Petra: Auf den Spuren von Indiana Jones

Ich war 17 Jahre alt, als ich mit Popcorn und Cola bewaffnet im roten Kinosessel in meiner Heimatstadt Hameln saß, gebannt auf die Leinwand starrte und die Welt um mich herum verschwand. Harrison Ford rannte durch in Fels geschlagene Tempel, ritt auf Pferden durch Schluchten und erledigte Schurken. Und ich fieberte mit. Aber ich wusste nicht, wo die letzte Szene von Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ gedreht wurde. Ich wusste nur:  die Landschaft war atemberaubend.

All das fällt mir wieder ein, als ich durch das Tor zu den Ruinen von Petra gehe. Die Stadt Petra in Jordanien liegt in einer Talsenke auf dem halben Weg zwischen dem Toten Meer und Akaba. Ihre Ruinen sind weltberühmt und UNESCO-geschützt, ich schätze jeder Tourist, der das Land bereist, kommt hier her. Nur Vollidioten lassen diesen Ort aus.

Ich bin mit Wasser, einem Sandwich und einem Apfel bewaffnet. Ich habe es zum Glück nicht weit. Mein Hotel, das Mövenpick Hotel Petra liegt nur zwanzig Meter vor dem Haupteingangstor. Alle Nase lang schießt ein Beduine an mir vorbei, bietet mir seine Dienste an – wahlweise auf einem Esel oder Pferderücken oder in einer Kutsche das Gebiet zu erkunden. Aber ich lehne jedes Mal ab. Es gibt Orte, die man sich zu Fuß erarbeiten muss, Petra gehört dazu.

Und recht habe ich als ich zwischen die ersten Felsenschluchten am Siq trete und ich die Schönheit der Farben sehe, die in die Felsen geschlagenen Relieffiguren erkenne. In voller Fahrt auf der Kutsche oder auf dem ruckeligen Esel hätte ich all das schon mal gar nicht entdeckt.

Ein junger Mann spricht mich an, ich drehe mich um. Schwarzer Vollbart, große Sonnenbrille. Ich könnte schwören, er ist ein Einheimischer, aber er spricht Amerikanisch. Er stellt sich als Justin vor, Medizinstudent aus den USA, der ein paar Monate Praktikum in einem Krankenhaus in Amman machen will. 27 Jahre alt ist er. Vor zwei Tagen erst ist er in Jordanien angekommen. Wir beschließen uns die Ruinen gemeinsam anzuschauen. Sehr praktisch denke ich, falls ich irgendwo umknicke hab ich meinen eigenen Arzt dabei. 

Ziemlich nah am Anfang verschlägt uns der Khazne al-Firaun die Sprache. Das „Schatzhaus des Pharao“ ist eines der vielen Felsengräber. Beduinen warten lungernd davor, machen ihre Scherze mit den Touristen und bieten Kamelritte an. Oder geben den Kamelen Cola zu trinken. Ein skurriler Anblick. Neben mir schnappe ich ein Gespräch eines amerikanischen Paares auf. „Indiiii“ haucht sie zu ihm. Und er nimmt ihre Hand und brummt: „Let’s start with this adventure“. Die einstigen Kinder der 80er denken alle das gleiche.


Justin und ich latschen weiter, von der Höhe der Felsen umzingelt und von ihrer Schönheit fast erschlagen. 

Und dann startet eine Reihe von lustigen Begegnungen mit Beduinen. Wir klettern gerade zum Urnengrab hoch und kommen an etlichen Souvenirständen der Beduinen vorbei, als hinter uns einer ruft „Hey, you lost something“. Wir drehen uns suchend um. Gelächter folgt. „You lost your heart in Petra“. Ich falle vor Lachen fast eine der unebenen Stufen herunter. Wenig später, wir sind schon völlig außer Atem und passieren einen weiteren Stand mit Devotionalien als eine Beduinenfrau sagt. „Have a break, have a kitkat!“. Das Lachen nimmt uns den letzten Atem. Und wir pausieren wirklich und kaufen ihr ein Getränk ab.

Den Knaller aber erleben wir, als wir endlich -nach gefühlten zehn Tagen-  aber in Echt nach knapp 1,5 Stunden völlig verschwitzt die Berge zur Monastry, dem Ad-Deir Kloster erklommen haben. Über 800 Stufen muss man sich nach oben schleppen - aber es lohnt sich. Nur noch ein Berg liegt vor uns, von hier soll man den schönsten Ausblick über das Tal und den letzten Tempel hier haben. Ein einsamer Stand steht am Wegesrand. „Look look, nice presents“ ruft eine Frau zu meinem jungen Begleiter. Er schaut sie an. „Nice presents for your mother“! Ich glaube ich traue meinen Ohren nicht. Sehe ich sooo alt aus? Wir fallen in ein lautes Lachen. Justin will beschwichtigen. Die meint bestimmt meine Mutter zu Hause“. Ja klar..... Ich finde, neben den Jahrtausendalten Ruinen hier, sehe ich noch ganz frisch aus.   

Und dann reißt mich ein Geräusch aus meiner Mini-Depression. Ein Flötenspiel. Klar und deutlich. Wir drehen uns um und versuchen den Spieler ausfindig zu machen. 



Und da sitzt er – auf der Turmspitze der Monastry. Er spielt ein herzwärmendes Lied, es schallt durch das ganze Tal und wird von den umzingelnden Bergen zurückgeschickt. Und als der Spieler fertig ist, geht er in die Knie und springt ohne mit der Wimper zu zucken auf das etwa vier Meter entfernt liegende Dach des Tempels. Einfach so. Als wären dazwischen keine 20 Meter Tiefe. Wir halten den Atem an. Er landet gekonnt. „Besser als Kino“ sage ich zu Justin. Und er schaut mich an und haucht „Indiiiiiiii“.



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Glaubt mir, es macht wirklich Sinn, die Ruinen komplett zu Fuß zu erobern – und zwar bis zur Monastry. Ich war insgesamt 7 Stunden vor Ort – die Zeit braucht man um sich alles anzuschauen. In den Ruinen selber gibt es einige Möglichkeiten Getränke und Snacks zu kaufen. Auch Toiletten gibt es. Der Eintritt in die Ruinen kostet 50 Dinar, das ist viel, lohnt sich aber wirklich.

Am Montag, Mittwoch und Donnerstag gibt es ein ganz besonderes Spektakel. "Petra by Night" heißt es - hier führen unzählige Kerzen und Faklen durch die Siq-Felsenschlucht zum ersten Tempel (dem" Indi Jones Tempel") und tauchten den Ort in mystisches Licht. Für diese Tour muss man noch einmal 12 Dinar zum normalen Eintrittspreis berappen - und sich unbedingt früh genug vorher anmelden, denn die Touren sind heiß begehrt.

In Petra ist die Stadt ebenfalls gut zu Fuß erkundbar. Man muss sich an die Impertinenz der lokalen Händler gewöhnen, die einen überall auf einen Tee einladen wollen, um einen in ihre Geschäfte zu locken. Einfach freundlich ablehnen, wenn man kein Interesse hat. Ich hatte es besonders bequem, mein Mövenpick Hotel lag direkt vor dem Eingang zu den Ruinen. Spießroutenlauf adé...


Auf meine Reise wurde ich von Mövenpick Hotels eingeladen. 

4 Kommentare:

  1. Oh, Petra ist jetzt auf meiner Reiseliste ziemlich weit oben! Wenn ich mich beeile, gern auch mit Justin! :-)

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    1. Hahaha, Justin ist mittlerweile wieder back in the USA... Aber nach Petra musst du auf jeden Fall! Vielleicht triffst du ja auch einen anderen Indi!

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  2. Hallo, ich hab den Flötenspieler auch getroffen. Er sitzt immer dort. Leider locken die Beduinen damit Leute an und laden sie auf ein Treffen ein "hundertpro kostenlos". Schade als sie dann 20 euro von jedem wollten. :( Habe also leider nur schlechtere Erfahrungen gemacht.

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    1. Echt? Von uns wollten sie kein Geld. Bzw. die Jungs waren ja so hoch oben, ich hatte kein Bedürfnis zu ihnen hoch zu klettern... ;-)

      Und die Händler, die es überall versuchen, die konnten meinen Tag nicht vermiesen. Das kenne ich aus allen Ländern, denen es wirtschaftlich nicht gut geht. Es ist natürlich schwierig nein zu sagen, vor allem, wenn Kinder betteln. Schade, dass bei dir der Ort deshalb so schlechte Erinnerungen hinterlassen hat....
      Allzeit gute Reise!
      Angie

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