Kapstadt: Unterwegs mit der Condor Crew


Ich glaube, ich bin sofort eingeschlafen. Yvonne, mit der ich mir ein Zimmer im Crewhotel von Condor in Kapstadt teile, hat noch irgendwas gebrabbelt. Aber das klang in meinen Ohren wie hundert Meter entfernt. Nach meinem Einsatz als Flugbegleiter Trainee war ich komplett ausgeknockt.


Wenige Stunden später bin ich halbwegs fit. Zu meinem großen Wunder treffe ich in der Lobby auf strahlende Gesichter. Meine Flugbegleiter-Crew, die übrigens in privaten Klamotten kaum wiederzuerkennen ist, ist topfit. Wahrscheinlich haben die sich längst an den energieraubenden Workload ihres Jobs gewöhnt. Ich bin eine Memme.

Mit der Condor Crew in Kapstadt from Angie Reisefreunde on Vimeo.

Wir fahren ans Wasser und wollen dort zu Abend im "Paranga" essen. Als die Sonne das Meer und das halboffene Restaurant in Orange taucht und ich endlich esse, werde ich fitter und tauche ein in die spannenden Unterhaltungen und Gelächter links und rechts. Dennoch: es wird ein kurzer Abend.



Ausschnitt aus dem Layover Buch der Condor...
Schon während des Fluges hierher hatte meine Trainerin Christine von einem Layover Büchlein erzählt. Das ist eine Art Empfehlungs-Heft von Flugbegleitern der Condor für die Kollegen. Christine ist Projektleiterin und macht einen großartigen Job. In dem Heft werden Tipps rund um die Destinationen der Condor gesammelt: Restaurants, Cafés, generelle Tipps, Museen, zu empfehlende Touren und und und. Darauf war ich scharf. 


Also war mein Wunsch, ein paar der Orte aus dem Heft gemeinsam abzuklappern. Und er wurde erfüllt. Am nächsten Tag fahren wir auf dem Weg zum Kap der Guten Hoffnung am „Harbour House Restaurant“ vorbei, einer von Christines Lieblingslocations. Wir essen hier zwar nicht (da wir später ein Picknick machen wollen), aber meine Trainerin erklärt mir warum es hier so toll ist: „Zum einen liegt es direkt am Meer - der Ausblick ist also grandios. Das bekomme ich zu Hause nicht. Und das Essen ist ein Traum, es gibt internationale Gerichte mit mediterranen Elementen und täglich frischen Fisch.“ Das ist auch kein Wunder, denn das Harbour House liegt, wie der Name verrät, direkt an einem kleinen lokalen Hafen. 

Ein Muss für jeden Kapstadt Besucher und auch für uns ist eine Tour zum Kap der Guten Hoffnung. Wir kommen kurz vor Mittag dort an. Unterwegs haben wir an einem gut sortierten Supermarkt gehalten und uns Leckereien besorgt. Wir wandern gut eine Stunde durch den kräftigen Wind, finden an einer geschützten Eckchen vorm Kap Platz für unsere Rast und schauen gebannt auf die mächtigen Wellen. Zum ersten Mal finde ich die Zeit mit meinen Crewkollegen ein paar persönliche Worte zu wechseln. Flugbegleiterin zu sein ist für viele trotz aller Anstrengungen ein echter Traumjob. „Wo hast du solche Pausen?“ sagt mich eine meiner Kolleginnen und schaut versonnen auf das Meer. 


Unser nächster Halt ist der berühmte "Boulder’s Beach". Liesl lädt mich auf ein Eis ein und ich sie dafür auf den Eintritt um den geschützten Teil des Table-Mountain-Nationalparks zu bekommen. „Das macht man so unter Freunden...“ kommt mir in den Sinn, denn ich hab sie schon längst alle in mein Herz geschlossen. Der Strandabschnitt auf der Kap-Halbinsel ist stark besucht. Alle kommen um sich die kleinen gefiederten Bewohner anzuschauen. Hier lebt eine Brillenpinguin-Kolonie. Sie dösen in der Sonne oder watscheln ins Meer. Ich könnte ihnen stundenlang zusehen.


Zurück in Kapstadt gehen wir nach einer kleinen Verschnaufpause ins „Savoy Cabbage“ – einem der Lieblingsrestaurants von Kapitän Philipp. Ein modernes, afrikanisches Restaurant mit internationalem Einschlag, untergebracht in einem alten Lagerhaus. Das Interieur ist beeindruckend, ebenso die Kompetenz und Freundlichkeit des Teams. Mein persönliches „Find“ in Kapstadt.


Unser letzter freier Tag beginnt mit einem dämlichen Missgeschick. Ich sitze am Frühstückstisch im Crewhotel, vor mir mein Laptop, rechts daneben mein nagelneues iPhone und eine große volle Tasse Cappuccino. Und genau das passiert, wovor ich im Flieger als Trainee-Flugbegleiterin so viel Angst hatte. Die Tasse wackelt wie in Zeitlupe und ich sehe, wie sie sich wie in einem schlechten Film neigt und sich über meine komplette Technik und mich entleert. Ich bin ein tollpatschiger Vollidiot. Immerhin war ich schnell genug, um meine Technik zu retten. Glück im Unglück.



Frisch umgezogen und mich über mich selber ärgernd geht es los auf unseren Ausflug in die Weinberge. Unser Guide Chris fährt mit uns zur "Spice Route" mitten durch die schönsten Weinanbaugebiete von Südafrika. Satte Felder und im Hintergrund mächtige Berge sind die Kulissen der Landschaft, die an unseren Busfenstern vorbei ziehen. 

Unser erster Stopp ist die "Spice RouteWinery". Ein Konglomerat aus verschiedenen schönen Häuschen, in einem ist eine Glasbrennerei untergebracht, es gibt zwei Restaurants, einen Chocolatier, eine Destillerie und sogar eine Brauerei.

Liesl, die ursprünglich aus Südafrika kommt, rät mir zu einem ganz typischen Mitbringsel. „Biltong ist getrocknetes Fleisch, wie Bündner Fleisch aus der Schweiz, nur dicker. Hier kannst du zwischen Springbok, Beef und Kudu wählen. Das ist etwas ganz authentisches und damit ein ideales Geschenk!“. Ich folge ihrem Rat und kaufe drei Tüten für Freunde daheim. 

Wenige Kilometer weiter essen wir im "Dornier Bodega Restaurant" zu Mittag. Die Aussicht auf die Berge und das Tal sind eine Wucht, der das Anwesen umgebende Garten könnte in Zeitschriften gefeatured werden. Und auch hier haut mich die Qualität der Speisen vom Hocker.  Es ist eine Mischung aus traditionellen Gerichten und modernen Einflüssen  - und wirklich köstlich. Dazu kann man die Hausweine probieren, ich allerdings vertraue blind auf die Qualität und nehme ohne zu kosten eine Flasche mit.


Am nächsten Tag ist Abreise. Es ist komisch, die Kolleginnen und Kollegen wieder in Uniform zu sehen. Ich bin plötzlich wieder Gast. Wir haben doppelt Glück: zum einen ist die Rückmaschine eine der neuesten 767 in der Flotte der Condor, sie hat schon die neuen Sitze samt eingebauten Entertainment-Monitor im Vordersitz, zum anderen sind noch zwei Plätze in der ebenfalls neuen Condor-Businessclass frei und ich werde upgegradet. 


Dennoch: ich komme mir irgendwie blöd vor, dass mich meine neuen Freunde jetzt bedienen. Am liebsten würde ich mithelfen. Aber ich werde sanft in meinen Sessel verwiesen. „Genieß den Flug!“ kommt als liebe Order von Christine. Okay.



Die Jungs im Cockpit haben noch ein letztes Abschiedsgeschenk. Sie haben eine spezielle Abflugroute angefragt, das Wetter dafür ist ideal. So drehen wir eine Ehrenrunde über den Tafelberg, als die Sonne rotgolden untergeht und meine Aussicht sich wie in einen surrealen Traum verwandelt. Aber alles ist echt. Kathi bringt mir mein Essen und schenkt mir einen Champagner ein. „Das hast du dir verdient“ sagt sie. Und ich bin dankbar. Ich weiß, wie viel harte Arbeit noch in den nächsten Stunden auf sie alle wartet. Aber irgendwann kann ich gedanklich loslassen, fahre ich mein Bett aus und schlafe ein.


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Ich kann gar nicht genug Danke sagen. Also nochmal: Herzlichen Dank an Condor für diese unvergessliche Reise und die reichen Erfahrungen, die ich sammeln durfte. Eine ganz große Verbeugung an "meine" Crewmitglieder, die nicht nur einen tollen Job machen und gemacht hatben sondern vor allem bezaubernde Menschen sind und vor denen ich Hochachtung habe. Auf ein baldiges Wiedersehen!




10 Kommentare:

  1. Whow, toller Bericht, Angelika! Das macht Lust auf Kapstadt, auf Fliegen und die Condor ;-)

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  2. Hach... Kapstadt!!! Einer der schönsten und tollsten Orte. Da schwelgt man direkt wieder in Erinnerungen. Vielen Dank, für diesen tollen Bericht! Der kam wie gerufen, denn ich habe mich gerade als Flugbegleiterin bei der Condor beworben und darf noch diese Woche zum Assessment Center. :-)

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  3. Hallo Luna, ja dann: toi toi toi! Tolle Firma! Falls du Christine triffts: grüß sie lieb von mir! :-)
    Viel Erfolg, Angie

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  4. Ein super schöner Bericht, herrliche Bilder und wie bei Luna auch gerade rechtzeitig zum Assessment Center diese Woche :-)

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  5. Tolle Aktion! Da bin ich fast etwas neidisch. Und die Fotos sind wirklich spitze.

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  6. Kleiner Tipp: Es heißt "Kap der guten Hoffnung". Eine Hoffnung ist genug.

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    1. Haha, danke. Geändert. Aber kann man jemals genug Hoffnung haben? ;-)

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  7. Ganz tolle Bilder und ein interessanter Artikel! Man bekommt sofort Lust auf einen Urlaub am Kap.
    Liebe Grüße

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