden wir dann sehr freundlich und herzlich von Koch,
Besitzer und Charmbolzen Gunnar Jöns empfangen. Der
verwechselte uns auch noch zunächst mit anderen Gästen. Aber Minuten später war klar:
irgendjemand hatte sich in unserer Buchung vertan. Eigentlich hatte man uns nämlich erst einen Tag später erwartet. Machte
aber alles nix, das Gelächter war groß -
und wenige Minuten später waren wir auf unseren zauberhaften Zimmern.
Und dann kam Kerstin Jöns dazu, die Hausherrin, ein Sonnenschein von Mensch! Eine Aura, die locker bis nach Timbuktu reichen könnte und eine so schöne Stimme, sie könnte mir stundenlang aus dem Telefonbuch vorlesen. Sie
entschuldigte sich vielmals und bot uns an, spontan einen Strandspaziergang mit
uns zu machen. Das war so ziemlich die beste Idee überhaupt.
Nordseehopping: Amrum - Mein Inselhotel from Angie Reisefreunde on Vimeo.
Nordseehopping: Amrum - Mein Inselhotel from Angie Reisefreunde on Vimeo.
Denn ich wusste
bisher nicht, wie umwerfend schön Amrum ist. Ich war noch nie auf Amrum.
Unglaublich! Der Strand misst satte zehn Kilometer und führt einmal an der
Insel lang. Schnell waren wir beim Du
als wir auf dem breiten Strand unseres Weges marschierten. Dazu ging ganz
dramatisch die Sonne unter. Beeindruckende Wolkenkombinationen schoben sich
über den Horizont und die untergehende Sonne färbte alles in einen goldenen
Traum. Bis zu Panchos Burg, einem Sammelsurium in Fischkuttergröße, die der
Berliner Künstler Pancho aus allem, was so am Meer angespült wird in
jahrelanger Arbeit zu einem Kunstwerk erschaffen hat. Dort kehrten wir auch um
– denn Kerstin musste um 18 Uhr wieder bei ihrem Göttergatten sein - denn dann
beginnen die letzten Vorbereitungen für das Abendessen.
Das „Mein Inselhotel“ serviert
eine regionale, aber feine Küche. All abendlich steht Gunnar in der Küche und bereitet
den Hausgästen ein dreigängiges Menü an. Auch hier fand ich als Ess- und
Kochbegeisterte schnell den Zutritt zu Küche und konnte herrlich mit Gunnar scherzen und naschen. Wenig später servierte er uns köstlich gewürzte
Herzmuscheln als Gruß aus der Küche, dann einen feinen frischen Rotkohlsalat
(von Bauer Schult), eine herzhaft gefüllte Paprikaschote mit Kartoffeln (auch
von Bauer Schult) und schließlich einen Käseteller (nicht von Bauer Schult). Zugegebenermaßen
versackte ich abends trotz Vorsatz früh ins Bett zu gehen mit Kerstin und
Gunnar an der Bar. Ihre private Geschichte ist so interessant, lustig und
inspirierend, dass man daraus leicht ein Drehbuch für einen romantisch -
dramatischen Film schreiben könnte. Vielleicht mach ich das mal. 5 Sterne Plus für ihre Gastfreundschaft.Um zwei Uhr war
ich im Bett. Uff. Viel zu spät
eigentlich, denn ich hatte in Schnapslaune mit Gunnar vereinbart, dass er mir nach
dem Frühstück das Trecker fahren beibringen sollte. Das wollte ich schon immer
mal machen- nun bot sich die Gelegenheit.
Der Trecker von Gunnar war Baujahr
1974, ein echt olles Ding, aber er passte so herrlich zu meinen
Gummistiefeln. In Reisefreunde rot! Leicht verpennt erschien ich dann auch am
reich gedeckten Frühstücks-Büffet. Nebenan saß Frau Reise, eine allein reisende
Dame aus München, die ich schon seit dem Vortag um ihren Namen beneidete. Ich
sprach sie an. Ich will es mal kurz fassen. Vor mir saß wohl eine der
interessantesten Damen, die ich seit langer Zeit kennengelernt habe. Ich werde
Frau Reise bei meinem nächsten Trip nach München besuchen und ein ausführliches
Interview machen. Ihr könnt gespannt sein! Ich sag nur soviel: sie ist im Prinzip schuld, dass der
amerikanische Sänger und Komponist Billy Joel Onkel wurde. Aber dann war
Treckerzeit: Gunnar und ich zogen von dannen, raus auf einen Feldweg und ich
durfte ans Steuer. Ein bisschen langsam für meinen Geschmack, aber Spaß gemacht
hat es auf jeden Fall. Schaut euch das Video an.
Danach kam das nächste
Highlight: ich traf auf Kinka, einer vor Energie sprudelnden Amrumerin, die
nicht nur jeden Miss Amrum Contest gewinnen würde, sondern auch was zu erzählen
hat. Sie arbeitet als Reporterin der lokalen Zeitung, als Fotografin, serviert
im Café und kümmert sich um Ferienwohnungen. Was für eine Frau! Mit ihr und
Kerstin zog ich über die Insel, um zumindest ein paar der vielen
Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Die grüne und bewaldete Insel hat viel zu
bieten, vor allem aber viel Schönheit: die Reetdachkaten, der ewig lange
Sandstrand und die friesische Kultur. Mal wieder blieb mit zu wenig Zeit, um
alles in Würde anzuschauen. Eines aber fiel mir besonders auf: Die Frauen von
Amrum sind stark!
Und ich will mehr über sie und ihr Leben erfahren – aber das
muss noch warten. Kaum waren zwei der starken Amrumer Frauen und ich zurück,
packte ich meinen Koffer und schnappte mir Reisefreundin Betti. Kerstin steckte uns
schnell noch einen Picknick-Beutel für die Weiterreise zu. (So liebevoll für
uns zurecht gemacht, dass wir als wir den Beutel später auspackten, vor
Entzückung seufzen mussten.) Der Abschied fiel (mal wieder) sehr schwer, das
Glück war mir auch dieses mal Hold und bescherte mir die Begegnung mit
besonderen Menschen. Gunnar und Kerstin winkten unserer Fähre auf die Hallig
Langeness noch lange nach – und wir zurück. Ich wusste da noch nicht, dass ich nur zwei Tage später wieder zurückkommen sollte. Wieso? Weshalb? Warum? Na, lest doch erst mal hier weiter....
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Disclaimer: Auf die Nordseehopping Tour wurde ich von den Besitzern der Hotels eingeladen. Danke an Primo PR für die Organisation. Meine Meinung bleibt dennoch wie immer die meine!
Nordseehopping Teil 3: Die Hallig Langeness
Samstag, Oktober 27, 2012
Alleinreisende, Deutschland, Gourmet, Hallig, Langeness, Nordsee
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Nordseehopping: Hallig Langeness from Angie Reisefreunde on Vimeo.
Ankers Hörn ist nur wenige Minuten per Auto von der Anlegestelle entfernt. Vor
dem Haus stehen Strandkörbe, in denen man es sich gemütlich machen kann und
dann vor allem das tun sollte, wozu es einen auf die Hallig treibt: nichts.
Rein gar nichts. Vielleicht noch ein Buch lesen, oder Vögel beobachten. Schlafen.
Essen. Tote Tante trinken. Abschalten, runterkommen, nachdenken. In der guten
Stube des Hauses, das übrigens mit viel Liebe und Details frisch renoviert
wurde, wurden wir herzlich von den Mitarbeitern mit einem Stück Kuchen
empfangen. Der wird jeden Tag von der Besitzerin gebacken. Virginia war schon
als Baby auf der Hallig zu Besuch, hat sich dann später in ihren jetzigen Mann
Malte verliebt und ist geblieben. Mittlerweile haben sie selber drei kleine
Mädchen und führen das Hotel zusammen. Reisefreundin Betti verschwand nach der Friesentorte in die Sauna, die
wohl einen der spektakulärsten Ausblicke direkt auf die Salzwiesen und das Meer
bietet. Ich starrte einfach nur auf die
einrückende Dämmerung und döste.
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Disclaimer: Auf die Nordseehopping
Tour wurde ich von den Besitzern der Hotels eingeladen. Danke an Primo
PR für die Organisation. Meine Meinung bleibt dennoch wie immer die
meine!
Locanda al Colle... ti amo!
Was für eine Einstimmung. Ich bin auf dem Weg zum Gate 70 am
Münchener Airport zu meinem Air Dolomiti Flug der mich zu einem verlängerten
Toskana Wochenende nach Florenz bringen soll. Ich bin schon oft von diesen
Busgates hier am Flughafen geboardet –aber anscheinend habe ich dieses Unikum
immer übersehen: hier steht nämlich eine echte italienische Bar, die auch noch
Little Italy heißt. Im Fernseher plaudert eine schnelle italienische Schönheit,
hinter der Bar serviert augenzwinkernd und den Damen Komplimente machend ein
italienischer Gigolo und es gibt heißen starken Espresso. Che bello.
Wenig später sitze ich schon in der ATR der italienischen
Lufthansa-Tochter. In meinen Ohren schnulzt Christopher Cross meinen aktuellen Lieblingsreisesong
„Sailing“. Ich schaue hinaus. Unter mir
die Alpen. Die Air Dolomiti macht ihrem Namen alle Ehre - und schnurrt ruhig Richtung Florenz. Dort
werde ich meinen Mietwagen abholen und noch eine Stunde Richtung Meer düsen. Nach
Camaiore zur Locanda al Colle nördlich von Pisa.
Die Einladung kam von "Charming Places"- Veranstalterin und Tourismuslegende
Siglinde Fischer – denn deren Tochter Anja Fischer mittlerweile die
Geschäftsführung übernommen hat und mit der Locanda al Colle eines ihrer Lieblings-Urlaubsdomizile
fand. Sie war sich sicher, es würde mir ebenso die Sprache verschlagen. Ich bin
gespannt und wie immer natürlich auch ein bisschen skeptisch. Kann es so
einfach sein, das Paradies zu finden?
Eine Stunde nach Landung bin ich angekommen. Die Locanda al Colle ist gleich auf den ersten Blick ganz nach meinem Geschmack. Das Haus (ein
ehemaliger Bauernhof) liegt an einem Hang voller Olivenbäume und üppiger
Vegetation. Nomen est Omen. Das Gasthaus am Hügel. Eine Zypresse schmiegt sich leicht im Wind. Von hier oben blickt man
auf das Tal von Camaiore und zum Ligurischen Meer. Mit einem herzlichen Lachen und
strahlenden Augen empfängt mich Arianna. Sie zeigt mir mein schönes Zimmer im
zweiten Stock. Schon der Aufgang hier hoch berauscht mich. Hier hat jemand
einen ganz außergewöhnlichen Geschmack. Die gesamte Locanda steckt voller
Details, wunderschöne Kunstwerke, die sich harmonisch in die gestylten und
wertvoll eingerichteten Räume einpassen.
Große und beeindruckende Bilder und wunderschöne alte Lampen. Die ersten Fotos, die ich auf meine Instagram Account poste, bekommen Reaktionen wie „bring mir mal den roten Sessel mit“ oder „ich hätte gern die Fensterläden“. Solche Reaktionen hatte ich noch nie. Mein Zimmer hat eine verwunschene Atmosphäre. Durch die aprikot-farbenen Vorhänge scheint die Toskanische Nachmittagssonne und taucht alles in ein warmes Licht. Draußen höre ich nur fröhliches Vogelgezwitscher. Schön. Das Bad in meinem Zimmer hat alte Fliesen und die wohl größte Regendusche, die ich je gesehen habe. Einen Fernseher gibt es nicht. Noch schöner.
Ich will raus. Ich nutze den Sonnenschein um die ersten
Fotos zu machen und bleibe dann doch in der Küche hängen. Die ist nämlich der
zentrale Ort der Locanda, eine Rezeption gibt es gar nicht. Chef Riccardo ist gekommen, und er erklärt
mir das Konzept seines Hauses. „Dies ist ein Zuhause, kein Hotel“. Mit neun Zimmern
wäre es dann auch ein bisschen klein für ein Hotel - aber er hat Recht. Die
Stimmung hier nimmt mich ein und lässt mich sofort heimisch fühlen. Oben im
zweiten Stock gibt es eine Art Wohnzimmer und überall liegen schöne Magazine
und Bildbände, in einer Selfservice-Bar stehen ausgewählte Drinks.
Überhaupt:
wenn man etwas anderes als Wasser, Tee oder Kaffee möchte, nimmt man es sich
einfach aus dem Kühlschrank und schreibt es selber auf. Das ist schon sehr wie
zu Hause. Auf der Terrasse döst der betagte Golden Retriever Ubaldo, der nächste Woche
seinen 16. Geburtstag feiert. Während ich mir nach dem Schnack mit Riccardo das
Haus anschaue, bereitet Arianna in der Küche nebenan eine Quiche für das
Frühstück morgen zu. Es duftet herrlich! Riccardo war jahrelang führender
Manager eines uns allen bekannten italienischen Modeherstellers, lebte auf
etlichen Kontinenten und hat einen ganz hervorragenden Geschmack und eine gute
Hand, seine über die Jahre gesammelten Werke hier in seiner Heimat zusammen
zubringen. Dass er weit gereist ist hört und sieht man überall. Er hat Klasse.
Von seiner Großzügigkeit und Gastfreundschaft möchte ich mir eine Scheibe
abschneiden.
Ich sitze im Halbschatten, esse ein Stück hausgemachten Kuchen
und genieße den Moment. Selbst die Musik ist ästhetisch. Es läuft leiser Jazz.
Ein Schmetterlings-Paar umfliegt mich wie so oft und zaubert mir ein Lächeln
auf die Lippen. Es ist schön hier. Riccardo kommt wieder. Er gibt mir für heute
Abend einen Tipp. Ich solle ins La Brocca gehen. Das gehöre einem Ehepaar, die
beide aus ihrer Leidenschaft einen Beruf gemacht haben. Rinaldo war früher
Fotograf und Lina war einst in der Designbranche tätig. Nun sorgen sie mit
einem kleinen Team dafür, ihre hungrigen Gäste glücklich zu machen. Also fahre
ich hin.
Etwa 15 Minuten weiter nördlich liegt das Restaurant etwas versteckt.
Schon die Einrichtung stimmt mich ein – liebevoll und witzig dekoriert, das La Brocca ist wirklich sehr charmant. Der Service mit Herz und einem ehrlichen
Lächeln. Neben mir saßen auch deutsche Gäste, die hier in der Gegend wohnen und
mir verrieten, dass sie schon viermal hier waren – und nie enttäuscht wurden.
Auch mich hat das Team vom La Brocca überzeugt. Es war wohl ihre Mission, diese
allein essende und sich für gutes Essen dankbar zeigende Bloggerin aus
Deutschland von der Qualität ihrer Waren und Kochkünste zu überzeugen. Anders
kann ich mir nicht erklären, dass sie mir etwa sechst oder waren es sieben
Gänge hintereinander mit einem breiten Lächeln auftischten. Als wollten Sie
mich herausfordern und testen, was ich so alles essen kann. Es war alles
hervorragend. Regional. Saisonal. Slow Food im besten Sinne.
Auch in der Locanda al Colle wird Wert auf bestes Essen
gelegt. Arianna backt jeden Tag frische Kuchen oder Quiches zum Frühstück und
immer mittwochs und samstags sind die Gäste abends zum Essen eingeladen. Am
Herd steht dann Koch Gian Luca. Ich begleite ihn einen Tag. Er sieht nicht nur
unverschämt gut aus, sondern ist charmant und lustig, so dass wir einen
großartigen Tag haben. Traumtyp. Und er kann was. Er ist 24 und kocht eher mit dem Herzen
sagt er. Er könne nicht verstehen, wie man anders kochen kann. Viele seiner
Landsleute, sagt er, geben sich mit weniger zufrieden, das regt ihn auf. Als
wir morgens den Metzgerladen Marchetti betreten, in dem er gleich von einer
ganzen Familie gelernt hat, wird mir klar was er meint. Hier liegen nur die
besten Fleischsorten, liebevoll zubereitet, gekonnt weiterverarbeitet. Man kann
probieren. Nebenan gibt es noch warmes Essen und Delikatessen.
Ein paar Straßen weiter durchkämmen wir einen Fischladen
nach den besten Spezialitäten und kaufen für den Abend ein. Es gibt Dorade und
einen Fisch, den die Amerikaner mal fälschlicherweise für einen kleinen
Tunfisch gehalten haben „Short Tuna“. Die Italiener haben es falsch verstanden.
Seitdem heisst er „Sortuno“. Ob er so geschrieben wird weiß ich allerdings
nicht. Aber die Geschichte ist großartig. Neben an schlürfen wir noch einen
hervorragenden Kaffee und ziehen dann weiter zum Gemüsehändler. Immer wenn ich
in Italien bin, kommt ein wenig Neid auf. Das schöne Wetter, das Meer, und dann
die vielen guten Geschäfte, die ich in Berlin lange suchen muss. Und dann noch
die dreirädrigen APE, in denen meist Oma und Opa sitzen und über die kleinen
Alleen pöttern. Ich erzähle das Gian Luca und er lacht. „Wenn du hier wohnst,
dann nerven dich die APEs, denn manchmal kannst du einfach nicht überholen.“
Man wünscht sich immer das, was man nicht hat.
Den ganzen Tag stehe ich in der Küche und sehe zu, wie Gian Luca das fünfgängige Menü für den Abend zubereitet. Und filme ihn. Es gibt einen Apperetivo (Blätterteigherzchen mit selbsteingelegten roten Zwiebeln und Taleggio), danach ein Broccoligratin mit Sortuno und eingelegten und gefüllten Tomaten, eine Kürbissuppe, dann eine Pasta mit Pulpo, ein zartes Doradenfilet mit grünen langen Bohnen und gerösteten Kartoffeln und als Nachtisch wieder ein selbstgemachtes Blätterteigtäschen mit einer Vanille-Orangencreme und Obstsalat. Dazu noch selbstgebackenes Brot und besten Wein. Gian Luca braucht sechs Stunden, bis alles fertig ist. Ich bin fasziniert. Ich hätte zwei Tage daran gearbeitet. Zwischendurch machen wir ein kleines Picknick –es gibt Champagner und Bruscetta mit selbstgemachter Hühner-Paté. Wenn ich es mir wünsche dürfe wäre dieser Tag nie geendet. Vielleicht heuer ich als Küchenmöbel in der Locanda an. Zumindest Mittwoch und Samstag.
Abends dann als das Werk vollendet ist, wird der Tisch
draußen festlich gedeckt und alle Gäste finden sich ein. Amerikaner, Deutsche,
Schweden und der Australier Neil, ein Freund des Hauses, sitzen zusammen und
plaudern über das Leben, die Liebe, gutes Essen und das Reisen. Ganz entspannt,
ganz offen. Riccardo und Arianna servieren die Köstlichkeiten aus Gian Lucas
Küche und ein wohliges Hmmmm ist von allen Seiten zu hören. Das ist
international und jeder kann es verstehen. Ich übernehme den Chefkellner und
kündige allen an, was sie da vor sich haben – ich weiß ja bestens Bescheid. Mit
guten Gesprächen und guten Weinen klingt der Abend aus. Was für ein Tag – mit
jeder Sekunde habe ich mich mehr in die Locanda verliebt.
Und hier ist warum:
Locanda al Colle, Toskana from Angie Reisefreunde on Vimeo.
Mein letzter Tag kommt viel zu schnell. Nachts hat es geschüttet und auch tagsüber ziehen vermehrt dichte Wolken auf. Ich will zum Meer - das hatte ich bisher noch gar nicht geschafft. Herrlich ist es hier in der Nachsaison, kurz vor Saison Ende, dann bekommt das Meer seine Würde zurück und alles sieht irgendwie retro aus. Die Häuschen und Badeclubs am Strand, das Rettungsboot, das einsam und verlassen am Strand liegt. Ich sitze hier lange, döse, denke über vieles nach. Unter anderem darüber wie dankbar ich bin, so viele wunderbare Menschen und Orte als Bloggerin kennenlernen zu dürfen. Und dann kommt der Regen. Ich setzte mich kurz entschlossen in meinen Mietwagen und düse nach Cinque Terre nach Liguren, das nicht weit entfernt ist. Die dramatische Küste ist sicherlich eine eigene Reise wert, aber mir genügt es schon, hier einfach am Meer zu sitzen, der Surfern zuzusehen und einen Kaffee zu trinken.
Und hier ist warum:
Locanda al Colle, Toskana from Angie Reisefreunde on Vimeo.
Mein letzter Tag kommt viel zu schnell. Nachts hat es geschüttet und auch tagsüber ziehen vermehrt dichte Wolken auf. Ich will zum Meer - das hatte ich bisher noch gar nicht geschafft. Herrlich ist es hier in der Nachsaison, kurz vor Saison Ende, dann bekommt das Meer seine Würde zurück und alles sieht irgendwie retro aus. Die Häuschen und Badeclubs am Strand, das Rettungsboot, das einsam und verlassen am Strand liegt. Ich sitze hier lange, döse, denke über vieles nach. Unter anderem darüber wie dankbar ich bin, so viele wunderbare Menschen und Orte als Bloggerin kennenlernen zu dürfen. Und dann kommt der Regen. Ich setzte mich kurz entschlossen in meinen Mietwagen und düse nach Cinque Terre nach Liguren, das nicht weit entfernt ist. Die dramatische Küste ist sicherlich eine eigene Reise wert, aber mir genügt es schon, hier einfach am Meer zu sitzen, der Surfern zuzusehen und einen Kaffee zu trinken.
Zurück in der Locanda sitze ich auf der Terrasse, kann mich
gar nicht sattsehen an der Aussicht. Die Farben. Das Licht. Das Grün. Ich frage
mich, warum die Toskana so reicht mit Schönheit beschenkt wurde. Es ist
manchmal nicht zum aushalten – irgendwie sieht alles aus, wie gemalt. Neil
kommt dazu und wir plaudern, nippen ein Gläschen. Abends gehen wir mit
Riccardo und Freunden nach Pietrasanta, dem nächstgelegenen, mittelalterlichen
Städtchen, dass durch und durch stylisch und schön ist. Wir haben einen Tisch
in der Trattoria il Marzocco, die einem symphatisch Verrücktem gehört. Er
ist halb Sizilianer halb Schweitzer und ein Unikum. Das Essen ist köstlich,
eine Mischung aus toskanisch, sizilianisch und immer anders. Lecker!
Mein Abreisetag zeigt sich verregnet. Die Toskana weint
genau wie ich denke ich, als ich schweren Herzens meinen Koffer packe. Unten
warten schon Riccardo und Arianna. Ich muss fast losheulen. Ich glaube ich bin
die einzige Bloggerin, die trotz ständiger Abschiede ein echtes Problem damit
hat. Pippi in den Augen, kann ja wohl nicht wahr sein. Vielleicht habe ich aber
auch nur besonders viel Glück und entdecke wirklich die schönsten
Paradiese und lerne einfach die tollsten
Menschen kennen. Und da fällt eben der Abschied besonders schwer. Grazie und
Arrividerci Locanda. Ci vediamo a dopo.
PS. Erstens: Ich spiele ab sofort Lotto um Dauergast zu
werden. Zweitens: Die Locanda al Colle schließt ab Anfang November und geht in einen
kleinen Winterurlaub. Allerdings ist zwischen Weihnachten und Neujahr noch
einmal geöffnet – dann geht es erst Ende März wieder mit der neuen Saison los. Da sehen wir uns :)
Disclaimer: Ich war auf Einladung von Siglinde Fischer Charming Places unterwegs. Meine Meinung bleibt wie immer dennoch die meine. :)
Eine Woche, zwei neue Supper Clubs in Berlin
Eine Woche und zwei Supper Club, oder Guerillarestaurants oder Privatrestaurants. Egal wie man es nennt. Das Prinzip ist immer ähnlich: es gibt gutes Essen für Fremde im eher privaten Rahmen. Entweder im Wohnzimmer der Gastgeber oder in anderen Locations. In der vergangen Woche habe ich als absoluter Supper Club Fan meinen eigenen Rekord aufgestellt - und gleich zwei besucht. Zum einen war ich im Kreuzberger "Zuhause" Supper Club, zum anderen beim wohl einzig veganen Supper Club der Stadt, ach - wer weiß: der Welt, dem "Mund Art Berlin"
Aber lest selbst...
Erster Eindruck: Wenn das Essen genauso genial ist wie die Frisur
der Supper Club Chefin Kristi wird das ein guter Abend. Das waren meine ersten
Gedanken. Willkommen bei Zuhause. In Berlin Kreuzberg. Nee, ich hab mich nicht
verschrieben, Zuhause heißt der Supper Club. Hier wohnen Kristi und Dave, ein
kanadisch-irisches Paar.
Der Supper Club: Heute und an vielen Abenden öffnen sie
Fremden ihre Wohnzimmertür und laden zum Zuhause Supper Club. Wie passend: Dave
ist gelernter Koch und daher ein Profi. Ich hatte meiner vier Freundinnen Nadja, Marisa, Ewa und Nora mit dem
Dinner überrascht und mitten ins Schwarze getroffen, als ich kurz vorher das
Geheimnis gelüftet hatte. Die Freude war groß!
Der Abend: Oben im zweiten Stock geht die Tür auf und Kristi
lugt hervor. Sie bittet uns herein und wir lernen die anderen Gäste des Abends
kennen. Wir sind insgesamt12 Personen. Allesamt neugierig und gespannt auf die
anderen – und vor allem das Essen. Dave begrüßt uns aus der Küche mit ein paar
köstlichen Snacks und Kristi von der Bar mit einem Drink. Meine Damen sind begeistert. Wir setzen uns an die große schön gedeckte
Tafel im Wohnzimmer. Ich stelle mit großer Freude fest, dass Zuhause & ich
den gleichen Musikgeschmack haben.
Super Atmosphäre.
Das Essen: Als erstes serviert das Paar eine zarte
Jakobsmuschel auf einem Blumenkohl Püree, mit angebratenen Romanesco und
einem kleinen Mango-Salat. Dazu gibt es selbstgemachtes Brot, Butter und Salz. Danach gab es
eine cremige und herzerwärmende Selleriesuppe mit Lardon und Rosinen. Es
folgten unglaublich gelungene Gnocchi mit Pfifferlingen und Thymian – die besten
die ich je gegessen hab. Anschließend wurde ein Brandenburger Kalb auf herber Schokoladensauce
serviert – auf dem Teller warteten zudem noch ein köstliches Kartoffel Pavé,
das so etwas wie ein edles Gratin ist. Das Dessert war ein Pfirsich Millefeuille
mit Pistazien Creme. Die Überraschung schlechthin war der abschließende Käse
Gang: ein Blauschimmel-Pflaumen Auflauf, mit Streuseln überbacken. Köstlich. Zum Schluß noch einen Kaffee und (natürlich) selbstgemachte Kekse. Yumm!
Das Fazit: Hört sich alle sehr schick an, oder? Ist es auch und supergut!
Dazu gab es korrespondierende Weine –allesamt eine Wucht. Wer Geduld hat und
einen besonderen Supper Club erleben möchte, sollte sich bei Kristi und Dave
melden und um eine Reservierung bitten.
Die Spende beträgt 69 Euro inklusive aller Getränke – was bei dem
Service, bei der Qualität auch der Weine ein Hammer ist. Wir, bzw. ich komme
garantiert wieder.
Nur wenige Tage später war ich wie gesagt im wohl einzigen veganen
Supper Clubs Berlin, im Mund Art Berlin. Ich hatte schon per se Vertrauen da
ich eine der Macherinnen des Supper Clubs von früher kenne. Feli war jahrelang
Kellnerin in einem meiner Berliner Stammcafés.
Erster Eindruck: wir kamen fünf Minuten zu spät – und waren
schon fast die letzten Gäste. In einem witzigen kleinen Geschäft in Moabit mit
offener Küche findet der vegane Supper Club statt – immer jeden ersten Mittwoch
des Monats. Zur Begrüßung gab es fröhliche Gesichter bei allen Anwesenden und
einen prickelnden Cremant rosé.
Der Supper Club: Ausschließlich vegan wird hier gekocht –
und zudem nach regional und saisonal. Was sich Feli & Nicole & Co. hier
vorgenommen haben ist gewagt und verrät hohe Ansprüche.
Der Abend: es wird viel gelacht. Und da in der Location der Tisch nah an der Küche steht, ist es spannend und
faszinierend, Nicole dabei zuzusehen wie sie mit leichter Hand (und das unglaublicherweise) als
ungelernte Köchin das Essen für so viele Leute zubereitet. Immer bleibt sie
gelassen und konzentriert. Routiniert ist natürlich auch der Service, der es schafft, die ca. 25 Gäste wie
Freunde charmant und liebevoll zu umsorgen. Die meisten Gäste sind keine Veganer und nicht mal
Vegetarier, so dass schnell klar wird, dass Mund ART Berlin eine echte
Botschafter-Position inne hat.
Das Essen: Zunächst gibt es fluffiges Brot, das schon
alleine süchtig gemacht hätte. Aber dann die Überraschung: dazu reicht man uns
veganen Schmalz, der köstlicher und deftiger nicht sein könnte. Er wird aus
drei besonderen pflanzlichen Fetten hergestellt. Der erste richtige Gang ist
dann ein geröstetes Brot mit Aioli und Kürbissalat. Eine herrliche Sünde. Darauf folgt eine
überraschend frisch schmeckende Lasagne von roher roter Beete und Kohlrabi,
Cashewkäse und Kräuterricotta. Der Hauptgang dann eine üppige Portion
geschmorter Spitzkohl in Rosmarinessenz und gratinierter Pilzkartoffel mit
Haselnuss-Chili-Parmesan. Dennoch: Mehrfach
mussten die Kellnerinnen hier nachlegen, denn den Gästen schmeckte es einfach
zu gut. Der abschließende Blick auf die Menükarte machte mich skeptisch. Das
Dessert sollte eine weiße Schokoladenmousse sein. Im „Birnenleder“. Ich
zweifelte stark, dass man so etwas lecker vegan hinbekommen konnte. Wenige
Minuten später war klar: konnte man! Auch hier wurde die Creme später gern
nochmal nachgelegt. Als Absacker im Menü mit inbegriffen. Man hatte die Wahl zwischen einem Borgmann
Kräuterlikör aus Braunschweig, was meine Braunschweiger Begleitung in Verzücken
brachte oder einem Leipziger Brotschnaps, der nach Karamell schmeckte und dabei
ganz klar war.
Dazu gab es je nach Gusto hervorragenden veganen Biowein,
Wasser und hausgemachte Limo – die extra bezahlt werden mussten.
Das Fazit: sehr gelungen. Überraschend und vor allem gut. Für das
Menü lag die Spende bei 39 Euro, die Getränke kosten extra. Ein toller Supper Club,
bei dem auch Fleischesser nicht hungrig gehen, sondern mit Sicherheit
verwundert und inspiriert den Abend beenden werden. Tolle Gastgeber, die
herzlich und offen sind. Auch hier werde ich in 2013 noch einmal sitzen.
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