In einer Stunde zum Crêpe Diplom

Géraldine strahlt mich mit ihren leuchtenden Knopfaugen an. Sie trägt ein Tuch im Haar. Das sieht nicht nur hübsch aus, sondern bändigt auch noch ihre wilden Locken. Eine Schürze mit ein paar Mehlflecken darauf verrät, dass sie just eine neue Portion Teig zubereitet hat. Sie ist die Inhaberin der Crêperie du Port in Saint-Quay-Portieux. Schnuckelig ist das Örtchen. Ein kleiner Hafen, bunte Häuschen, in der Bucht spielen Kinder Fußball. Jetzt bei Ebbe liegen die kleinen Boote auf der Seite. Es sieht aus als halten sie ein Nickerchen. 

Géraldines Crêperie befindet sich genau an der Hafenpromenade. Ein einfaches und ganz typisches Lokal. Karierte Tischdecken, hübsche Dekoration und ein verlockender Duft, der im Raum schwebt. Es gibt natürlich vor allem Crêpes und deren herzhafte Schwestern aus der Bretagne: Galettes. Auch gern Farine au Sarrasin genannt. Die werden aus Buchweizenmehl hergestellt und fast ausnahmslos mit allerlei Salzigem belegt. Das erfahre ich alles von der zauberhaften Géraldine, die mir nach einer servierten Breizh Cola eine Schürze umbindet und mich mit hinter ihre Herdplatten zieht.



Der Galette-Teig, erklärt sie mir, muss zwei Tage im Kühlschrank gehen. Dann gärt der Teig leicht und quillt auf. Und dann entstehen auch beim Backen die typischen kleinen Luftlöcher im Galette. Der Crêpe Teig hingegen muss frisch zubereitet werden. Sie ist schon ganz in ihrem Element, Teigschüssel vor der Brust, Holzlöffel in der Hand. Sie schlägt den Teig noch einmal kräftig durch. 




Die Platten vor denen wir stehen sind schon heiß, das kann ich fühlen. Sie nimmt ein Küchenpapier, tränkt es in eine Schüssel mit Speiseöl und bestreicht damit schnell eine Platte. Mit der linken Hand, verrät sie mir, hält man die mit Teig gefüllte Kelle, mit der rechten hält man den Rateau (oder Rozell in bretonisch), das typische T-förmige Holzstöckchen um den Teig auf der Platte zu verteilen. Sie macht es mir einmal vor. Galant sieht das bei ihr aus. Kurz den Teig verstreichen, zack zack. Ein paar Sekunden warten, dann mit dem Spachteln lockern und schwupp die wupp wenden. 


„Einfaches Ding“ denke ich in meinem nicht mehr jugendlichen Leichtsinn und versuche es. Und scheitere schon in den ersten Sekunden kläglich. Ich bin zu lahm oder zu doof, den Teig ordentlich zu verstreichen. Es ist ein Desaster. Ich habe den hässlichsten Galette der Welt gebacken. Géraldine beömmelt sich. „Die ersten Galettes bekommt in der Bretagne immer der Hund“ sagt sie. Auch mein zweiter Versuch ist eine vollkommende Katastrophe. Um nicht noch mehr Teig zu vergeuden, bitte ich meine Crêpe Lehrerin, mir die rechte Hand zu führen.



Bis ich dabei endlich kapiere, dass man den Teig in schnellen zackigen Bewegungen verstreichen muss. Dritter Versuch allein: schon besser. Der vierte klappt dann endlich und wird als „Galette complette“ zunächst einmal gewendet, dann mit einem frischen Ei, darum Käse und Schinken belegt, serviert. Und natürlich weil ja bretonisch noch mal ordentlich mit gesalzener Butter bestrichen. Es schmeckt köstlich. Die Crêpes dagegen sind ein Kinderspiel. Der Teig ist viel elastischer und lässt sich besser verteilen. Ich toppe ihn mit gesalzener Butter und Zucker und einmal mit caramal au beurre salé, der überall erhältlichen Süßkram-Droge der Bretagne.


Ich bin zu Recht stolz. Um ein echter Profi zu werden, braucht man allerdings einen ganzen Monat. Immerhin habe es in einer Stunde zu einem Diplom geschafft, dass mir Géraldine feierlich überreicht. Dennoch will sie nicht mitessen. Im Frühling, am Anfang der Saison, wenn sie ihren Laden öffnet, hat sie noch den Jieper und isst jeden Tag ihre eigenen Galettes und Crêpes. Später in der Saison muss sie zwangspausieren, denn die Madame Galette und der Monsieur Crêpe sind nun mal nichts Leichtes. Ach ja, und wie das Rezept für die Galettes lautet, will ich noch zu Verabschiedung wissen. Sie lacht herzlich. „Ganz einfach“: Buchweizenmehl, Eier, Salz und Wasser und dann zwei Tage stehen lassen. Es ist eben eigentlich ein Arme-Leute-Essen. Voilà.

Merci Géraldine &
"ar c'hentañ (das heißt bis bald und ich habe es von einem Fan der Bretagne gelernt! Und Danke an das Bretonische Fremdenverkehrsamt für die Einladung zu diesem großen Spaß!

7 Kommentare:

  1. Ich liebe Galettes! Schönes Video :)

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    1. ich muss mir jetzt nur noch die Ausrüstung besorgen, dann backe ich dir einen! :D

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  2. Habe mich selbst bereits einmal am Galette-Teig versucht und bin kläglich gescheitert! Toller Bericht, ich glaube, meine nächste Reise führt mich ebenfalls in die Bretagne!

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    1. Hahaha, danke da fühle ich mich nicht mehr so alleine :-)

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    2. Geht ganz einfach:
      500 g Buchweizenmehrl
      1/4 Liter Milch (3,5%) ,
      0,75 Liter Wasser,
      2 Eier,
      1 bis 2 Teelöffel Meersalz
      Mehl + Salz in eine Schüssel, Kuhle bilden, Eier da rein und per Hand bzw. Quirl (ohne Maschine!!!) die Eier einarbeiten, die Milch unterrühren, dann das Wasser langsam zugeben.
      Mindestens 1 Tag stehen lassen....

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  3. Bei dem Video läuft mir gleich das Wasser im Mund zusammen! Hatte schon meine Freude mit den Galettes und Crêpes in Frankreich, jedoch nur mit dem Kosten nicht dem Machen.
    p.s. Glückwünsche zum Diplom!

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  4. Super Video. Und Toller Beitrag. So einen Crêpes Kurs würde ich auch mal gerne machen da ich mich da auch immer ziemlich dusselig anstelle. Bin über ein tolles Video gestoßen in dem es um einen Crêpes-Stand aus Tirana, Albanien geht. Dort kriegt man auch sehr leckere und ungewöhnliche Zutaten. Sieht aber richtig lecker aus :)
    (Quelle)
    Grüße
    Tini

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